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VW: Umsatz brutal eingebrochen – Autobauer greift jetzt zu einer radikalen Maßnahme - Aktie unter Druck

  • Thomas Schmidtutz
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Der Volkswagen-Konzern ist in der Corona-Krise tief in die roten Zahlen gerauscht. Angesichts des Umfelds will der größte Autobauer der Welt die Dividende für 2019 kürzen.

  • Die Corona-Krise hinterlässt tiefe Spuren bei Volkswagen.
  • Im ersten Halbjahr steht ein Vorsteuerverlust von 1,4 Milliarden Euro.
  • Für 2019 soll die Dividende gekürzt werden. Anleger sind sauer, die VW-Aktie fällt ans Dax-Ende.

Wolfsburg - Von Januar bis Juni hat Volkswagen vor Steuern einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro eingefahren, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Im Vorjahreszeitraum hatte das krisengeschüttelte Unternehmen vor Steuern noch 9,6 Milliarden Euro verdient.

Der Umsatz sackte im Halbjahr um knapp ein Viertel auf 96,1 Milliarden Euro ab. Im zweiten Quartal lag das Minus sogar bei 37 Prozent auf 41 Milliarden Euro. Ähnlich wie andere Autohersteller musste auch Volkswagen wegen der Corona-Krise im März und April die Produktion einstellen, viele Autohäuser waren komplett geschlossen. Daher verkaufte der Konzern kaum noch Autos. Seit Mai ziehe das Geschäft aber langsam wieder an, teilte VW mit.

„Das erste Halbjahr 2020 war durch die Covid-19-Pandemie* eines der herausforderndsten in unserer Unternehmensgeschichte", sagte Finanzvorstand Frank Witter. Angesichts des positiven Trends der vergangenen Wochen und der Einführung zahlreicher neuer Modelle sei man für die zweite Jahreshälfte aber „vorsichtig optimistisch“. VW steckt mitten im Umbau zur E-Mobilität. Im September soll mit dem ID.3 ein reiner Stromer auf den Markt kommen.

VW: Corona-Krise führt zu starken Umsatzeinbußen - Dividende für 2019 wird gekürzt

Wegen der nicht verlässlich einschätzbaren der weiteren Entwicklung will das Management die Dividende für das Geschäftsjahr 2019 deutlich kürzen. Je Vorzugsaktie sollen 4,86 Euro* Dividende fließen, die Stammaktionäre sollen je Anteilsschein 4,80 Euro erhalten. Das wäre deutlich unter dem Vorjahreswert von 6,50 für die VW-Stammaktie bzw. 6,56 Euro je Vorzugsaktie. Die virtuelle Hauptversammlung soll am 30. September stattfinden.

Für das Gesamtjahr bekräftige VW seine Prognose. Danach sollen Auslieferungen und Umsatz deutlich unter Vorjahr liegen. Beim „operative Ergebnis“ erwartet der Vorstand weiterhin einen „gravierenden Rückgang“, aber nicht mit einem Verlust.

Volkswagen hatte im April damit begonnen, die Produktion in Europa wieder hochzufahren. Allerdings erholt sich die Nachfrage in wichtigen Märkten nur schleppend. Im ersten Halbjahr lagen die Verkäufe in Europa um rund ein Drittel unter dem Vorjahresniveau, in den USA beträgt das Minus 22 Prozent. Dafür hat sich die Lage in China zuletzt deutlich entspannt. Mit einem Umsatzanteil von rund 40 Prozent ist China der wichtigste Absatzmarkt von VW weltweit.

VW-Aktie nach Zahlen am Dax-Ende

An der Börse kamen die Zahlen und die geplante Dividendenkürzung nicht gut an. Gegen Mittag waren die im Dax notierten VW-Vorzugsaktien mit einem Minus von rund acht Prozent größter Index-Verlierer hinter den Papieren des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard.

Volkswagen hat derzeit an mehreren Baustellen zu kämpfen. Neben der Corona-Krise und dem VW-Abgasskandal sorgt derzeit auch eine Spitzelaffäre in Wolfsburg für Schlagzeilen. Dazu droht sich das konjunkturelle Umfeld wieder einzutrüben. Erst am Donnerstag zeigte sich der Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld, besorgt über den erneuten Anstieg der Corona-Fallzahlen. Man müsse alles dafür tun, dass es keinen zweiten Lockdown gebe, sagte Feld gegenüber der Zentralredaktion von Ippen Digital. *In einer früheren Version dieses Beitrags haben die versehentlich die vorgeschlagenen Dividenden für Stamm- und Vorzugsaktien vertauscht. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Rubriklistenbild: © dpa/Julian Stratenschulte

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