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Bündnis fordert TV-Werbeverbot für bestimmte Produkte: Druck auf Politik wächst

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Von: Alina Schröder

Ein Bündnis fordert ein striktes TV-Verbot für ungesunde Lebensmittel für Kinder. (Symbolbild)
Ein Bündnis fordert ein striktes TV-Verbot für ungesunde Lebensmittel für Kinder. (Symbolbild) © Imago

Kinder und Jugendliche sind regelmäßig Werbung für ungesunde Lebensmittel ausgesetzt. Aufgrund steigender Fettleibigkeit fordert ein Bündnis nun ein Verbot.

Berlin – Egal ob fettige Chips, süße Gummibärchen oder gezuckertes Müsli: Tagtäglich werden Kinder und Jugendliche mit einer Vielzahl an Werbung für ungesunde Lebensmittel konfrontiert. Um dem Problem der Fettleibigkeit im jungen Alter entgegenzuwirken, fordert ein Bündnis nun ein zeitliches Verbot solcher Reklame – und zwar im Fernsehen, Radio sowie auf Streamingdiensten.

Laut AOK-Bundesverband, die Verbraucherzentrale Bundesverband und das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) sollte zwischen 6 und 23 Uhr keine Werbung für Nahrungsmittel mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt mehr ausgestrahlt werden. Diesen Vorschlag machten sie laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Mittwoch (17.02.2022) öffentlich, wollen in dem Hinblick allerdings noch weiter gehen.

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Auch Influencerinnen und Influencer erreichen mit ihrer Werbung in sozialen Medien bereits die jüngsten Nutzerinnen und Nutzer, beispielsweise über Instagram, Tiktok oder Youtube. Doch auch dort lassen sich hin und wieder ungesunde Artikel entdecken, die trotz allem eifrig beworben werden. Das übergreifende Bündnis verlangt nun, dass solch eine Werbung durch Influencerinnen und Influencer komplett untersagt werden sollte. Neben digitaler Werbung halten sie aber auch entsprechende Werbeplakate im Umkreis von 100 Metern von Kitas, Schulen und Spielplätzen für äußerst bedenklich und fordern ein Verbot.

„Die Werbebeschränkungen müssen für alle Kanäle und Werbeformen gelten. Ansonsten würde die Lebensmittelwirtschaft ihre Werbung auf die Schlupflöcher verlagern“, sagte Jutta Gurkmann, Leiterin des Geschäftsbereichs Verbraucherpolitik beim Verbraucherzentrale Bundesverband laut der Ärztezeitung. Kinder würden allein in den Medien täglich mit 15 Werbespots sowie -anzeigen für ungesunde Lebensmittel konfrontiert. Darüber informieren Ergebnisse einer Studie der Universität Hamburg, die von dem AOK-Bundesverband und DANK in Auftrag gegeben wurde.

Anstieg des Körpergewichts bei Kindern: Forderungen nach TV-Verbot für Ungesundes werden laut

Mit dem Vorschlag des Verbots möchten die Organisationen auf ein massives Adipositas-Problem in der jüngeren Generation reagieren. Rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland seien übergewichtig – die Corona-Pandemie habe diesen Trend noch verstärkt. „Wir beobachten einen deutlichen Anstieg des Körpergewichts bei Kindern“, sagte Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Kritik zu dem Vorschlag des Werbeverbots kommt allerdings aus der deutschen Werbewirtschaft: Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft kritisierte, die Initiative wolle den Eindruck erwecken, dass Übergewichtsentwicklung bei Kindern ganz auf dem Faktor Werbung beruhe und diese einfach großräumig verboten werden müsse.

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Renate Künast, Sprecherin für Ernährung und Agrar in der Bundestagsfraktion der Grünen, zufolge, betreffe Übergewicht jedoch schon die Kleinsten und führe zu erheblichen Folgeerkrankungen. Süßigkeiten und Snacks seien schließlich keine Lebens-, sondern Genussmittel. „Für uns sind Werbeeinschränkungen eine wichtige Maßnahme, zu der wir verpflichtet sind, um die Gesundheit von Kindern zu schützen“, sagte Künast. Eine Studie hatte Deutschland erst eine mangelhafte Ernährungspolitik bescheinigt.

Die Forderungen des Bündnisses zielen nun auf die konkrete Ausgestaltung von Plänen der Bundesregierung zu neuen Werbeeinschränkungen. SPD, FDP und Grüne haben im Koalitionsvertrag bereits vereinbart, dass an Kinder gerichtete TV-Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt in Zukunft bei Sendungen und Formaten für unter 14-Jährige nicht mehr geben soll. (Alina Schröder)

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