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Produktion bleibt 2021 klar unter Vorkrisenniveau

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Ein VW Transporter T7 durchläuft die Montage im Werk von Volkswagen Nutzfahrzeuge.
Materialengpässe wie der Halbleiter-Mangel machen der Industrie besonders zu schaffen. © Julian Stratenschulte/dpa

Die Corona-Pandemie hinterlässt immer noch tiefe Spuren bei deutschen Unternehmen. Auch 2021 konnten die Firmen bei der Produktion nicht das Vorkrisenniveau erreichen.

Berlin - Trotz prall gefüllter Auftragsbücher hat die Produktion der von Materialengpässen geplagten deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr ihr Vorkrisenniveau klar verfehlt. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen zwar 3,0 Prozent mehr her als im ersten Corona-Jahr 2020, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte.

Allerdings blieb die Produktion immer noch um 5,5 Prozent unter dem Vorkrisenjahr 2019. Dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge lag die Industrieproduktion allein um etwa zwölf Prozent unter dem Niveau, das angesichts hoher Auftragseingänge eigentlich möglich gewesen wäre. „Dies entspricht einer entgangenen Wertschöpfung von etwa 70 Milliarden Euro“, sagte IfW-Konjunkturchef Nils Jannsen.

Rohstoffmangel bremst Industrie-Wachstum

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertages (DIHK) macht dafür den Mangel an Halbleitern und anderen Materialien verantwortlich. „Die Lieferengpässe lassen die Abarbeitung der eigentlich reichlich vorhandenen Aufträge selten reibungslos zu“, sagte DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen. „Das und die Personalausfälle durch die Omikron-Welle dämpfen die Erwartungen auf eine rasche wirtschaftliche Erholung in diesem Jahr.“

Das Bundeswirtschaftsministerium zeigt sich da optimistischer und verweist auf Umfragen, die eine allmähliche Auflösung der Lieferengpässe signalisierten. „In Kombination mit dem hohen Auftragsbestand der Unternehmen deutet dies eine dynamische Entwicklung der Industriekonjunktur in den kommenden Monaten an“, so das Ministerium.

Experte: Wenn Versorgung und Logistik stehen, winkt ein steiler Aufschwung

Das sehen auch Ökonomen so. „Die Grundvoraussetzungen für ein kräftiges Anspringen der Industrieproduktion könnten kaum günstiger sein“, sagte etwa der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, angesichts dicker Auftragsbücher. „Es bedarf einer nachhaltig besseren Versorgung mit Vorprodukten und Rohstoffen, damit die Industrieproduktion endlich das tun kann, was sie eigentlich soll - nämlich kräftig zulegen.“

Im Dezember stellten Industrie, Bau und Energieversorger zusammen 0,3 Prozent weniger her als im Vormonat. Von Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen mit einer Zunahme um 0,4 Prozent gerechnet. Im November war die Produktion noch um revidiert 0,3 Prozent gewachsen, nachdem zunächst ein Minus von 0,2 Prozent ermittelt worden war.

Auto-Branche: Produktion zieht wieder an

Es gibt allerdings auch einen Hoffnungsschimmer: Die Industrie allein weitete ihre Produktion im Dezember um 1,2 Prozent und damit den dritten Monat in Folge aus. Damit sei „eine positive Entwicklung sichtbar“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium dazu. Allerdings ergibt sich innerhalb der Industrie kein klares Bild.

„Die im letzten Jahr so stark gebeutelte Automobilproduktion zog zum Jahresende erwartungsgemäß kräftig an, während andere Paradebranchen wie der Maschinenbau oder die Chemische Industrie Federn lassen mussten“, sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Die Versorger erzeugten zum Jahresende 0,7 Prozent weniger als im Vormonat, während die Bauproduktion sogar um 7,3 Prozent nachgab. Letzteres dürfte zumindest teilweise an der Witterung gelegen haben, sagte Scheuerle.

Prall gefüllte Auftragsbücher

Die deutschen Industriebetriebe sitzen derzeit zwar auf prall gefüllten Auftragsbüchern. In den vergangenen Monaten konnten die Bestellungen jedoch nicht wie gewohnt abgearbeitet werden - etwa wegen akuter Engpässe bei Vorprodukten wie Mikrochips, durch die beispielsweise die Autobranche ausgebremst wird. Der Materialmangel in der Industrie hat sich zu Jahresbeginn etwas entschärft: 67,3 Prozent der Firmen klagten über Engpässe und Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen, wie das Ifo-Institut bei seiner Umfrage herausfand. Im Dezember waren es noch rund 82 Prozent. „Es ist noch nicht abzusehen, ob dies eine Trendwende ist“, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. (rtr)

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