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Diese Banken verlangen immer noch Negativzinsen - Bayerische Sparer trifft es besonders

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Von: Lisa Mayerhofer

79 Banken verlangen laut einer neuen Auswertung trotz der Zinserhöhung im Euroraum immer noch Negativzinsen von ihren Kunden. Verbraucherschützer gehen weiter dagegen vor.

München – Eigentlich sollten Negativzinsen nach der Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) Geschichte sein – vier von fünf Kreditinstituten haben schon reagiert und die Minuszinsen laut dem Vergleichsportal Verivox abgeschafft. Doch nicht alle deutschen Banken haben die sogenannten Verwahrentgelte auf die Spareinlagen ihrer Kunden eingestampft.

80 Prozent der Sparkassen und Banken haben Negativzinsen abgeschafft

Verivox hat im Internet die Konditionen für Tagesgeld-, Giro- und Verrechnungskonten von etwa 1300 Banken und Sparkassen ausgewertet. Demnach haben mehr als 80 Prozent der betroffenen Institute die Negativzinsen für Privatkunden seit der Zinserhöhung gestrichen. Allerdings weisen aktuell noch mindestens 79 Geldhäuser in ihren Preisverzeichnissen Minuszinsen aus – davon 30 in Bayern. Eine Übersicht zeigt, um welche Banken es sich konkret handelt (Stand: 17. August):

Hinweis: Da nicht alle Institute ihre Zinsen frei zugänglich auf ihrer Website veröffentlichen, könnte es laut Verivox weitere Institute geben, die noch Negativzinsen verlangen.

„Die große Mehrheit der Banken hat nach der Zinserhöhung schnell reagiert und ihre Negativzinsen abgeschafft“, berichtete Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Insbesondere bei vielen Genossenschaftsbanken und Sparkassen seien die Negativzinsen an den Einlagezins der EZB gekoppelt gewesen und damit automatisch entfallen, als am 27. Juli die neuen Leitzinsen in Kraft traten.

„Das Ende der Negativzinsen ist besiegelt“, sagte Maier. Er rechnet damit, dass in den kommenden Wochen und Monaten weitere Institute nachziehen. „Spätestens nach dem nächsten Quartalswechsel dürfte höchstens noch eine Handvoll Banken Negativzinsen im Privatkundengeschäft erheben.“

Verbraucherschützer halten an Klagen gegen Negativzinsen fest

Die EZB hatte am 21. Juli angesichts der Rekord-Inflation die Leitzinsen im Euroraum erstmals seit elf Jahren wieder erhöht. Damit entfiel auch der Strafzins von 0,5 Prozent, den Kreditinstitute zahlen mussten, wenn sie Gelder bei der Notenbank parken. Die Finanzbranche klagte über Milliardenbelastungen wegen der Strafzinsen, viele Geldhäuser gaben diese ab bestimmten Summen auf dem Konto an Privatkunden weiter.

Verbraucherschützer halten Negativzinsen auf Privatguthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten dagegen für unzulässig, egal ob bei Neukunden oder Bestandskunden. Aktuell sind sechs Klagen des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) gegen verschiedene Kreditinstitute anhängig. Erste Urteile gibt es, sie sind aber noch nicht rechtskräftig.

„Man kann nur hoffen, dass die Branche die sogenannte Zinswende zum Anlass nimmt, sich auch ohne weitere Unterlassungsklagen von uns oder den Verbraucherzentralen wieder von diesem rechtlich sehr umstrittenen Instrument zu verabschieden“, sagte vzbv-Rechtsreferent David Bode. „Ohne entsprechende prozessuale Erklärungen werden die Verfahren jedoch weiterverfolgt.“

Inflation nagt an Guthaben

Sparerinnen und Sparer können wegen der EZB-Zinserhöhung zwar auf steigende Zinsen für Festgeld und Co. hoffen. Die ersten Anbieter würden mit Sonderkonditionen bereits um Neukunden werben, berichtete Verivox-Chef Maier. Allerdings nagt nun die hohe Inflation am Ersparten. „Selbst die zinsstärksten Angebote gleichen die Inflation bei Weitem nicht aus“, sagte Maier. (dpa/lma)

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