Lufthansa-Maschinen parken am Enschede Airport Twente. Die Corona-Pandemie macht der Airline schwer zu schaffen.
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Die Bundesregierung hat Lufthansa kritisiert. Grund ist die zögerliche Erstattung von Tickets an die Kunden.

Verfahren eingeleitet

Corona: Reisende warten trotz Milliardenhilfen auf ihr Geld - jetzt geht Merkels Regierung die Lufthansa an

  • Katarina Amtmann
    vonKatarina Amtmann
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Die Lufthansa hat in der Corona-Krise staatliche Hilfen bekommen, trotzdem erfolgt die Rückerstattung an Kunden nur zögerlich. Jetzt wird sie von der Bundesregierung kritisiert.

  • Die Lufthansa erhielt in der Corona*-Krise finanzielle Hilfe vom Staat.
  • Jetzt hat die Bundesregierung das Unternehmen allerdings kritisiert.
  • Grund ist die zögerliche Erstattung von Tickets an Kunden.

Berlin - Die Bundesregierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Lufthansa wegen der zögerlichen Erstattung von coronabedingt ausgefallenen Flügen scharf kritisiert. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Lufthansa trotz der massiven staatlichen Hilfen ihren gesetzlichen Verpflichtungen bislang nicht nachkommt und den Kunden ihre Gelder nicht unverzüglich zurückzahlt“, sagte Wirtschaftsstaatsekretär Ulrich Nussbaum dem Spiegel. Die Lufthansa erklärte, sie stehe beim Thema Erstattung „im besten Kontakt“ mit der Regierung.

Corona: Kritik an Lufthansa nach Milliarden-Hilfen - „Frage des Vertrauens“

Weiter sagte Nussbaum, es gehe um eine „Frage des Vertrauens“. Das Thema sei bereits bei den Verhandlungen über das Hilfspaket besprochen worden und sei der Bundesregierung „sehr wichtig“. Der Staatssekratär hatte für das Wirtschaftsministerium mit der Lufthansa über die rund neun Milliarden Euro an staatlicher Hilfe zur Bewältigung der Corona-Krise verhandelt. Der Spiegel zitierte aus einer aktuellen Stellungnahme des Konzerns für das Luftfahrt-Bundesamt. Demnach habe die Airline von 4,48 Millionen Erstattungsanträgen erst 3,24 Millionen bearbeitet. 1,24 Millionen Anträge seien demnach noch offen. Bei der Tochter Eurowings seien erst rund die Hälfte der 378.000 Anträge auf Erstattung bearbeitet worden.

Das Luftfahrt-Bundesamt hat laut Spiegel bereits ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen die Lufthansa eingeleitet. Nachdem das Unternehmen der Behörde erste Informationen über die ausgebliebenen Erstattungen übermittelt habe, halte diese eine Geldstrafe zwischen einer halben und einer Million Euro für angemessen.

Corona: Erstattungen durch Lufthansa - bereits mehr als zwei Milliarden Euro ausbezahlt

Die Lufthansa hatte für Ende Juli angekündigt, die automatisierten Erstattungssysteme wieder einzuschalten. Zuvor waren die Anträge zeitaufwändig einzeln bearbeitet worden. Eine Lufthansa-Sprecherin betonte, im Jahr 2020 seien für die gesamte Lufthansa-Gruppe bereits mehr als zwei Milliarden Euro an Erstattung ausbezahlt worden, Flüge aus den Monaten März und April seien weitestgehend abgearbeitet. Weniger als eine Milliarde Euro an Erstattungen stehe noch aus.

Nach dem europäischen Fluggastrecht muss die Rückerstattung für gestrichene Flüge eigentlich binnen sieben Tagen nach der Mitteilung über die Annullierung erfolgen. Das gilt nicht nur für europäische Fluglinien, sondern bei jeder Buchung eines Flugs mit Abflugort in einem EU-Land. Die von Airlines nach den Corona-bedingten Stornierungen vielfach ausgestellten Gutscheine müssen die Kunden nicht akzeptieren. Lehnen sie den Gutschein ab, behalten sie ihren Anspruch auf Kostenerstattung .An diese Regelungen hielt sich in den vergangenen Monaten fast keine Airline. Verbraucherschützer warfen der Lufthansa gar „Vorsatz“ vor; das Unternehmen spiele auf Zeit.

Kritik an Lufthansa nach Corona-Hilfen: Erstattungspraxis von Fluggesellschaften sehr unterschiedlich

Bis Ende Juli gingen bei der Schlichtungsstelle für den Öffentlichen Personenverkehr (SÖP) 18.000 Anträge auf außergerichtliche Klärung von Fluggast-Ansprüchen ein, wie die Welt am Sonntag berichtet. Dazu kämen 3200 Beschwerden von Bahnkunden. Die Zahl der Fälle stieg damit um 52 Prozent im Vorjahresvergleich. SÖP-Chef Heinz Klewe sagte der Zeitung, in 90 Prozent der Fälle komme es zu einer Einigung.

Die Erstattungspraxis der Fluggesellschaften ist laut einer Auswertung von 54.000 Fällen des Rechtsdienstleisters Fairplane sehr unterschiedlich, wie die Welt am Sonntag weiter berichtete: Kunden von Easyjet wurden demnach in 96 Prozent aller Fälle bereits entschädigt, es folgen Austrian Airlines mit 58 Prozent und Singapore Airlines mit 39 Prozent. Am Ende der Skala stehen laut Bericht Laudamotion mit zwei Prozent und ihre Muttergesellschaft Ryanair mit fünf Prozent. Die Lufthansa-Töchter Eurowings und Swiss kommen demnach auf vier beziehungsweise fünf Prozent.

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Die Lufthansa ist wegen der Corona-Pandemie im zweiten Quartal des Geschäftsjahres tief in die Verlustzone gerauscht. Beim geplanten Personal-Abbau schließt der Konzern nun auch betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus. (kam/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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