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Ifo: Immer mehr Betriebe wollen Preise erhöhen - Münchner Forscher heben Inflationsprognose für 2022 weiter an

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Eingangsschild des IFO-Instituts in München
Das Ifo-Insitut rechnet mit einer weiteren Preissteigerung. ©  Ecomedia/Robert Fishman/Imago Images

Viele Verbraucher klagen schon jetzt über enorme Preissteigerungen in nahezu allen Bereichen. Doch dieser Trend wird sich laut Ifo-Institut vorerst fortsetzen.

München - Immer mehr Unternehmen in Deutschland wollen einer Umfrage zufolge ihre Preise weiter anheben. Das Barometer für die Preiserwartungen für die nächsten drei Monate stieg im Januar um 1,3 auf 46,0 Punkte und erreichte damit einen neuen Höchststand, wie das Ifo-Institut* am Montag zu seiner aktuellen Befragung mitteilte.

Ifo: Energie- und Rohstoffkosten schlagen sich auf Verbraucherpreise nieder

„Die Unternehmen geben die gestiegenen Kosten für Energie sowie bei der Beschaffung von Vorprodukten und Handelswaren* an ihre Kunden weiter“, sagte der Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen, Timo Wollmershäuser. „Das wird bis auf die Verbraucherpreise durchschlagen.“

Die Inflationsraten dürften daher noch eine Weile über der Marke von vier Prozent liegen. „Für das Jahr 2022 haben wir deshalb unsere Inflationsprognose auf vier Prozent angehoben“, sagte Wollmershäuser. Ähnlich hatte sich zuvor bereits der Wirtschaftsweise Volker Wieland gegenüber Merkur.de* geäußert. Im Dezember waren die Münchner Forscher noch von einem Anstieg der Lebenshaltungskosten um 3,3 Prozent ausgegangen. Zum Vergleich: 2021 waren die Preise im Jahresdurchschnitt um 3,1 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit 1993 mit damals 4,5 Prozent nicht mehr.

EZB: Zinswende wohl früher als erwartet

Auch wegen der hartnäckig hohen Inflation in Europas größter Volkswirtschaft könnte die Europäische Zentralbank den Weg für eine Zinswende wohl früher freimachen. Falls der Arbeitsmarkt weiter rund laufe und die Wirtschaft auf Kurs bleibe, sei die Richtung klar, sagte EZB-Ratsmitglied Martins Kazaks der Nachrichtenagentur Reuters: „Wir dürften früher handeln als wir es in der Vergangenheit angenommen haben.“ Es sei derzeit verfrüht, schon einen speziellen Monat für eine Zinserhöhung zu nennen. Der an Finanzmärkten als möglicher Zeitpunkt für eine Anhebung gehandelte Juli sei eher unwahrscheinlich: Dazu müssten die Anleihenzukäufe der EZB in einem „extremen und unwahrscheinlich schnellen Tempo“ abgebaut werden, sagte Kazaks.

Angesichts der zu Jahresbeginn im Euro-Raum überraschend weiter gestiegenen Inflation war die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, vorige Woche ein Stück weit von ihrer früheren Absage an eine Zinswende in diesem Jahr abgerückt. Die Teuerung war im Januar im Euro-Raum überraschend auf 5,1 Prozent geklettert und damit noch weiter über das EZB-Ziel von zwei Prozent hinausgeschossen.

Preiserwartungen besonders im Groß- und Einzelhandel hoch

Die sehr hohen Umfragewerte bei den Preiserwartungen ziehen sich durch alle Wirtschaftszweige, so das Institut. Besonders hoch lagen sie im Großhandel mit 60,3 Punkten, gefolgt vom Einzelhandel (57,7) und der Industrie (55,6). Einen neuen Höchststand erreichten die Dienstleister mit 41,9. Das Baugewerbe lag bei 41,5.

Diese Saldenwerte bei den Preiserwartungen geben an, wie viel Prozent der Unternehmen ihre Preise erhöhen wollen. Abgezogen wird der Prozentwert derer, die ihre Preise senken wollen. Wenn alle befragten Unternehmen beabsichtigten, ihre Preise zu erhöhen, läge der Saldo bei plus 100 Punkten. Würden alle ihre Preise senken wollen, läge er bei minus 100. Neutrale Antworten bleiben unberücksichtigt. Der Saldo wurde saisonbereinigt. Das Ifo-Institut fragt die Unternehmen nicht nach der Höhe der geplanten Preisänderung. (rtr) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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