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Ifo-Index überraschend im Plus: „Deutsche Wirtschaft zeigt sich nach Ukraine-Schock widerstandsfähig“

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Von: Thomas Schmidtutz

Am Bau trübt sich die Lage wegen der wachsenden Materialengpässe weiter ein. Im April fiel der entsprechende Teil-Index des Ifo-Geschäftsklimas auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung.
Am Bau trübt sich die Lage wegen der wachsenden Materialengpässe weiter ein. Im April fiel der entsprechende Teil-Index des Ifo-Geschäftsklimas auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich nach dem jüngsten Absturz im April wieder stabilisiert. Doch Anlass für eine Entwarnung ist das noch lange nicht.

München – Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen hat sich im April trotz des Ukraine-Kriegs überraschend aufgehellt. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Ifo-Geschäftsklimaindex hervor. Danach stieg das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer im April auf 91,8 Punkte. Ökonomen hatten dagegen im Vorfeld mit einem weiteren Rückgang auf 89,1 Punkte gerechnet.

Nach „dem ersten Schock über den russischen Angriff zeigt die deutsche Wirtschaft sich widerstandsfähig“, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest. Die Unternehmen beurteilten ihre Geschäftslage und die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser als zuletzt.

Im März war der Ifo-Index abgestürzt. Es war der stärkste Rückgang seit dem Ausbruch der Corona-Krise. Nun hat sich die Stimmung in den Unternehmen „auf niedrigem Niveau“ stabilisiert.

Ifo-Geschäftsklima: Bau, Chemie und Handel mit düsterer Einschätzung

So legte der Index für das verarbeitende Gewerbe nach dem Absturz im März wieder zu. Zwar waren die Unternehmen mit der aktuellen Lage etwas weniger zufrieden, für die kommenden Monate aber zeigten sie sich zuversichtlicher, wie das Ifo mitteilte. Verschlechtert hätten sich die Einschätzung und Erwartungen dagegen in der chemischen Industrie.

Zudem trübte sich die Lage im Bauhauptgewerbe weiter ein. Dort lag das Geschäftsklima auf dem niedrigsten Wert seit Mai 2010: Die Erwartungskomponente lag auf dem tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die Branche leidet unter wachsenden Materialengpässen. Dies wird für viele Unternehmen zu einer wachsenden Belastung für ihr Geschäft.

Im Dienstleistungssektor verbesserte sich das Geschäftsklima laut Ifo hingegen „merklich“. Auch im Gastgewerbe sorgte die sich entspannende Corona-Lage für besseres Klima. Im Handel dagegen sank der Indikator: „Dies war auf deutlich schlechtere Einschätzungen zur aktuellen Lage zurückzuführen. Die Erwartungen verbesserten sich leicht, sind jedoch weiterhin sehr pessimistisch“, so das Ifo.

Ifo-Geschäftsklima-Index: Große Unsicherheit wegen Ukraine-Krieg und China

Insgesamt bleibt die Lage indes über alle Branchen hinweg angespannt. Neben einer Eskalation des Ukraine-Kriegs und eines möglichen Öl- und Gas-Embargo könnten auch die Folgen der Corona-Pandemie in China die Unternehmen hart treffen. Für wachsende Unruhe sorgt bei vielen Unternehmen vor allem der Lockdown in Shanghai.

Erst am Freitag hatte die Bundesbank für den Fall eines Embargos bei Öl und Gas vor einem heftigen Konjunktureinbruch gewarnt. Im Fall eines sofortigen Energieembargos „könnte der Verlust des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland im laufenden Jahr in der Größenordnung von bis zu fünf Prozent liegen“. Damit würde die deutsche Wirtschaft in die Rezession zurückfallen.

Für den Geschäftsklimaindex befragt das Münchner Ifo-Institut monatlich rund 9000 Unternehmen. Sie werden gebeten, ihre gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate abzugeben.

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