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Ukraine-Krise: Grüner Wasserstoff erstmals günstiger als Erdgas - Kommt jetzt der Durchbruch?

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Von: Lisa Mayerhofer

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will die grüne Wasserstoff-Technologie ausbauen.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will die grüne Wasserstoff-Technologie ausbauen. (Archivbild) © Markus Scholz/dpa

Wegen der stark gestiegenen Gaspreise durch den Ukraine-Krieg rechnet sich grüner Wasserstoff viel schneller als gedacht. Steht die Technologie jetzt vor dem großen Durchbruch?

Berlin - Die Bundesregierung will nach dem Einmarsch von Wladimir Putins Armee in die Ukraine die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen überwinden. Ein wichtiger Baustein ist dabei der Ausbau von erneuerbaren Energien wie etwa der grünen Wasserstoff-Technologie, die fossile Energieträger etwa in der Stahlproduktion oder auch der Luftfahrt perspektivisch ersetzen soll.

Gaspreise: Grüner Wasserstoff wird günstiger als grauer Wasserstoff

Der große Bremsfaktor beim nachhaltigen Ausbau der Technologie war bisher die Tatsache, dass grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energien viel teurer als grauer Wasserstoff aus fossilem Erdgas ist. Wegen des Ukraine-Kriegs* sind die Gaspreise zuletzt aber stark gestiegen. Damit rechnet sich nachhaltiger Wasserstoff jetzt deutlich schneller als gedacht 

Analysten von Bloomberg New Energy Finance haben laut Handelsblatt berechnet, dass grüner Wasserstoff in Teilen Europas, dem Mittleren Osten und Afrika schon jetzt günstiger als fossiler Wasserstoff aus Erdgas ist. Für ein Kilogramm grauen Wasserstoff liege der Preis in diesen Regionen aktuell bei 6,71 US-Dollar, verglichen mit 4,84 bis 6,68 Dollar pro Kilogramm für grünen Wasserstoff.

Nur in Deutschland ist grüner Wasserstoff teurer

Damit wird Wasserstoff aus erneuerbaren Energien für die Industrie attraktiv. Eine Entwicklung, die laut Experten sonst noch Jahre gedauert hätte - und ein Meilenstein für die Energiewende, für die grüner Wasserstoff eine große Rolle spielt. Große Konzerne wie Siemens Energy und Thyssen-Krupp hätten des Potenzial erkannt und würden ihr Geschäft mit dem Wasserstoff massiv ausbauen, berichtet das Handelsblatt.

„Es tut sich gerade wirklich etwas. Teurer ist grüner Wasserstoff gerade nur noch in Deutschland“, sagt der Wasserstoffexperte Michael Sterner von der TU Regensburg gegenüber der Zeitung. Das liege daran, dass in Deutschland grüner Wasserstoff nur aus Wind- und Solarparks gewonnen werden darf, die dafür zusätzlich gebaut werden müssen. „Und hier hängt es wieder an den oft jahrelang dauernden Genehmigungsverfahren der Kommunen“, so Sterner. Das macht den grünen Wasserstoff hierzulande sehr teuer und verlangsamt den Ausbau.

Grüner Wasserstoff: Habecks Pläne mit der Technologie

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat im Osterpaket aber ein ehrgeiziges Ziel für den Ausbau der Wasserstoff-Technologie gesetzt: Bis 2030 sollen 10.000 Megawatt Projekte entstehen. Aktuell liegt die Kapazität bei gerade mal 60 Megawatt. Die Bundesregierung plant auch deshalb, zusätzlich Wasserstoff zu importieren.

So hat Habeck Ende März in Abu Dhabi mit den Vereinigten Arabischen Emiraten vier Wasserstoffkooperationen sowie eine Forschungszusammenarbeit vereinbart. Die Emirate verfügten über „sehr gute Voraussetzungen für die kostengünstige Produktion von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien und wollen 2022 erste Wasserstofflieferungen nach Deutschland ermöglichen“, hob das Ministerium hervor.

Habeck erklärte, der beschleunigte Ausbau von Wasserstoffversorgungsketten sei „ein ganz zentraler Schlüssel für den Übergang zu nachhaltiger Energie“. Die nun vereinbarten Kooperationen leisteten damit „einen zweifachen Beitrag: Sie stärken die Erreichung unserer Klimaziele und zugleich unsere Energiesicherheit“.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bereits fortgeschrittene Wasserstoffprojekte mit Beteiligung deutscher Unternehmen. Nun soll unter anderem der Aufbau einer Wasserstofflieferkette nach Deutschland und erste Testlieferungen auf den Weg gebracht werden. Mit Material von AFP und dpa *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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