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Gas-Umlage: So teuer wird es für Verbraucher

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Von: Lisa Mayerhofer

Die Höhe der Gas-Umlage steht seit Montag fest. Was das für Verbraucher konkret bedeutet, auf welche Extra-Kosten sich Singles, Paare und Familien einstellen müssen.

Berlin – Seit Montag ist es offiziell: Die Gas-Umlage wird sich auf 2,419 Cent pro Kilowattstunde belaufen. Ab Oktober müssen alle Gaskunden diese bezahlen – Privathaushalte ebenso wie Firmen. Viele Menschen sind betroffen, denn etwa die Hälfte aller Wohnungen in Deutschland wird mit Gas beheizt.

Gas-Umlage: Mit oder ohne Mehrwertsteuer?

Noch nicht klar ist allerdings, ob zusätzlich eine Mehrwertsteuer auf die Gas-Umlage entfällt. Die Bundesregierung lehnt das eigentlich ab, es kann aber sein, dass ihr nach EU-Recht keine andere Möglichkeit bleibt. Finanzminister Christian Lindner (FDP) hat deshalb auf EU-Ebene um eine Ausnahme gebeten. Für den Fall, dass keine Ausnahme gemacht wird, hat Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) „Ausgleichsmechanismen“ angekündigt.

Mit der staatlichen Gasumlage wird sich die wirtschaftliche Situation klammer Privathaushalte noch verschärfen. „Wer sich wegen der hohen Inflation sowie der gestiegenen Energiepreise schon jetzt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindet, wird es bald besonders schwer haben“, sagte die Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung, Ines Moers, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Mit der Umlage sollen erhöhte Beschaffungskosten von Großimporteuren ausgeglichen werden, um diese vor der Pleite und das deutsche Energiesystem vor dem Kollaps zu bewahren.

Gas-Umlage mit Mehrwertsteuer: Fast 600 Euro mehr für Familien

Das Vergleichsportal Check24 hat ausgerechnet, auf welche Kostensteigerungen sich Verbraucher nun jährlich einstellen müssen. Wie hoch sie genau ausfallen, kommt unter anderem darauf an, ob die EU-Kommission Lindners Vorschlag, die Mehrwertsteuer bei der Gas-Umlage auszusetzen, zustimmt oder nicht. Ein Blick auf die Tabelle zeigt, wie stark eine mögliche Streichung der Mehrwertsteuer von 19 Prozent Privat-Haushalte entlasten würde.

Ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden (kWh) muss laut Check24 derzeit schon ohne Umlage einen Rekordpreis von 3.415 Euro jährlich zahlen. Inklusive der Umlage würde der Wert auf durchschnittlich 3.991 Euro steigen (bei einem Preis von 20 Cent pro kWh). Das sind 207 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum: Im Juli 2021 musste der gleiche Haushalt nur 1.301 Euro berappen. Ein Singlehaushalt müsste nun laut Check24 inklusive Umlage im Schnitt 1.107 Euro zahlen.

Unklar bleibe weiterhin, ob Verbraucher mit Preisgarantie betroffen seien, gibt Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei Check24, zu bedenken: „Manche Verträge schließen staatliche Umlagen explizit aus.“ Spätestens nach Ablauf des Vertrages werde es aber auch für diese Gaskunden deutlich teurer.

Spahn: „Gas-Umlage wird zur sozialen Frage“

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), nannte die Gas-Umlage angesichts der drohenden, finanziellen Mehrbelastungen „zynisch“, da die Verbraucher auf die Umlage auch Mehrwertsteuer zahlen müssten. „Diese Steuer macht für einen durchschnittlichen Haushalt fast noch mal 100 Euro Mehrkosten aus. Der Staat verdient an der eigenen Zwangsumlage noch zusätzlich“, sagte Spahn dem Spiegel. Die Gas-Umlage werde zur „echten sozialen Frage“.

Die Ampel-Koalition verspricht dagegen Abhilfe. Der Zuschnitt eines neuen Entlastungspakets ist allerdings in der rot-grün-gelben Bundesregierung noch umstritten. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) versicherte am Montag auf Twitter: „Wir lassen niemanden allein mit den höheren Kosten.“ Zuvor hatte bereits Vizeregierungssprecherin Christiane Hoffmann gesagt: „Wenn die Umlage zum 1. Oktober dieses Jahres fällig wird, werden auch weitere Entlastungen für die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes bereit sein.“ Wie diese Hilfsmaßnahmen allerdings konkret aussehen werden, ist noch unklar. (lma/dpa)

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