Der Stuttgarter Autobauer Daimler verstärkt seine Sparanstrengungen.
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Der Stuttgarter Autobauer Daimler verstärkt seine Sparanstrengungen.

Einigung

Daimler ringt Mitarbeitern Zugeständnisse ab - Jobs bleiben bis 2030 sicher

  • Thomas Schmidtutz
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Im Ringen um eine Verringerung der Personalkosten in der Coronakrise hat sich Daimler mit dem Betriebsrat geeinigt. Das plant der Stuttgarter Konzern.

Update vom 28. Juli: Daimler fährt für einen großen Teil seiner Beschäftigten in Deutschland die Arbeitszeit herunter. Um angesichts der massiven Einbrüche durch die Corona-Krise Kosten zu senken, wird in der Verwaltung und in den sogenannten produktionsnahen Bereichen wie etwa Logistik von Oktober an in der Regel zwei Stunden pro Woche weniger gearbeitet - für ein Jahr und ohne Lohnausgleich, wie Daimler am Dienstag mitteilte. Darauf hätten sich Konzernleitung und Betriebsrat geeinigt. Die „Betriebsbedingte Kündigungen“ blieben damit ausgeschlossen, betonte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. Der Daimler-Betriebsrat hatte monatelang mit dem Konzern um die Sparpläne gerungen.

Mit der Einigung fällt für sämtliche Beschäftigten in Verwaltung und Produktion zudem die Prämie für das Jahr 2020 weg. Das sogenannte Tarifliche Zusatzgeld, das einmal im Jahr gezahlt wird, gibt es 2021 ebenfalls nicht - es wird für alle verpflichtend in bezahlte Freistellungstage umgewandelt.

Daimler rutscht im zweiten Quartal tief in die roten Zahlen

Ursprüngliche Meldung vom 23.7.: München - Der Stuttgarter Autobauer Daimler ist in der Corona-Krise tief in die roten Zahlen gerutscht. Von April bis Juni fuhren die Schwaben unter dem Strich einen Verlust von 1,9 Milliarden Euro ein, wie Daimler am Donnerstag mitteilte. Das Minus war damit noch deutlich größer als vor Jahresfrist. Damals hatten milliardenschwere Rückstellungen für die Dieselaffäre und Airbag-Rückrufe tiefe Spuren im Zahlenwerk hinterlassen.

Auch beim Umsatz musste Daimler zuletzt deutliche Einbußen hinnehmen. Insgesamt sackten die Erlöse um rund ein Drittel auf 30,2 Milliarden Euro ab.

Wegen der „beispiellosen Covid-19-Pandemie mussten wir ein herausforderndes Quartal durchstehen“, erklärte Daimler-Chef Ola Källenius. Doch inzwischen gebe es vor allem bei Mercedes-Benz erste Anzeichen für eine Erholung. Man rechne daher im laufenden Jahr mit einem positiven Betriebsergebnis. Dies gelte allerdings nur, sofern es keine zweite Infektionswelle gebe.

Die Pandemie hatte im Frühjahr nahezu alle großen Autohersteller zu Produktionsunterbrechungen gezwungen. Auch zahllose Autohäuser stellten den Betrieb vorübergehend ein. Das sorgte für einen deutlichen Absatzrückgang. Daimler verkaufte im abgeschlossenen Quartal 541.800 Fahrzeuge und damit rund 34 Prozent weniger als noch vor Jahresfrist. Die Absatzausfälle könne Daimler im laufenden Jahr nicht mehr aufholen, erklärte Källenius.

Angesichts dessen müsse mehr gespart werden und die Kapazitäten entsprechend angepasst werden. Man sei fest entschlossen, „die Kostenbasis weiter zu verbessern“, sagte der Daimler-Chef, ohne weitere Details zu nennen.

Vor rund zwei Wochen hatte Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth erklärt, dass man mehr bei den Personalkosten mehr als die bisher bekannten 1,4 Milliarden Euro einsparen wollen. Auch bei den Stellen müssten mehr als die bislang kolportierten 15.000 Arbeitsplätze gestrichen werden.

Dem Manager-Magazin zufolge könnten weltweit bis zu 30.000 Stellen abgebaut werden. Auch der vereinbarte Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 wackelt. Das sorgt innerhalb der Daimler-Belegschaft für viel große Unruhe. Betriebsratschef Michael Brecht hat bereits Widerstand angekündigt.

Daimler hatte bereits in der vergangenen Woche eine erste Übersicht über wichtige Eckzahlen veröffentlicht, weil sie besser ausfielen als von Analysten erwartet.

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