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Deutsche Wirtschaft: Lieferengpässe in der Industrie bremsen den Aufschwung

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Von: Thomas Schmidtutz

Container-Terminal im Hamburger Hafen: Das ifo-Geschäftsklima ist auch im Oktober gesunken.
Container-Terminal im Hamburger Hafen: Das ifo-Geschäftsklima ist auch im Oktober gesunken. © Marcus Brandt/dpa

Vor allem der private Konsum hat das Wachstum im dritten Quartal getragen. Der private Konsum bringt Rückenwind, doch die grassierenden Lieferengpässe in der Industrie belasten.

Wiesbaden - Die deutsche Wirtschaft ist trotz massiver Lieferengpässen im dritten Quartal auf Wachstumskurs geblieben. Angeschoben vor allem von der Konsumlust der Verbraucher stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 1,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt* am Freitag in Wiesbaden in einer ersten Schätzung mitteilte. Im zweiten Vierteljahr war Europas größte Volkswirtschaft nach den jüngsten Zahlen sogar um 1,9 Prozent gewachsen.

Allerdings liegt das Bruttoinlandsprodukt im Vorkrisenvergleich weiter im Minus. Gegenüber dem vierten Quartal 2019, dem Zeitraum vor Beginn der Corona*-Krise, lag das BIP im dritten Vierteljahr 2021 um 1,1 Prozent niedriger.

Konjunktur: Konsumlust trägt Wirtschaftswachstum

Getragen wurde das Wirtschaftswachstum im Zeitraum Juli bis Ende September den Angaben zufolge vor allem von der Konsumlust der Verbraucher. Die Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie mit zeitweiliger Schließung von Gaststätten, Fitness-Studios und Läden waren ab Mitte Mai schrittweise gelockert worden.

Die Industrie leidet dagegen unter Materialmangel und Lieferengpässen, die eine Folgewirkung der Corona-Krise 2020 sind. Im vergangenen Jahr war die Nachfrage eingebrochen. Mit der Konjunkturerholung zieht die globale Nachfrage wieder an. Rohstoffe und Vorprodukte wie Halbleiter sind knapp und haben sich deutlich verteuert. Trotz gut gefüllter Auftragsbücher müssen manche Unternehmen die Produktion drosseln - mit weitreichenden Folgen. Alleine im laufenden Jahr ist die Wirtschaftsleistung wegen der Lieferprobleme um rund 40 Milliarden Euro geschrumpft, schreibt ifo-Konjunktur-Experte Timo Wollmershäuser in einem Gastbeitrag für Merkur.de.

Konjunktur: Lieferengpässe dürften weiter belasten

Die Bundesregierung und Volkswirte rechnen daher damit, dass die Konjunkturerholung zum Jahresende deutlich an Tempo verliert. In diesem Jahr komme es angesichts der aktuellen Lieferengpässe und weltweit hoher Energiepreise nicht zum erhofften „Schlussspurt“, sagte der geschäftsführende Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) jüngst. Er sprach von einer historisch einmaligen Knappheit an Vorleistungsgütern.

Die Bundesregierung schraubte die Wachstumserwartungen für 2021 herunter. Nach dem coronabedingten Einbruch des Bruttoinlandsprodukts 2020 erwartet die Regierung, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 2,6 Prozent zulegt - im April war noch ein Plus von 3,5 Prozent vorhergesagt worden. Für 2022 wird nun mit einem Wirtschaftswachstum von 4,1 Prozent statt wie bisher 3,6 Prozent gerechnet.

Auch führende Wirtschaftsforschungsinstitute hatten ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr deutlich gesenkt. Sie rechnen mit einem Wirtschaftswachstum in Europas größter Volkswirtschaft von 2,4 Prozent. (dpa/utz) *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

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