Tiergerechte Haltung

Aldi-Revolution: Discounter will ab 2025 auf Billig-Fleisch mehr verzichten

  • Thomas Schmidtutz
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Der Fleischkonsum in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Viele Verbraucher sehen die Tierhaltung mit Unbehagen. Jetzt hat Aldi reagiert.

Mülheim – Aldi will bei seinem Frischfleisch-Angebot künftig stärker auf tiergerechte Haltung achten. Bereits im laufenden Jahr sollen 15 Prozent des Angebots aus den Haltungsformen der Stufe 3 und 4 stammen, kündigten Aldi Nord und Süd heute an. Bis 2030 soll das gesamte Frischfleisch-Sortiment bei Rind, Schwein Hähnchen und Pute aus den beiden höchsten Kategorien stammen, hieß es. Derzeit liegt der Umsatzanteil dieser Stufe laut Aldi bei 12 Prozent. Ausgenommen sind internationale Spezialitäten und Tiefkühlartikel.

Damit stehen Billig-Fleisch-Angebote wie ein Kilogramm Hackfleisch für 0,99 Euro bei Aldi wohl endgültig vor dem Aus. „Wir gehen ein hohes finanzielles Risiko dabei ein. Denken aber, dass das der wichtige Schritt ist“, sagte Lars Klein, Managing Director Buying bei Aldi Süd am Freitag. Ob sich damit der Preis für die Kunden bei Aldi ändert wurde noch nicht dargelegt.

Aldi: Discounter setzt Konkurrenz unter Druck

Aldi ist der erste große Lebensmittelhändler, der sich entsprechende Ziele setzt. Der Schritt gilt in der Branche als wegweisend. Das Unternehmen gehört zu den größten Fleisch-Abnehmern in Deutschland. Laut GfK kommt Aldi bei Frischfleisch bundesweit auf einen Marktanteil von 24 Prozent. Künftig dürften daher viele Landwirte ihre Tierhaltung entsprechend anpassen.

In den vergangenen Jahren hat die Diskussion um eine artgerechte Haltung von Tieren an Fahrt gewonnen. Immer mehr Verbraucher haben ihren Fleischkonsum* reduziert oder vollständig zurückgefahren. Alleine im vergangenen Jahr war der Pro-Kopf-Konsum von Fleisch bundesweit um 750 Gramm auf 57,3 Kilogramm gesunken. Das war der tiefste Stand seit Beginn der Berechnung im Jahr 1989. Mit der jüngsten  Selbstverpflichtung setzt Aldi jetzt ein wichtiges Signal.

Aldi: Frischfleisch ab 2030 nur noch Haltungsstufen 3 und 4

Die Tierhaltung in Deutschland ist in vier Stufen untergliedert. Stufe 1 erfüllt die gesetzlichen Vorgaben. Bei Stufe 2 („Stallhaltung plus“) müssen Bauern etwa bei Schweinen ein um 10 Prozent erhöhtes Platzangebot ermöglichen. Bei Stufe 3 sind etwa bei Schweinen 40 Prozent mehr Platz sowie der Zugang zu frischer Luft vorgesehen, Stufe 4 („Premium“) setzt das doppelte Platzangebot sowie Auslauf und Einstreu voraus. *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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