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Weltrekord mit dem Doppel-Baby-Jogger

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Weltrekord: Kerstin Bertsch vom SSC Hanau-Rodenbach lief den Frankfurt-Marathon mit ihrem Kindern Emil und Johanna im Doppel-Baby-Jogger in 3:14:20 Stunden. Foto: Mainova Frankfurt Marathon
Weltrekord: Kerstin Bertsch vom SSC Hanau-Rodenbach lief den Frankfurt-Marathon mit ihrem Kindern Emil und Johanna im Doppel-Baby-Jogger in 3:14:20 Stunden. Foto: Mainova Frankfurt Marathon

Leichathletik. Kerstin Bertsch hat beim Frankfurt-Marathon mit ihren Kindern im Doppel-Baby-Jogger einen neuen Weltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufgestellt. Wie es ihr und ihren beiden Kindern bei diesem besonderen Langstrecken-Einsatz ergangen ist, verrät sie im Interview.

Die 29-jährige Läuferin des SSC Hanau-Rodenbach lief die 42,195 Kilometer lange Strecke durch Frankfurt mit ihren Kindern Johanna und Emil im Doppel-Baby-Jogger in 3:14:20 Stunden und war damit deutlich schneller als die Britin Jessica Bruce (3:22:05 Stunden) im Oktober 2017.

Sie hatten sich mit 1000 Laufkilometern während der zurückliegenden zwölf Wochen gemeinsam mit den Kindern vorbereitet. In Frankfurt lief es von Beginn an auf eine klare Rekordzeit heraus. Gab es auf der Strecke einmal Zweifel am Gelingen? „Zweifel hatte ich nicht wirklich, aber ein Marathon ist ja immer ein Zweifel, weil man nicht genau weiß, was noch kommt. In der Endphase war ein Oberschenkel einem Krampf nahe, aber schließlich hat alles geklappt.“

Sie sind auch schon ohne Babyjogger den Marathon in Frankfurt gelaufen. Wann war das, welche Zeit und welcher Lauf war anstrengender? „Das war vor drei Jahren, kurz nach Emils Geburt. Da bin ich allerdings bei Kilometer 25 ausgestiegen. Mein erstes und einziges vorzeitiges Rennende. Ich hatte also eine Rechnung mit Frankfurt offen. Das war mein erster Marathon mit einem Wow-Gefühl. Ich habe mich nie K.o. gefühlt, immer Spaß gehabt! Jetzt laufe ich wieder öfter Marathon.“

Wo liegen muskulär und mental die besonderen Herausforderungen beim Lauf mit Babyjogger?„Muskulär muss der komplette Rücken, die Arme und die Brust trainiert sein. Ich habe extra Krafttraining gemacht. Die Beine schieben halt auch mit und der Laufstil ist ein anderer. Mental ist es für mich fast leichter. Denn ich weiß ja, dass es meinen Kindern gut geht und sie bei mir sind. Im Training können wir jederzeit aufeinander eingehen. Und wenn ich mal länger laufen will als geplant, weil es gut läuft und alle Spaß haben, muss ich niemandem Bescheid geben. Wir sind einfach ein Team und aufeinander abgestimmt.“

Haben die Kinder die ganzen 42,195 Kilometer so gut durchgehalten wie Sie? „Ja, sie waren fantastisch! Ein kurzer Disput bei Kilometer 25 – da wollte Emil ganz laut pfeifen und für Johanna war das zu laut, aber das haben sie auch gut geregelt und sonst still gesessen. Sie waren einfach geflasht von der Atmosphäre. Ich hatte ihnen extra viel zu essen und trinken mitgegeben, weil sie zum Frühstück zu aufgeregt waren. Aber beim Marathon haben sie auch fast nichts angerührt, weil die Stimmung unbeschreiblich war. Im Ziel meinte Johanna dann: Mama, ich habe sooo einen Hunger.“

Was sind die Tricks, um sie bei Laune zu halten? „Tricks gibt es keine. Die Zeit war unsere ganz normale Trainingszeit durch die Zeitverschiebung. Sie brauchen diese Ruhephase im Jogger – als Mittagsruhe. Vormittags und nachmittags sind sie sehr aktiv. Sie laufen und spielen gerne und turnen. Da braucht man eine Pause. Sie hören gern Wissens-CDs. Die Hörbücher hatten sie beim Marathon dabei. So können Sie sich erholen und sind an der frischen Luft und ich habe sie bei mir. Wenn das keine Winwin-Situation ist.“

Was war das Highlight beim Frankfurt-Marathon oder gab es mehrere? „Fast der komplette Lauf war das Highlight. Ich hatte noch nie soviel Freude wie bei diesem Marathon. Zwei meiner drei Kinder waren dabei, mein Mann Simon ist bis Kilometer 40 mitgelaufen und die Lauf-Zeugen haben super aufgepasst. Der Zieleinlauf in die Festhalle waren Wahnsinn.“

Was steht nun als nächste Herausforderung an? Weitere Rekordversuche?„Jetzt kommen erstmal viele Aktivitäten für die Kids und für mich mehr Ruhe. Ich bin offen für neue Rekordversuche und schaue einfach mal, wer uns noch dazu einladen möchte. Schließlich habe ich noch einen Dreierjogger und würde gerne alle mal auf einen Halbmarathon oder vielleicht sogar Marathon mitnehmen. Geplant ist aber noch nichts.“

Wann laufen die Kinder selbst mit? „Mitgelaufen bei Bambini-Läufen sind sie bereits. Meine Tochter darf nächstes Jahr bei einem Schülerlauf starten. Sie sagt dazu: Mama, ich schaff' doch auch fünf Runden auf der Bahn, also schaffe ich so was auch. Zuhause wird fleißig trainiert und die Situation nachgespielt.“ os

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