Maren Sobiech ist seit 2012 beim TSV Hanau und aus dem Team nicht mehr wegzudenken-genau wie viele Rituale vor den Spielen des Regionalligisten. Foto: Archiv/Privat

Hanau

Volleyball-Regionalliga: Der Nagellack macht den Unterschied

Volleyball. Maren Sobiech erklärt vor Saisonstart in der Volleyball Regionalliga die Rituale des TSV 1860 Hanau. Dazu zählt, dass alle Spielerinnen sich ihre Fingernägel in der gleichen Farbe lackieren.

Von David Lindenfeld

Noch steht die Farbe nicht fest. „Das wird sich erst am Freitag entschieden“, sagt Maren Sobiech. Die 31 Jahre alte Außenangreiferin des TSV Hanau spielte 2011 noch in der Bezirksliga, hat einen steilen Aufstieg hinter sich und geht ab Samstag mit dem TSV in der Regionalliga Südwest auf Punktejagd – dabei helfen, dass diese erfolgreich wird, sollen mehrere Rituale.„Davon haben wir eine ganze Menge. Einige sind aber auch geheim“, erklärt Sobiech lachend, die gemeinsam mit Teamkollegin Susi Kresse auf die Idee kam, dass sich das gesamte Team die Fingernägel für die Spiele in der gleichen Farbe lackiert. „Das haben wir letztes Jahr so gemacht. So wird das auch dieses Jahr gehandhabt.“

Schließlich waren die Hanauerinnen damit äußerst erfolgreich und schlossen die Runde als Oberliga-Meister und Aufsteiger in die vierthöchste Spielklasse ab. Am Freitag nach dem Training soll sich entscheiden, welcher Farbton zum Saisonstart auf die Nägel kommt. Gewechselt wird stets nach verlorenen Spielen. Das gilt allerdings nur für den Nagellack. Das Jogurtgetränk „Actimel“ bleibt hingegen aufgrund der Abwehrkräfte, die es laut Werbung aktivieren soll, immer fester Bestandteil in der Vorbereitung auf den Spieltag.

Sobiech kämpfte sich nach einem Unfall zurück

Viele der Rituale wurden von Sobiech mitinitiiert, die im Team des Viertligisten diejenige ist, die die Mannschaft oft lautstark anfeuert und „Stimmung auf dem Feld“ macht, wie sie von sich selbst sagt. „Sie fordert viele Bälle, pusht ihre Mitspielerinnen und muss eher manchmal etwas gebremst werden, weil sie zu viel Energie hat“, sagt TSV-Trainer Reiner Elmrich, der mit der positiven Art der Außenangreiferin aber alles andere als unzufrieden ist.

Seit 2012 spielt Sobiech beim TSV und gehört damit zu den Spielerinnen, die schon am längsten im Team sind. Dabei war nach einem Unfall während der Schulzeit im Sportunterricht lange unklar, ob sie überhaupt noch mal als Spielerin in die Halle zurückkehren würde. In der letzten Sportstunde vor den Winterferien zertrümmerte sich Sobiech 2007 das komplette linke Knie beim Trampolinspringen. Beide Kreuzbänder waren gerissen, die Menisken sowie die Innen- und Außenbänder ebenfalls.

Nach zwei Operationen kehrte sie im März 2009 auf das Feld zurück und landete über Stationen bei der VGG Gelnhausen und der DJK Freigericht schließlich in Hanau. Im Rahmen der hessischen Meisterschaft der Bereitschaftspolizei hatte die Polizistin auf sich aufmerksam gemacht und „viel Zuspruch“ bekommen, es doch mal höherklassig zu versuchen.

Als Stammspielerin etabliert

„Ich bin dann ohne Erwartungen einfach mal ins Probetraining nach Hanau gegangen und hätte nicht gedacht, dass ich da so schnell Fuß fasse“, erinnert sich Sobiech, die zuvor nur in der Kreis- und der Bezirksliga gespielt hatte und nun zwei Ligen höher in der Landesliga gefragt war, wo der TSV damals noch aufschlug. Die Umstellung sei anfangs groß gewesen, Volleyball zwei Ligen höher „ein ganz anderes Spiel.“ Sobiech, die erst im Alter von 15 Jahren mit dem Sport begann, dachte zu diesem Zeitpunkt, das Ende der Fahnenstange sei erreicht.

Mit ihr als Stammspielerin stieg der TSV jedoch in die Oberliga auf und spielte 2017 sogar in der Regionalliga, wo die Hanauerinnen nun auch in dieser Saison wieder an den Start gehen. „Als ich bei meinem ersten Regionalligaspiel in die Halle gegangen bin, hatte ich total Lampenfieber“, gesteht die Außenangreiferin, die die Nervosität aber ablegen konnte und mit dem TSV eine gute Saison spielte.

Passende Nagellackfarbe wird noch gesucht

Am Ende stiegen die Hanauerinnen trotz 18 gesammelten Punkten ab. „Das war schon tragisch. Deshalb hoffe ich umso mehr, dass wir dieses Jahr den Klassenerhalt schaffen“, sagt Sobiech, die im ersten Spiel am Samstagabend mit ihrer Mannschaft auswärts auf die TSG Bretzenheim trifft, die in der vergangenen Saison als Meister das Aufstiegsrecht nicht wahrnahm. Der Kader der Hanauerinnen dürfte im Vergleich zur Abstiegssaison 2017/18 stärker sein. „Wir haben noch mal fünf super Spielerinnen dazubekommen. Ich bin gespannt, ob sie das, was sie schon in den Trainingseinheiten gezeigt haben, auch in den Spielen abrufen können.“

Obwohl der TSV am letzten Wochenende im Hessenpokal-Halbfinale gegen den Drittligisten SSC Bad Vilbel mit 0:3 (11:25, 19:25, 20:25) ausschied, sind sowohl Elmrich als auch Sobiech positiv gestimmt. „Es war eine gute Vorbereitung. Wir haben auch gegen Bad Vilbel phasenweise gezeigt, dass wir in der Regionalliga mithalten können“, ist sich Sobiech sicher. Die Saison kann losgehen – es fehlt nur noch eine passende Farbe für die Nägel.

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