Riesige Freude: Der deutsche Doppelvierer mit Schlagmann Johannes Lotz (Hanauer RG), Moritz Wolff, David Junge und Franz Werner (von links) jubeln über Silber bei der U23-Weltmeisterschaft in den USA – nur das britische Boot war schneller. Foto: PM

Rudern

U23-WM: Deutscher Doppelvierer um Johannes Lotz holt Silber

Rudern. Mit Silber im Gepäck kehren Johannes Lotz (Hanauer RG) und seine Mannschaftskollegen Moritz Wolff (Berliner Ruder-Club), David Junge (Ruder-Club Potsdam) und Franz Werner (Pirnaer Ruderverein) von der U23-Weltmeisterschaft in Sarasota/Florida zurück

Sie bescheren mit ihrem starken WM-Auftritt dem Deutschen Ruderverband (DRV) das beste Resultat im Doppelvierer seit elf Jahren, als es letztmals Gold gab. Silber liegt noch viel weiter zurück: 1998 in Ioannina (Griechenland).

Coach Alexander Schmidt (Olympiastützpunkt Berlin), der 2014 das deutsche Quartett zum Olympiasieg in Rio de Janeiro führte, zeigte sich nach dem Rennen überglücklich und lobte sein Team in höchsten Tönen: „Das war ein Top-Rennen. Ich habe den Jungs am Morgen noch mal unser Olympiarennen von Rio gezeigt, wie wir unbekümmert von vorne weggefahren sind. Das haben sie dann auch so gemacht. Ich bin stolz.“

In einem an Spannung kaum zu überbietenden Bord-an-Bord-Rennen mit dem auf einer Position umbesetzten Titelverteidiger Großbritannien (5:51.77 Minuten) erkämpfte sich das DRV-Boot (5:53.09) nach Bronze im Vorjahr nun mit einer halben Bootslänge Rückstand die hochverdiente Silbermedaille.

Italien in Schach gehalten

Die stark eingeschätzten Italiener (5:55.17 Minuten), 2018 Vizeweltmeister, konnten erstmals vom DRV-Quartett nach drei direkten Vergleichen in Folge mit einer Bootslänge in Schach gehalten werden und holten Bronze. Rumänien (5:58.04 Minuten), Tschechien (6:04.17 Minuten) und Neuseeland (6:08.89 Minuten) hatten mit dem Ausgang des dramatischen WM-Finales nichts zu tun und landeten auf den Plätzen vier bis sechs.

Deutschland startete am flottesten und legte sich sofort an die Spitze des Feldes. Bis zur Streckenhälfte lag das DRV-Team hauchdünn auf Goldkurs, bis die britischen Titelverteidiger mit der schnellsten Zwischenzeit eine knappe Führung herausfahren konnten. In einem dramatischen Finish auf den letzten Metern der 2000-Meter-Distanz drehten Lotz/Wolff/Junge/Werner noch einmal richtig auf und hefteten sich ans Heck der Favoritencrew, die auf der Ziellinie nur mit 1,32 Sekunden vorne lag.

Schlagmann Lotz, der mit vierfachem Edelmetall nunmehr zum fleißigsten WM-Medaillensammler des Hanauer Rudersports avanciert, konnte sein Glück auf der Ziellinie kaum fassen und riss mit einem Freudenschrei beide Arme in den stahlblauen Himmel von Sarasota: „Wir sind megaglücklich. Es waren genau unsere Bedingungen“, sagte der frisch gebackene Vizeweltmeister am Siegersteg.

„Zehn Minuten vor dem Rennen ist der Gegenwind ein bisschen rausgekommen. Das hat uns echt in die Karten gespielt. Wir haben alles gegeben, um vor den Briten rauszufahren. Am Ende muss man einfach neidlos anerkennen, dass die Briten das kleine Stück stärker waren und die Bugspitze vorne hatten.“

Kaum mit Sieg zu rechnen

Die deutschen Meister hatten sich zwar in der laufenden Saison als schlagkräftiges Team erwiesen, an solch einen überzeugenden Auftritt im WM-Finale mit der auf drei Rollsitzen neu formierten Crew hatte man kaum rechnen können. „Im Vergleich zu 2018 hatten wir einfach mehr Mut, um Gold mit zu fahren, und haben uns auf der Strecke nicht zufrieden gegeben mit einem zweiten oder dritten Platz. Ich denke, das war auch das Rezept, um die Silbermedaille zu holen“, so der HANAUER Sportler des Jahres 2014, der mit dem WM-Finale eine komplette Leistungssportdekade von 2009 bis heute aufzuweisen hat.

Lotz undamp; Co. trafen bereits beim ersten Schlagabtausch auf drei Finalisten der WM 2018: Mit Titelverteidiger Großbritannien, Vizeweltmeister Italien, Bronze-Medaillengewinner Deutschland und dem Viertplatzierten aus Ungarn waren die vier stärksten Nationen des Vorjahres im ersten von drei Vorläufen zu sehen. Die ersten vier Mannschaften liefen exakt in der Reihenfolge des WM-Finals von 2018 ein – lediglich die Abstände zwischen den Podestplätzen von Posen (Polen) waren diesmal kürzer.

Titelverteidiger Großbritannien siegte in 5:50.43 Minuten vor Italien, 5:53.57 Minuten, und dem DRV-Quartett, 5:55.51 Minuten. Die Ungarn, 5:58.97 Minuten, und die Neuseeländer, 6:01.29 Minuten, mussten in den Hoffnungslauf.

Mit einer imponierenden Leistung landete das deutsche Team im Halbfinale in 5:45.11 Minuten knapp hinter Italien (5:44.03 Minuten) auf Platz zwei. Rumänien (5:47.10 Minuten) im Schlepptau erreichte ebenfalls den WM-Endlauf. 13 Nationen hatten gemeldet. Gastgeber USA war bereits vorzeitig ausgeschieden.

Im Medaillenspiegel der Männer-Doppelvierer stehen die Mannschaften des DRV an der Spitze: 13 Titel, davon acht Mal Silber und zehn Mal Bronze.sl

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