Tina Christmann (ganz rechts) vom Hanauer RC Hassia hat mit dem Frauen-Doppelvierer bei der U23-Weltmeisterschaft im bulgarischen Plovdiv die Bronzemedaille gewonnen. Foto: PM

Rudern

U23-Ruder-WM: Bronze für DRV-Quartett um Christmann

Rudern. Tina Christmann vom Hanauer RC Hassia und der Frauen-Doppelvierer haben bei der U23-Weltmeisterschaft im bulgarischen Plovdiv eine von lediglich drei Medaillen für den Deutschen Ruderverband (DRV) errungen.

Während die HANAUER Sportlerin des Jahres 2014 mit Schlagfrau Michaela Staelberg (Krefeld), Franziska Kampmann (Waltrop) und Pia Greiten (Osnabrück) über die Bronzemedaille jubeln durfte, erlebte der DRV laut Hassia-Trainer Volker Lechtenberg „ein noch nie da gewesenes Debakel“.

Mit einem Sieg im Vorlauf hatte sich der Doppelvierer für das große Finale qualifiziert. „Mit einem aggressiven Start konnte das deutsche Quartett den favorisierten Britinnen zunächst folgen“, berichtet Lechtenberg.

"Noch nie so zerstört"Auf den zweiten 500 Metern setzten sich die Ruderinnen von der Insel aber immer weiter ab, der Crew um Christmann gelang es aber zwischenzeitlich bis zu eine halbe Länge Führung auf die Australierinnen aufzubauen. Diese waren immerhin kürzlich zu Weltcup-Bronze in der offenen Altersklasse gerudert. Auf den letzten 500 Metern zogen die Australierinnen jedoch das Tempo wieder an und schoben ihre Bugspitze wenige Zehntelsekunden vor dem Boot des DRV über die Ziellinie.

„Wir hatten einen fast perfekten Start und haben uns von den Britinnen mitziehen lassen. Die letzten 750 Meter haben wir nur noch gezogen was wir konnten. Ich war nach einem Rennen noch nie so zerstört“, sagte Christmann nach dem Rennen im Interview für worldrowing.com.

Zweite WM-Medaille für ChristmannDie Hassianerin gewann damit nach U19-Silber 2014 ihre zweite WM-Medaille, 2013 wurde sie zudem bei der U19-WM Vierte im Einer, 2015 reichte es bei der U23-WM für einen damals enttäuschenden vierten Platz im Doppelvierer.

„Die Zeiten, in denen man seine WM-Medaille so gut wie sicher hatte, wenn man sich in Deutschland durchgesetzt hatte, sind endgültig vorbei“, meinte Lechtenberg, der das Abschneiden der deutschen Starter bemängelt. Von 21 deutschen Booten schafften lediglich zehn den Einzug ins Finale.

Alarmglocken sollten schrillen„Umso lauter sollten die Alarmglocken bei allen Verantwortlichen im deutschen Ruder-Leistungssport schrillen. Denn die U23-WM-Teilnehmer von 2017 sind auch die Olympia-Starter von 2020 und 2024“, so Lechtenberg. Der DRV musste sich in Plovdiv mit drei Bronzemedaillen im Frauen-Doppelvierer, im Leichtgewichts-Frauen-Doppelvierer und im Frauen-Vierer ohne Steuerfrau begnügen.

Das A-Finale verpasste auch Johannes Lotz von der Hanauer Rudergesellschaft. Er erreichte im der Männer-Doppelzweier gemeinsam mit Anton Finger (Berlin) Platz zwei im B-Finale, was Rang acht im Endergebnis bedeutete. Das B-Finale gewannen die Slowenen Nik Krebs und Miha Aljancic, die im Halbfinale noch deutlich hinter der DRV-Crew lagen.

Das B-Finale„In der ersten Streckenhälfte lagen beide Boote noch gleichauf, doch dann zogen die Slowenen mit einer guten Länge davon“, so HRG-Sprecher Stefan Lotz. Das B-Finale hatte Besonderes parat: Vier Athleten des U19-WM-Finals von Rio 2015 waren am Start und es gab Gelegenheit zu der einen oder anderen Revanche – nunmehr in der Männerklasse.

Der damalige Vizeweltmeister Lotz lag mit Platz zwei vor dem italienischen Weltmeister Andrea Cattaneo und seinem neuen Partner Luca Chiumento, die auf Platz vier ruderten. Die seinerzeit Viertplatzierten Slowenen triumphierten diesmal und lagen erstmals vorne. tj

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