"Meine Wurzel ist das Turnen", sagt die Mutter einer vierjährigen Tochter über ihr Tattoo am Oberschenkel. Fotos: Thorsten Jung

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Turnen: Luisa Schmidt von der TG Hanau ist so erfolgreich wie nie

Turnen. Sie hat mehr Schmerzen und mehr Spaß. Aber vor allem ist sie erfolgreich wie noch nie. Luisa Schmidt ist amtierende Hessenmeisterin der Altersklasse 30 bis 34 im Geräteturnen.

Von Thorsten Jung

Bei der deutschen Meisterschaft wurde sie nach Platz zehn im Vorjahr diesmal Siebte. Nach Schwangerschaft und Geburt der Tochter war es für sie ein langer Weg zurück zur Ausgangsfigur.

Luisa Schmidt hat eine Lieblings-Handstandposition. Gerne zeigt sie die auch auf dem Kleinbus der TG Hanau, für die sie seit zehn Jahren bei Wettkämpfen antritt. Zu sehen ist dieser Handstand auch auf ihrem Bein. „Auf meinem Oberschenkel ist ein Baum, die Wurzeln sind die Hände, der Stamm bin ich im Handstand und die Äste sind die Beine“, beschreibt die 30-Jährige ihre Tätowierung. Die Stelle hat sie bewusst gewählt, damit man das Tattoo sieht, wenn sie den Turnanzug trägt.

Handstand auf dem Schwebebalken

Am liebsten zeigt Luisa Schmidt ihren Handstand auf dem Schwebebalken. Dort fühlt sie sich wohl, dort sammelt sie in ihrer Kür die meisten Punkte. Sprung und Stufenbarren mag sie dagegen nicht so gerne. „Nach der Schwangerschaft hatte ich Probleme mit den Bauchmuskeln und da hänge ich noch etwas hinterher“, erklärt die Hainburgerin, deren Tochter inzwischen vier Jahre alt ist.

Luisa Schmidt merkt, dass sie keine 16 mehr ist und ein Kind zur Welt gebracht hat. „Der Muskelkater ist eigentlich permanent da“, sagt sie und schiebt ein breites Grinsen hinterher. „Früher waren es mehr Wettkämpfe und es war weniger anstrengend. Aber jetzt macht es mehr Spaß.

“ Früher hat sie sich für Hessenmeisterschaften qualifiziert, es reichte aber nicht für vordere Plätze, heute nimmt sie Medaillen mit nach Hause. Doch dafür muss die Tagungsleiterin eines Kahler Hotels mehr leiden: „Normalerweise fahre ich mit dem Fahrrad nach Kahl zur Arbeit, in der Wettkampfvorbereitung fahre ich mit dem Auto, damit ich nicht noch mehr belastet bin“, berichtet Luisa Schmidt. Die Hessische gewann sie mit gebrochenem Finger und derzeit behindert sie eine Verletzung am Fußzeh etwas.

Die körperlichen Probleme machen Luisa Schmidt mehr zu schaffen als der immense zeitliche Aufwand, den sie für ihre große Leidenschaft gerne aufbringt. „Das lässt sich auch mit Kind gut vereinbaren. Ich habe einen netten Mann“, sagt die 30-Jährige und lacht. „Wir trainieren zweimal in der Woche, meist bin ich aber nur einmal in der August-Schärttner-Halle. Das sind aber auch drei Stunden. Vor Wettkämpfen komme ich aber zweimal die Woche.“

Nicht nur im Einzel unterwegs

Luisa Schmidt startet nicht nur bei Einzelmeisterschaften, sondern geht auch in der Landesliga 4 mit ihren Teamkolleginnen der TG Hanau an die Geräte. Zudem bietet sie zweimal in der Woche Kinderturnen bei der TGS Seligenstadt an. Bei ihrem Heimatverein ist sie nicht nur Jugendtrainerin, sondern auch Abteilungsleiterin. „Ich bin quasi immer in der Turnhalle.“

Oft an ihrer Seite: die vierjährige Tochter. „Sie hat Spaß daran, Talent und die Spannung. Ich will, dass das gefördert wird. Ich lasse ihr aber dennoch die Wahl“, so Luisa Schmidt, die als Sechsjährige eigentlich ins Trampolinturnen wollte. „Das gab es in Seligenstadt aber erst ab zehn Jahren“, erinnert sie sich.

So legte sie früh die Grundlagen für ihre heutigen Teilnahmen an den deutschen Meisterschaften im Geräteturnen. „Die meisten, die gegen mich starten, haben keine Kinder. Ich habe die Hoffnung, dass die, die bei der Deutschen vor mir waren, Kinder bekommen. Dann sind meine Chancen vielleicht etwas höher“, träumt die TGH-Turnerin von einer Medaille.

Viel mehr würde sich Luisa Schmidt aber über das Erreichen ihres größten Ziels freuen. „Dagmar Weidmann von der TG Hanau ist 62 oder 63 Jahre alt. Sie fährt mit mir immer zur Hessischen und zur Deutschen. Wenn ich so alt bin und das immer noch mache, wäre das schön.“ Mit Erfolgen und viel Spaß lassen sich die Schmerzen eben auch viel leichter ertragen.

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