Highlight beim Squash: Das Spiel kann sowohl von oben als auch von unten geschaut werden. Foto: Lindenfeld

Maintal

Squash im Sportcheck: Familiäre Atmosphäre bei Yellow Dot Maintal

Squash. Wie läuft eigentlich ein Bundesliga-Spieltag beim Squash ab? In unserer neuen Serie machen wir bei verschiedenen Sportarten den Sportcheck. Los geht's mit dem Squash Club Yellow Dot Maintal. Dort herrscht eine familiäre Atmosphäre.

Von David Lindenfeld

Die Fans des Squash Club Yellow Dot Maintal feiern ihre Nummer eins, Aqeel Rehman, mit einer kleinen La-Ola-Welle, als dieser nach dem eineinhalbstündigen Match abgekämpft den Court verlässt. Viele gratulieren ihm. Obwohl Maintal in der höchsten deutschen Spielklasse aktiv ist, scheinen Fans und Spieler ein inniges Verhältnis zu pflegen – es geht sehr familiär zu.

Musik schallt zu diesem Zeitpunkt bereits wieder aus den Boxen. Schon während des Spiels haben die Maintaler Anhänger den zehnfachen österreichischen Meister mit lautem Klatschen und Anfeuerungsrufen unterstützt.Bundesliga mit 30 bis 40 Zuschauern Obwohl sich nur 30 bis 40 Zuschauer zum 12. Spieltag der Bundesliga Süd im Maintaler Mittelpunkt Sportcenter eingefunden haben, ist die Stimmung ausgezeichnet. Auch der Gegner aus Gerlingen hat eine Hand voll Anhänger mitgebracht.Bei den ersten Punkten warten die Fans beider Teams kurz ab, in welche Richtung sich das Spiel entwickelt – dann machen sie Stimmung: Jubel und Klatschen beim Punktgewinn des eigenen Spielers. Lautstarke Aufmunterungsrufe bei einem Punkt des Gegners.Humorvolle und freundliche ModerationNeben dem, was die Spieler auf dem Court zeigen, wollen die Maintaler Organisatoren den Anwesenden auch darüber hinaus etwas bieten und gehen ihre Aufgabe als Ausrichter professionell an: In den zweiminütigen Satzpausen und zwischen den einzelnen Spielen tönt Musik aus dem großen Lautsprecher, der extra aufgebaut wurde und der vor den Partien für die Spielervorstellungen und die Moderation der Veranstaltung genutzt wird.Als Moderatorin springt an diesem Tag Dagmar Scheiber ein, die die Zuschauer zu Beginn in einer Ansprache humorvoll und freundlich begrüßt und auf das kulinarische Angebot für die Gäste verweist, das für alle kostenlos ist.Eintritt ist freiEs reicht von Getränken, wie Wasser, Apfelsaft oder Kaffee über zwei Kuchen und Brezeln bis hin zu kleinen schokoladigen Snacks und Schaumküssen. Auch der Eintritt ist frei. Stattdessen darf jeder, der möchte, etwas spenden.Mit fünfminütiger Verspätung beginnt das Spiel mit der ersten Partie. Die an Position vier gesetzten Spieler treffen aufeinander. Für Maintal betritt den Court der 48-jährige Spielertrainer Andreas Omlor, der die Veranstaltung normalerweise anstelle seiner Frau moderiert. An diesem Tag muss er aufgrund der Verletzung eines Mitspielers einspringen.Viele Sprints Für seine 48 Jahre ist Omlor erstaunlich fit: Die vielen Sprints und die athletische Höchstleistung, die die Spieler beim Squash erbringen müssen, scheinen dem erfahrenen Oldie nichts auszumachen – zirka eine halbe Stunde später hat er seinen 17 Jahre jüngeren Gegner mit 3:0 vom Platz gefegt. Maintal jubelt.

Nach der zweiten von vier Partien, die ebenfalls ungefähr eine halbe Stunde dauert, folgt das große Highlight des Tages: Mit dem Österreicher Aqeel Rehman (Nummer 90 der Weltrangliste) und dem Spanier Jaume Bernat (119 der Welt) betreten zwei absolute Topspieler das Feld.Intensive BallwechselDies zeigt sich bereits während der ersten Ballwechsel, die deutlich länger dauern und intensiver sind als die in den Partien zuvor. Nicht selten schlagen beide Spieler den kleinen Gummiball jeweils über 20 Mal gegen die Frontwand. Ein gespielter Punkt dauert häufig länger als eine Minute.Nun kommt es auch erstmals zu Diskussionen zwischen den Spielern und dem Schiedsrichter-Team, das aus jeweils einem Akteur beider Mannschaften besteht. Einen externen Schiedsrichter gibt es auch in der höchsten deutschen Spielklasse im Squash nur selten.Court ist engWie üblich, wenn ein Spieler dem anderen beim Schlag im Weg steht, gibt es nun auch häufiger eine Wiederholung des Ballwechsels, den sogenannten Let-Ball. Da der Court eng ist, müssen beide Spieler darauf achten, dass der andere genug Platz zum Schlagen hat – bei dem Tempo, das die Athleten bei ihren Sprints in alle Richtungen und nach dem Schlag zurück in eine gute Ausgangsposition drauf haben, ist das manchmal beinahe unmöglich.Mit den Entscheidungen sind sowohl der Spanier als auch der Österreicher mehrmals unzufrieden. Häufig geht es in diesen Fällen dann um Fragen, ob ein Spieler den falschen Laufweg gewählt hat und deshalb geblockt wurde oder nicht.Schnelles und hektisches SpielIm schnellen und hektischen Spiel müssen die Athleten ihre Entscheidungen im Bruchteil einer Sekunde fällen. Dass man die Dinge in strittigen Situationen aus seiner eigenen Sicht wahrnimmt und sich deshalb benachteiligt fühlt, ist da wahrscheinlich ganz normal.Wie sich die Spieler auch nach einer hochintensiven Stunde noch gegenseitig quer über den Platz schicken, ist beeindruckend. Kein Wunder, dass in der Vorwoche, als der dreifache Weltmeister, Nick Matthew, in Maintal zu Gast war, über 100 Zuschauer kamen.Punkt sind hart umkämpftJeder Punkt ist von extrem großer Bedeutung und hart umkämpft. Als Rehman nach 6:9-Rückstand im vierten Satz noch mit 11:9 gewinnt und das Spiel somit für sich entscheidet, tobt das Mittelpunkt-Sportcenter.Trotz der Diskussionen geben sich beide Spieler nach einem spektakulären Match unter Beifall der Zuschauer die Hand. Beim Squash geht es eben sehr familiär zu.

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