Gemeinsam Fußballschauen: Für viele Sportsbars ist das Zeigen von Bundesliga-Fußball ein großes Rechenspiel. Der Pay-TV-Sender Sky verlangt hohe Gebühren. Foto: Kalle

Hanau

Sportsbars verzweifeln an Sky-Gebühren

Sport. Bei Bundesligaspielen der Frankfurter Eintracht oder Champions-League-Krachern des FC Bayern München war das „Stars“ rappelvoll. Seit dem Jahreswechsel ist die Vereinsgaststätte der TGH geschlossen.. Ausschlaggebend waren die hohen Gebühren, die der Bezahlsender Sky für die Ausstrahlung seiner Live-Sportereignisse erhebt.

Von Philipp Swierzy

Der ehemalige Stars-Geschäftsführer Laslo Seke erklärt: Das Geschäftsmodell der reinen Sportsbar sei ein Auslaufmodell und das Stars war „nicht mehr profitabel“.

Seke hat Erfolg mit seinen Bars und Restaurants. Unter der Dachmarke „Schmidskatze“ leitet er das „Cuervo“ in Langenselbold, die „Stars Lounge“ in Offenbach und das „Druckhaus am Main“ in Steinheim. Im „Cuervo“ geht sein Geschäftsmodell seit über 15 Jahren auf. Auch hier zeigte er früher Sky. Als die Gebühren sich erhöhen sollten, verzichtete er auf die Ausstrahlung von Live-Sport über Sky. Die Gäste kommen weiterhin. Im Hanauer Stars wäre das keine Option. „Es war nur voll, wenn gute Fußballspiele waren. Ansonsten war keiner da“, so Seke.

Preissteigerung von 70 ProzentLaut seinem ehemaligen Inhaber war das Stars „nicht mehr wirtschaftlich“. „Als wir 2011 angefangen haben, kann ich mich entsinnen, dass wir monatlich 340 Euro brutto an Sky überwiesen haben.“ Nachdem der erste Vertrag zwischen dem Stars und Sky auslief, erhöhte der Pay-TV-Sender die Gebühren auf rund 1100 Euro pro Monat. Auch wenn der Bundesliga-Fußball Sommer- und Winterpause hatte, musste diese Gebühr monatlich gezahlt werden. Als im August 2017 der Sky-Vertrag erneut auslief und Seke sich telefonisch über die neuen Preise informierte, holte er sich anschließend gar kein offizielles, schriftliches Angebot mehr ein. Die Gebühren wären erneut so stark gestiegen, dass es für das Stars nicht mehr rentabel gewesen wäre. „Sky war bereit, einen neuen Vertrag zu machen. 1500 Euro haben die mir zugerufen, netto. Also knapp 1800 Euro monatlich für drei Jahre. Das sind 54 000 Euro und eine Steigerung um 70 Prozent“, rechnet Seke vor. Diese Erhöhung wäre „nicht zu stemmen gewesen“.

Kein Sky, keine Gäste – so trug es sich in den vergangenen Monaten im Stars zu. Eine Vermeidung des Insolvenzverfahrens war vor allem dank des Entgegenkommens der TGH möglich.

Sportwettengeschäfte als Konkurrenz„Das Interesse an Sportsbars hat ganz klar nachgelassen. Wir haben das Stars sechseinhalb Jahre betrieben und im Grunde sehr viel Geld verloren“, erklärt er. Vor allem die wachsende Konkurrenz durch Sportwettgeschäfte wie Tipico, die Sky für viel weniger Geld live ausstrahlen dürfen, sei ein Problem für die künftige Existenzberechtigung von Sportsbars.

Um dem Stars wieder neues Leben einzuhauchen, hatte Seke die Idee, seinen Gästen ein Zusatzangebot im Bereich Sportwetten zu machen. Damit wollte er Kunden hinzugewinnen, die gerne Live-Sport verfolgen und nebenbei mit kleineren, einstelligen Beträgen wetten. Der Vermieter legte hier jedoch sein Veto ein. Der ehemalige Stars-Geschäftsführer hat dafür Verständnis.

Unterschiedliche Anbieter haben Recht erworbenEin weiteres Problem von Sportsbars sei, dass in den vergangenen Jahren mehr Anbieter Rechte an der Ausstrahlung von Fußballspielen erworben haben. Dadurch müssen unterschiedliche Anbieter bezahlt werden und die Kosten für Sky steigen trotzdem. Außerdem habe Sky „im Privatkundenbereich mächtig Gas gegeben“, findet Seke. „Alle Wettbewerbe für 24,99 Euro im Monat. Das hat Sky gerade im Angebot.“

Auch für die Gaststättenbetreiber Oliver und Nicole Lotz, die den Ratskeller in Großauheim betreiben, lohnt sich Sky wirtschaftlich nicht. Gut 500 Euro zahlen sie monatlich an Sky, hauptsächlich um die Eintracht-Spiele live zeigen zu können. Das zieht viele Stammgäste an.

„Das ist meine Dauerkarte für die Eintracht“Die Auheimer zahlen noch für den Pay-TV-Sender, weil Oliver Lotz leidenschaftlicher Eintracht-Anhänger ist und dessen Clique um Rainer Russ, dem Vater von Eintracht-Star Marco Russ, immer zu den Spielen der SGE vorbeikommt. „Das ist meine Dauerkarte für die Eintracht“, rechtfertigt er sich vor Nicole, die Sky gerne schon abgeschafft hätte.

Mit Ausnahme großer Städte, in denen eine Sportsbar von einer guten Lage und viel Laufkundschaft profitiere, seien Sportkneipen nicht mehr rentabel, glaubt Seke. Das Konzept der reinen Sportsbar habe ausgedient. „Wenn Live-Sport aber nur ein Zubrot ist“ und der Großteil der Einnahmen aus gutem Essen, aus Veranstaltungen oder Wettgeschäften stammt, dann funktioniere eine solche Sportsbar auch.

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