Lokalmatadorin Sarah Bormann (rechts) muss in dieser Szene zwar einstecken, ist am Ende aber die verdiente Siegerin. Foto: TAP

Steinheim

"Sportarten im Check": Schwache Stimmung beim Boxen

Boxen. Für die Serie „Sportarten im Check“ haben wir das Boxturnier der TFC Steinheim in der Main-Kinzig-Halle besucht und dort abwechslungsreiche Kämpfe und eine professionell ausgerichtete Veranstaltung gesehen, die in einem Punkt noch Luft nach oben hat.

Von David Lindenfeld

Alle Zuschauer stehen – dann ertönt erst die deutsche und anschließend die italienische Nationalhymne, ehe Sarah Bormann und Roberta Bonati für den Hauptkampf beim Fritz-Mück-Gedenkturnier in den Ring steigen. 

Ein buntes Rahmenprogramm mit diversen Showeinlagen, laute Einlaufmusik und ein Tunnel mit Lichteffekten, in dem die Kämpfer warten, bis sie vom Moderator der Veranstaltung in gewohnter Box-Manier mit lang gezogenen Worten in die abgedunkelte Halle gerufen werden: Vieles, was das sechste Fritz-Mück-Gedenkturnier zu bieten hat, ist sehr professionell und bildet einen perfekten Rahmen für den Revanchekampf zwischen der Italienerin Roberta Bonati und der Hanauerin Sarah Bormann, die im April gegen ihre Gegnerin noch verloren hatte.Sprechchöre verflachen Nur die Stimmung in der Main-Kinzig-Halle während des Hauptkampfs, der ganz zum Schluss stattfindet und erst um 22 Uhr beginnt, hat definitiv Luft nach oben, was auch Organisator Stefan Hartmann nach dem Kampf kritisierte. Er will die Main-Kinzig-Halle an diesem Tag gerne zu einem richtigen Hexenkessel machen und versucht das Publikum während des Kampfes mehrmals dazu zu animieren, mehr Stimmung zu machen – letztlich verflachten die Sprechchöre für Bormann jedoch immer wieder nach kurzer Zeit.An der starken Leistung der Hanauerin ändert die für einen internationalen Hauptkampf schwache Stimmung nichts. In den dreimal drei Minuten langen Runden boxt sich die Kämpferin von der TG Hanau zum Sieg nach Punkten mit 2:1 Stimmen der drei Wettkampfrichter. Für die 27-Jährige war es der 96. Sieg im 113. Kampf. Die große Erfahrung, die die Boxerin besitzt, war von Beginn an deutlich spürbar. Unzählige Titel und ErfolgeIm Vergleich zu vielen jüngeren Boxern, die in den Vorkämpfen zum Teil erstmals in den Ring stiegen, wirkt Bormann wie ein Vollprofi, der in seiner erfolgreichen Laufbahn schon fast alles erlebt hat. Die Hanauerin kann auf unzählige Titel und Erfolge zurückblicken und ist die einzige Boxerin, die den deutschen Meistertitel in zwei verschiedenen Gewichtsklassen gewonnen hat.Dass Bormann perfekt auf ihre Gegnerin eingestellt ist und genau weiß, was sie im Ring während des Kampfes zu tun hat, wird schnell deutlich: Nach außen total unaufgeregt und eiskalt boxt sich die Hanauerin nach einem verhaltenen Beginn und anfänglichem Abtasten mit schönen Kombinationen zum Sieg. 

Harte Treffer Die wirklich harten Treffer bekommen die Zuschauer aber bereits in den Vorkämpfen zu sehen, wo auch ohne Kopfschutz geboxt wird. Hier merkt man, wie hart der Sport wirklich ist und was die Schläge trotz der gepolsterten Handschuhe beim Gegner anrichten können.K.o. geht zwar niemand, mehrere Boxer geraten nach direkten Treffern gegen den Kopf jedoch schon mal ins Taumeln oder bluten nach dem Kampf leicht im Gesicht. Einmal muss der Steinheimer Trainer in der ersten Runde sogar das Handtuch werfen und damit den Kampf abbrechen, da bereits nach wenigen Minuten im Ring klar ist, dass sein Schützling in seinem ersten Kampf nur wenige Chancen auf einen Sieg hat.Freunde und Bekannte jubelnLaut wird es bei den 13 Vorkämpfen immer dann, wenn ein Boxer aus der Region in den Ring steigt. Fatih Kilinc und Atilla Sendic von der TG Hanau können bei ihrem Kampf auf die Unterstützung von zirka 30 Freunden und Bekannten zählen, die sich direkt am Ring versammelt haben und die beiden Boxer mit Sprechchören und Zwischenrufen nach vorne peitschen. Auch die Trainer rufen ihren Schützlingen immer wieder taktische Anweisungen während des Kampfs zu.Für viele der teils noch sehr jungen Boxer ist es ein großer Tag. Sie haben noch nicht viele Kämpfe bestritten und bekommen in Hanau die Möglichkeit, sich vor heimischer Kulisse zu beweisen. Mehrmals betonen die Verantwortlichen während der Veranstaltung im Gespräch mit unserer Zeitung, worum es ihnen geht: Sie wollen vor allem den Kämpfern eine tolle Kulisse mit schönem Rahmenprogramm und damit ein unvergessliches Erlebnis bieten, um sie für die harte Arbeit und den Fleiß im Training zu belohnen.Angemessener Preis Nach dem Ende der Veranstaltung um 22.30 Uhr und einem über sechs Stunden langen Boxtag treten viele Kämpfer aus der Region nach ihrem ersten Kampf vor 400 Zuschauern die Heimreise an und freuen sich bereits aufs nächste Jahr. Fazit: Beim Fritz-Mück-Gedenkturnier bekommen Box-Fans für einen angemessenen Preis viele unterhaltsame Kämpfe zu sehen. Die Veranstaltung wartet zudem mit einem bunten Rahmenprogramm auf und hat nur stimmungsmäßig während des Hauptkampfes Luft nach oben.

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