Unter der Brücke direkt am Steinheimer Altarm ist einiges los. Viele der Zuschauer sind Eltern der Kinder und sind aus ganz Deutschland angereist. Foto: Lindenfeld

Hanau

"Sportarten im Check": Schlauchbootslalom kein lockeres Paddeln

Schlauchbootslalom. Für die Serie "Sportarten im Check" haben wir den Nationalkaderausscheid im Schlauchbootslalom für die EM und WM besucht. Ausgerichtet wurde dieser vom Hanauer Bootsclub. Klar ist: Locker gepaddelt wird bei dieser Sportart nicht. Schlauchbootslalom erfordert vor allem eins: Geschicklichkeit.

Von David Lindenfeld

Wer darf mit der Nationalmannschaft zur EM und WM nach Ungarn fahren? Das hat die nationale Jugend-Elite im Motorbootslalom am vergangenen Wochenende im Steinheimer Altarm unter sich ausgemacht. Kinder und Jugendliche aus neun Landesverbänden sind nach Hanau gekommen, um in zwei Disziplinen und sechs verschiedenen Klassen die zwei besten Fahrer zu küren.

Eins wird dabei gleich zu Beginn klar: Gepaddelt wird hier nicht. Die Schlauchboote sind je nach Altersklasse mit sechs oder 15 PS starken Motoren bestückt und werden bereits von den erst Sechs- bis Siebenjährigen im Steinheimer Altarm mit Leichtigkeit durchs Wasser manövriert.

Mehr als 30 Stundenkilometer schnellDie kleinen Nachwuchsfahrer sind schnell unterwegs. Etwas mehr als 30 Stundenkilometer können die schnellsten Schlauchboote erreichen, die für den Wettkampf von der Bundesjugend des Deutschen Motoryachtverbands (DMYV) gestellt werden. Beschleunigen die Kids, hebt sich der Bug des Boots in die Luft – sobald es in die Kurven geht, spritzt das Wasser zur Seite.

Kentern können die Boote nicht, versichern die Verantwortlichen des DMYV und des Hanauer Bootsclubs, der den Nationalkaderausscheid in diesem Jahr ausrichtet. Helm und Schwimmweste sind aber natürlich trotzdem Pflicht.

Zwei DisziplinenZum Parcours, der im Steinheimer Altarm extra aufgebaut wurde, gehören Bojen, Tore und je nach Disziplin weitere Stationen, an denen Aufgaben mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden bewältigt werden müssen.

Beim Motorbootslalom gibt es in Deutschland zwei Disziplinen: Das Manövering – eine Art Geschicklichkeitswettbewerb – und die Slalomrennen, die überwiegend international betrieben werden.

Auch beim Nationalkaderausscheid stehen beide Disziplinen auf dem Programm. Den Anfang macht am Samstag das Manövering, wo die Fahrer bei verschiedenen Übungen ihre fahrtechnischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Hierbei müssen sie unter anderem vorwärts oder rückwärts durch vorgegebene Tore fahren, einen Rettungsring auf einer speziellen Boje platzieren und mit dem Boot korrekt am Steg anlegen.

Fachmännisches Wissen abgefragtIn einem zweiten Teil wird zudem das fachmännische Bootswissen der jungen Sportler abgefragt, indem diese fünf Seemannsknoten vorführen müssen. Wird eine Boje berührt, ein Fehler bei einer Übung gemacht oder ein Knoten nicht richtig gezeigt, gibt es fünf Strafsekunden.

Mit Hilfe der Sportart sollen die jungen Motorbootsportbegeisterten spielerisch den sicheren Umgang mit dem Boot erlernen und zudem auf die Prüfung für den Bootsführerschein vorbereitet werden.

Deshalb werde in Deutschland der Fokus auch mehr auf das Manövering als auf die Rennen gelegt, bei denen es in erster Linie um die Geschwindigkeit gehe, erklärt die Bundesjugendvorsitzende Marina Laabs, die extra aus der Nähe von Berlin angereist ist.

Gute Jugendarbeit in Hanau und UmgebungBei der Frage, auf was es beim Motorbootslalom ankommt, überlegt sie nicht lange: „Auf Geschwindigkeit und Geschicklichkeit.“ Die haben die Kinder und Jugendlichen aus der Region definitiv.

Wie gut die Jugendarbeit in Hanau und der Umgebung ist, zeigen die Ergebnisse bei den deutschen Meisterschaften im Herbst 2016: Dort schnitten die Jugendlichen aus der Brüder-Grimm-Stadt so gut ab, dass beim Nationalkaderausscheid allein sieben von zwölf hessische Fahrer aus Hanau kamen.

In der Region gibt es neben dem Hanauer Bootsclub und dem MBC Delphin Klein-Auheim noch die Sport AG der Georg-Büchner Schule in Erlensee, wo Kinder und Jugendliche den Sport betreiben können. Doch nicht nur die Region ist erfolgreich: Im internationalen Vergleich haben die führenden Nationen Deutschland und Russland seit Jahren die Nase vorn.

Bei der WM 2014 stellte die Bundesrepublik mit 24 gewonnenen von 32 möglichen Titeln ihren Status als eine der weltbesten Nationen im Motorbootslalom eindrucksvoll unter Beweis.

Weiter Weg bis zum NationalkaderausscheidZu internationalen Wettbewerben fahren aus Deutschland nur die besten Sportler. Um am Nationalkaderausscheid teilnehmen zu dürfen, ist es ein weiter Weg: Bei der Hanauer Stadtmeisterschaft müssen sich die Sportler zunächst für die Hessenmeisterschaft qualifizieren.

Dort erhalten die besten Drei in ihren Klassen eine Startberechtigung für die deutsche Meisterschaft, wo wiederum die besten acht Fahrer zum Nationalkaderausscheid kommen.

Welt- und Europameisterschaft im August in UngarnDer hat es dann in sich: Pro Klasse kommen nur die zwei Schnellsten in die Nationalmannschaft und dürfen sich vor den großen Wettkämpfen in Ungarn auch auf ein einwöchiges Trainingslager in Berlin freuen.

Der Nationalkaderausscheid in Hanau war für die zwölf erfolgreichen Nachwuchsfahrer des DMYV somit erst der Anfang eines großen Abenteuers, dessen Höhepunkt die Welt- und Europameisterschaft in Ungarn im August ist. Dann will die Nationalmannschaft in Dunaújváros ihren Status als eine der weltbesten Nationen im Motorbootslalom erneut unter Beweis stellen.

Fazit: Motorbootslalom ist eine interessante Sportart, die viel Geschicklichkeit erfordert und spannende Rennen zu bieten hat. Wer sich selbst ein Bild davon machen will, kann dies spätestens im kommenden Jahr am Steinheimer Altarm machen: Dann findet mit der Hessenmeisterschaft der nächste größere Wettbewerb in Hanau statt.

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