Die Eröffnungsfeier zur 12. Hapkido-Europameisterschaft in Schöneck beginnt mit fernöstlicher Musik und einem zeremoniellen Ritual, das von den Hapkidoin genannten Sportlern gemeinsam in einer eindrucksvollen Formation durchgeführt wird. (Fotos: Lindenfeld)

Schöneck

Sportarten im Check: Hapkido

Hapkido. Die 12. Europameisterschaft im Hapkido, die in Schöneck stattfand, präsentierte den Zuschauern eine Art der Selbstverteidigung mit sportlichen und philosophisch-meditativen Aspekten.

Von David Lindenfeld

Musik aus dem Fernen Osten schallt durch die Schönecker Erich-Simdorn-Halle, in der sich rund 30 Nachwuchs-Hapkidoin mit einem zeremoniellen Ritual gegenseitig Respekt erweisen und die 12. Europameisterschaft eröffnen. Dabei zeigen die jungen Sportler mit ihren rhythmischen Bewegungen und dem Meditieren im Sitzen gleich zu Beginn, was die Kampfkunst so besonders macht: Denn beim Hapkido wird nicht nur der Körper, sondern auch der Geist trainiert.

EM erstmals in Hessen

Fünfmal fand die Europameisterschaft schon in Deutschland statt – nun präsentierten die europäischen Anhänger der südkoreanischen Selbstverteidigungs-Kampfkunst erstmals auch in Hessen ihre Fähigkeiten. Dass es dabei nicht nur um das Kämpfen geht, verrät schon der Name der Sportart: Hapkido bedeutet aus dem Koreanischen übersetzt „Weg zur Harmonie der Kräfte“ oder „Lehre der Entwicklung der Lebensenergie zu einem Gleichgewicht“ und verbindet kämpferische Inhalte mit philosophisch-meditativen Elementen.

Verschiedene Stilrichtungen

Da die Kampfkunst, die ihre Ursprünge im japanischen Daito-ryu Aikijujutsu hat, an unterschiedlichen Orten weiterentwickelt wurde, gibt es zahlreiche verschiedene Stilrichtungen. Je nach Stil lernen die Hapkidoin, wie die praktizierenden Sportler der Kampfkunst genannt werden, verschiedene Kampftechniken, zu denen neben Schlägen, Tritten, Hebelgriffen und Würfen unter anderem auch Techniken mit verschiedenen Waffen gehören, die bei Wettkämpfen wie der Europameisterschaft den Kampfrichtern vorgeführt werden müssen. Auch Atemtechniken, die vor dem Training durchgeführt werden, um die Kräfte zu fokussieren und die Konzentration zu steigern, gehören zum festen Bestandteil des Hapkidos, das durch seine Vielzahl an Möglichkeiten und Techniken einen besonderen Reiz für viele Kämpfer hat.

Unterschiedliche Techniken

Die Sportler, die ihre über Jahre hinweg erlernten Techniken dem Publikum präsentieren, sind unter anderem aus Belgien, Österreich, Spanien und den Niederlanden angereist und bringen aus ihren Heimatländern, die von verschiedenen Hapkido-Stilen geprägt sind, unterschiedliche Techniken mit. Das von Land zu Land unterschiedliche Fachwissen und die Tatsache, dass es bei der Europameisterschaft sechs verschiedene Wettbewerbe gibt, machen den Sport abwechslungsreich und vielseitig.

Geschwindigkeit und Präzision

Neben den klassischen Kämpfen, bei denen es um die erzielten Treffer geht, gibt es im Hapkido auch mit Partnern einstudierte Showkämpfe mit Musik oder sogenannte Formenläufe, bei denen die Selbstverteidigungstechniken ohne Partner vorgeführt und von den Kampfrichtern bewertet werden. Die Bewertung der Kampfrichter erfolgt nach verschiedenen Kriterien: So spielt neben Geschwindigkeit, Präzision und Schwierigkeitsgrad auch immer eine Rolle, wie realistisch die gezeigte Selbstverteidigungstechnik ausgeführt wurde.

Klassischer Bruchtest

Auch EM-Organisator Jens Schimmel, der sich seit Juli Hapkido-Weltmeister mit der Waffenform (Gehstock) nennen darf, zeigt gemeinsam mit seiner Frau Miriam Schimmel einen beeindruckenden Showkampf und wird damit Vizeeuropameister.

Mit zur EM gehört natürlich auch der klassische Bruchtest, den man von vielen anderen Kampfkünsten kennt und bei dem die Hapkidoin mehrere Holzbretter mit verschiedenen Techniken zerschlagen müssen. Dies geschieht beispielsweise durch Schläge mit der Faust, der Außen- und der Innenhandkante oder durch Tritte mit verschiedenen Drehungen. Auch hier ist EM-Organisator Schimmel, der den Schwarzgurt mit dem vierten Dan trägt, erfolgreich und wird Europameister.

Deutlicher Unterschied zu anderen Kampfsportarten

Was die richtigen Kämpfe zwischen zwei Gegnern betrifft, unterscheidet sich Hapkido deutlich von den Kampfsportarten, in denen die Athleten versuchen, die Schläge des Gegners zu blocken. Das Hapkido verfolgt, was Angriffe eines Kontrahenten betrifft, ein komplett anderes Konzept, da sich die Sportler der Energie des Angreifers nicht entgegenstellen, sondern die Kraft des Angreifers mit Hilfe von kreisförmigen Bewegungen aufnehmen und wiederum auf diesen umlenken sollen. Da hierfür der richtige Moment eine wichtige Rolle spielt, ist neben der korrekten Beherrschung der Techniken vor allem die Konzentrationsfähigkeit, welche die Hapkidoin auch mit Hilfe des Meditierens im Training schulen, von zentraler Bedeutung.

Den echten Kampf gibt es somit zwar auch beim Hapkido – der Fokus liegt allerdings auf den Selbstverteidigungstechniken. Weil das so ist, stellt das Hapkido auch keinen Kampfsport, sondern eine Kampfkunst dar, in der je nach Stilrichtung über das Sportliche hinaus auch zeremonielle Rituale und philosophisch-meditative Aspekte eine bedeutende Rolle spielen.

Fazit

Die Hapkido-Europameisterschaft ist nicht nur für Fortgeschrittene ein Event mit besonderem Charakter, da Hapkidoin aus ganz Europa ihre Stile und Techniken präsentieren, sondern liefert auch Laien einen ersten Einblick in die Welt der südkoreanischen Kampfkunst, die neben dem Körper auch großen Wert auf das Training des Geists legt.

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