Als Bäckereifachverkäuferin gibt Sarah Bormann süße Stückchen über die Ladentheke, als Profiboxerin verteilt sie harte Schläge. Die noch ungeschlagene Weltmeisterin der TG Hanau steigt am kommenden Samstag gegen die Belgierin Sanae Jah in den Ring. Foto: Oliver Kraus

Hanau

Sarah Bormann: Aus der Backstube in den Box-Ring

Boxen. Nur knapp einen Monat nach ihrer ersten erfolgreichen Titelverteidigung steigt Sarah Bormann (9–0–0), die amtierende Halbfliegengewicht-Weltmeisterin (Gewichtsklasse bis 48,99 Kilogramm) der Boxverbände GBU und WIBF, erneut in den Ring, um ihre beiden Gürtel zu verteidigen.

Von Oliver Kraus

Am kommenden Samstag (ab 21 Uhr Sport1 live) steht die 28-Jährige im Rahmen einer Box-Gala in der Karlsruher Ufgauhalle der Belgierin Sanae Jah (15–3–1) gegenüber.

„Das ist eine sehr erfahrene und starke Gegnerin. Sie hat schon einige Profikämpfe hinter sich gebracht“, erzählt „Babyface“ Bormann im Gespräch, für das sie kurz ihre Arbeit als Fachverkäuferin der Bäckerei Ohl in Gründau-Rothenbergen unterbricht.

Zwischen dem Verkauf zweier Stückchen und einem geschnittenen Laib Brot führt Bormann aus, warum ihre 34-jährige Gegnerin ein echter Gradmesser sein könnte. So war die in Marokko geborene Fighterin bereits Europameisterin und konnte auch schon die Interkonti-Titel der WBA und WBC gewinnen.

Auf dem Papier imposante Fakten, die Bormann keineswegs einschüchtern: „Ich bin sehr gut vorbereitet, habe zwar über die Feiertage eine kleine Pause eingelegt, aber jetzt stehe ich schon wieder seit Längerem voll im Training. Ich freue mich auf den Kampf.“

Dass Bormann das gewohnt selbstbewusst aussprechen kann, verdankt sie auch ihrem Arbeitgeber. Denn anders als ihr Idol Regina Halmich kann die Boxerin der Turngemeinde Hanau nicht von ihrer Leidenschaft leben. Bormann muss sich ihre Brötchen sprichwörtlich verdienen, kann bei der Ausübung ihres Sports aber voll auf Chef und Belegschaft zählen.

„Ich bin durch diesen Job flexibler und kann so mein Trainingspensum einhalten.“ Zwei Mal pro Tag schuftet die Linksauslegerin für ihren Traum. Ein Zeitaufwand, den sie in ihrem an der Ludwig-Geissler-Schule eigentlich erlernten Beruf als Chemische Assistentin nicht aufbringen könnte. „Als Verkäuferin kann ich mir hin und wieder frei nehmen. Meine Kolleginnen akzeptieren das und tauschen auch mal Schichten mit mir. Dafür bin ich sehr dankbar. Außerdem freuen sie sich, dass der Kampf am kommenden Wochenende im TV ausgestrahlt wird, so können sie mich auch mal in Action sehen.“

Der Fight gegen Jah ist Bormanns erster Live-Kampf im deutschen Fernsehen. Nervös ist sie deswegen nicht. Überhaupt wird im Gespräch schnell deutlich, wie fokussiert die viermalige deutsche Meisterin ist, wenn es um ihr Boxing geht.

Bormann lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, weder in der Vorbereitung, noch im Ring. Sie weiß, was sie will und wie sie ihr Ziel erreicht. Dieser Fokus ist neben ihrem harten Punch wohl ihre größte Stärke und der Schlüssel zum bisherigen Erfolg.

Damit auch nach dem zehnten Fight als Profi ihr Arm vom Ringrichter in die Luft gestreckt wird, hat die Nidderauerin ihre kommende Kontrahentin gemeinsam mit ihrem langjährigen Coach Benjamin Romero genau unter die Lupe genommen: „Wir haben Videos gesichtet. Sie boxt eher statisch und passt von der Körpergröße her genau zu meinem Stil.“ In der Tat misst Bormann wie Jah 163 Zentimeter, was ein spannendes Duell auf Augenhöhe verspricht, auch wenn die TGH-Boxerin sieben ihrer bisherigen neun Auftritte als Profi vorzeitig beenden konnte.

„Ich gehe nicht in den Kampf rein und suche den K.o. Der kommt wenn sowieso von alleine. Ich gehe entspannt in den Kampf und schaue dann, wie sich alles entwickelt.“ Wenn es nach ihren Vorstellungen läuft, wird Bormann auch am Samstag triumphieren – und damit ihrem Ziel näher kommen, die Nummer eins der von „boxrec online“ geführten unabhängigen Ranking-Liste zu werden. Derzeit rangiert das ehemalige Mitglied des deutschen Bundeskaders auf Platz 16, könnte mit einem Sieg gegen Jah in die Top-10 vorstoßen.

Highlight der Box-Gala in der Karlsruher Ufgauhalle ist der Kampf von Vincent Feigenbutz gegen Przemyslaw Opalach um den GBU-Titel im Supermittelgewicht. Davor duellieren sich bereits Ahmad Ali und Denis Krieger um den GBU-Titel im Halbmittelgewicht.

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