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Rope-Skipperin Lilith Schultheis auf Rekordjagd

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Ausnahmekönnerin mit Seil: Lilith Schultheis von der Turngemeinde Hanau hält drei deutsche Rekorde. Die 17-jährige Rehbein-Schülerin will in diesem Jahr an der Weltmeisterschaft WM in Norwegen teilnehmen. Foto: David Lindenfeld
Ausnahmekönnerin mit Seil: Lilith Schultheis von der Turngemeinde Hanau hält drei deutsche Rekorde. Die 17-jährige Rehbein-Schülerin will in diesem Jahr an der Weltmeisterschaft WM in Norwegen teilnehmen. Foto: David Lindenfeld

Rope-Skipping. Wenn Lilith Schultheis das Seil schwingt, vergisst sie alles um sich herum, sagt die Rope-Skipperin der TG Hanau. Als 17-Jährige hält sie drei deutsche Rekorde in der Speed-Disziplin der noch jungen Sportart.

Von David Lindenfeld

Bei der Weltmeisterschaft in Norwegen will sie in diesem Jahr wieder angreifen. Auch auf eine Teilnahme bei Olympischen Spielen hofft Schultheis, falls ihre Sportart, die viel vielseitiger ist als man zunächst vermuten könnte, irgendwann olympisch wird.

Freitagabends um 17 Uhr herrscht in der Jahnhalle Hochbetrieb. Es läuft das von der TGH angebotene Training der Rope-Skipping-Abteilung. Mittendrin ist Schultheis, die in der Szene schon deutschlandweit bekannt ist. In der Disziplin Speed, bei der es auf auf eine möglichst hohe Anzahl von Sprüngen in einer vorgegebenen Zeit ankommt, hält die 17-Jährige drei deutsche Rekorde.

202 Sprünge in 30 Sekunden

Bei den deutschen Einzelmeisterschaften 2017 in Berlin brachte sie es in 30 Sekunden auf 101 gezählte Sprünge. 2018 waren es in 120 Sekunden 312 Sprünge und in 180 Sekunden 463 Sprünge, die die Kampfrichter zählten. Alles Rekorde – aber buchstäblich nur die halbe Wahrheit.

„Es wird nur jede zweite Seilumdrehung gezählt, also immer nur dann, wenn wir mit dem rechten Fuß auf den Boden kommen, damit die Kampfrichter mitkommen“, verrät Schultheis, die es also in 30 Sekunden auf 202 Sprünge bringt, was rechnerisch mehr als sechs Seilumdrehungen pro Sekunde ergibt. „Es kommt auch manchmal vor, dass sich die Kampfrichter um zwei oder drei Sprünge verzählen“, weiß Schultheis, die im Kopf selbst stets die Sprünge mitzählt.

WM als Initialzündung

Mit dem Sport begann sie, als sie fünf Jahre alt war. „Ich bin damals einfach mal hingegangen. Am Anfang bekommt jeder erstmal ein Seil und soll in seinem eigenen Tempo springen“, erklärt Schultheis, die zuvor bei der TGH geturnt hatte und mit der Zeit immer schneller und schneller wurde.

Als Initialzündung für ihre guten Leistungen beschreibt die Schülerin der Karl-Rehbein-Schule ein Erlebnis im Jahr 2012: Ein Großteil ihrer Vereinskolleginnen qualifizierte sich für die WM in Florida in den USA. Sie selbst befand sich jedoch erst im elften Lebensjahr und war damit noch zu jung. „Die anderen haben dort so viel Erfahrung gesammelt, das hat mir viel Ehrgeiz gegeben, mich immer weiter zu verbessern“, sagt Schultheis.

Auch Teamwettbewerbe

2013 nahm die ambitionierte Sportlerin bei der Europameisterschaft erstmals an einem internationalen Wettkampf teil. 2015 wurde sie Jugendeuropameisterin in der Disziplin „30 Sekunden Speed“. Rope-Skipping ist allerdings nicht nur monotones Seilspringen, bei dem es darum geht, eine möglichst hohe Anzahl von Sprüngen in einer vorgegebenen Zeit zu erreichen. Die Sportart, die seit 2000 in Deutschland immer populärer wird, ist um einiges vielseitiger.

Gemeinsam mit ihren Vereinskolleginnen nimmt Schultheis auch an Teamwettbewerben teil, in denen es neben den Speed-Disziplinen im Einzel oder dem sogenannten „Double Dutch“ mit zwei Springern auch Freestyle-Disziplinen gibt, für die die Teams im Vorfeld Choreografien einstudieren. Dabei achten die Kampfrichter auf Kreativität, Bühnenaufteilung, Auswahl der Musik sowie Schwierigkeitsgrad und Synchronität der ausgeführten Tricks. Ein Team besteht aus mindestens vier Springerinnen. Für jede Disziplin werden unterschiedliche, eigens für die jeweilige Art des Springens modifizierte Seile benutzt.

Die Pläne für die Zukunft

„Rope-Skipping wird nie langweilig, weil man jeden Tag so viel dazulernen kann. Es gibt so viele verschiedene Disziplinen und verschiedene Tricks“, sagt Schultheis, die mit ihrem Team kürzlich bei der Hessenmeisterschaft den Titel holte.

Für die Zukunft hat sich die 17-Jährige viel vorgenommen: Die vergangene Weltmeisterschaft in Shanghai hatte sie aufgrund eines Auslandsjahrs in den USA verpasst. Bei der diesjährigen WM in Norwegen möchte sie im Juli gegen die starke Konkurrenz aus Belgien, Schweden und China ein gutes Ergebnis erzielen.

Und ihre deutschen Rekorde würde sie natürlich gern noch einmal verbessern. „Ich hoffe, dass ich das schaffe, aber es kann natürlich immer etwas passieren.“

Junge Sportart

Ihre aufgestellten Bestmarken hat sie übrigens auch im Training bisher noch nie überboten. „Ich bin ein Wettkampftyp. Das Adrenalin hat einen positiven Effekt für mich“, sagt Schultheis, die hofft, eines Tages eventuell auch noch einmal bei Olympischen Spielen dabei sein zu dürfen. Bis dahin ist es wohl aber noch ein weiter Weg. Die Wettkampf- und Wertungssysteme sind vielerorts noch unterschiedlich. Erst im kommenden Jahr legen sich die beiden Weltverbände im Rope-Skipping zusammen.

„Rope-Skipping ist noch eine sehr junge Sportart, aber wir hoffen natürlich, dass sie irgendwann olympisch wird“, sagt Schultheis. Sollte dies in den kommenden Jahren der Fall sein, wovon aufgrund der vielen zu nehmenden Hürden nicht unbedingt auszugehen ist, und Schultheis dann immer noch die drei deutschen Rekorde halten, dürften die Chancen wohl nicht allzu schlecht stehen, dass ihr Traum wahr wird.

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