Online-Kurs: Nathalie Wiedmann-Heinz vom 1. Hanauer REC bei ihrem Rollkunstlauf-Training.
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Online-Kurs: Nathalie Wiedmann-Heinz vom 1. Hanauer REC bei ihrem Rollkunstlauf-Training.

1. Hanauer REC geht neue Wege

Rollkunstlauf-Kurse aus dem Schlafzimmer

  • Thorsten Jung
    vonThorsten Jung
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Auch klassische Breitensportvereine treiben die Digitalisierung voran. So bietet Nathalie Wiedmann-Heinz online Rollkunstlauf-Training an. Die Trainerin des 1. Hanauer REC ist für ihre Athleten nun auch am PC da.

Hanau – Nathalie Wiedmann-Heinz steht in ihrem Schlafzimmer und macht die Übungen vor, knapp 100 Rollkunstläuferinnen und Rollkunstläufer schauen genau hin und machen sie nach. Die zweifache Weltmeisterin (2003 und 2004) bietet im Corona-Lockdown Online-Workshops an. Zudem steht sie für ihre Sportler des 1. Hanauer REC (HREC) mehrere Stunden in der Woche in ihrem Schlafzimmer, um von dort aus Online-Trainingseinheiten anzubieten.

Im ersten Lockdown hatte Nathalie Wiedmann-Heinz Videos und Trainingspläne über WhatsApp verschickt. Inzwischen ist die 39-Jährige eine Digital-Expertin für Rollkunstlauf-Training. „Ich bin schon viel sicherer damit geworden“, verrät sie. „Zu Hause habe ich mir das Schlafzimmer eingerichtet, da turne ich jetzt“, erzählt sie.

Über 90 Teilnehmer bei Online-Workshop

Die kostenlosen Online-Workshops anzubieten, sei eine Blitzidee gewesen. Und die hat scheinbar den Nerv der deutschen Rollkunstlauf-Talente getroffen. Über 90 Teilnehmer nahmen direkt am ersten Workshop teil. „Dass so ein Interesse besteht, habe ich nicht gedacht“, gibt sie zu.

Rollkunstlaufen ist eine der wenigen Sportarten, die in Hessen auch während des Corona-Lockdowns möglich ist. Allerdings kann ein Trainer nur mit einem Sportler üben. „Dadurch zieht sich ein Trainingstag für uns deutlich länger, denn wir wollen möglichst vielen Kindern ihr Training ermöglichen“, sagt Nathalie Wiedmann-Heinz. Beim HREC sei man „aber dankbar, dass wir überhaupt was machen dürfen“.

Nathalie Wiedmann-Heinz hat zu kämpfen

Und so kommt es schon mal vor, dass die Hanauerin acht Stunden und länger Training gibt. „Das ist echt anstrengend.“ Die Ehrenamtlichen aller Vereine haben gerade große Herausforderungen zu stemmen. „Man möchte allen Regeln entsprechen. Das ist schon eine Menge Verantwortung“, berichtet Nathalie Wiedmann-Heinz.

Ihr und ihrer Mutter Renate gehe langsam die Luft aus. Aber aufgeben ist nicht und daher richtet sie einen Appell an die Ehrenamtlichen aller Sportarten: „Alle Trainern, die in irgendeiner Form etwas anbieten, bitte ich durchzuhalten. Und dann geht es Ende März/Anfang April wieder voran.“

Zwei Hanauer Trainer geben Online-Training

Von den vier HREC-Trainern bieten zwei Online-Kurse an. Markus Bauer, der seit einem knappen Jahr im Verein ist, macht einen Kurs am Wochenende. Die 73 Jahre alte Renate Heinz, die auch als Bundestrainerin tätig ist, und Beatrice Wachter trainieren ausschließlich die Sportler in der Halle in der Brucknerstraße. „Meine Mutter ist einfach raus, was Online-Training betrifft und für Beatrice ist das auch nichts. Sie braucht den direkten Bezug zum Sportler“, erklärt Nathalie Wiedmann-Heinz.

Die HREC-Athleten bekommen unter anderem Sprungtraining, Yoga, Oberkörper- und Konditionstraining, Gymnastik und Pflichttrockentraining angeboten. Auch die Showgruppen üben online. „Damit sie den Tanz nicht vergessen und das Teamgefühl erhalten bleibt.“ Die Mutter eines Kindes bietet zudem Tanzgymnastik an.

Kür ist online einfacher als Pflicht

Doch nicht jede Rollkunstlauf-Disziplin ist online einfach umsetzbar. „Bei der Kür brauchst du Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit. Das ist relativ einfach online zu trainieren“, erzählt Nathalie Wiedmann-Heinz. Nun hat sich die Kadertrainerin des Hessischen Rollsport und Inline Verbandes auch an die Pflicht gewagt, die sie als sehr statisch und kopflastig beschreibt. „Ich wiederhole die Bewegungsabläufe mit den Sportlern, bringe sie in Erinnerung. Wir führen die feinen Bewegungsabläufe durch.“

Vor der Kamera zeigt sie die Übungen und erklärt, worauf zu achten ist. „Ich hoffe, dass das den Automatismus ein bisschen zurückholt und es ihnen, sobald sie wieder auf die Rollen gehen, etwas leichter fällt.“ Wenn sie mit ihrer Hanauer Trainingsgruppe online trainiert, kann die 39-Jährige auf Fehlstellungen hinweisen. Bei ihrem Workshop, an dem knapp 100 Leute teilnehmen, könne sie keine Korrekturen vornehmen.

Das regelmäßige Training auf dem HREC-Gelände kann die Online-Einheiten aber nicht ersetzen. „Das, was die Kinder in einer Woche auf Rollen trainieren, haben sie früher an einem Tag gemacht“, weiß die HREC-Trainerin. Es sei schwer, die Sportler über einen so langen Zeitraum des Lockdowns bei Laune zu halten. „So langsam geht mir etwas die Luft aus.“

HREC würde gerne im Mai ein Turnier ausrichten

Und so richtet sie den Blick nach vorne. Gerne würde der HREC im Mai einen Pflicht-Cup ausrichten. „Für Pflicht-Wettbewerbe braucht man weniger Wertungsrichter und Personal als bei der Kür“, hofft Nathalie Wiedmann-Heinz, dass eine solche Veranstaltung dann möglich sein wird. „Wir wollen es für die Sportler machen, aber man darf das Risiko auch nicht außen vor lassen.“

Die deutsche Showmeisterschaft Ende April hat sie bereits abgehakt. „Da müsste jetzt schon Mannschaftssport erlaubt sein, um dafür zu trainieren.“ Für Juli sind die Landesmeisterschaften geplant.

Doch vorerst sehen viele Tage von Nathalie Wiedmann-Heinz so aus: tagsüber Training in der Halle, abends von zu Hause aus. „Beatrice und Markus können beruflich bedingt nur abends in der Halle sein. Da gehe ich dann früher“, berichtet sie. Doch der Trainingstag ist nicht vorbei, denn dann geht es ins Schlafzimmer. „Da habe ich gut Platz. Matte, Gewicht, alles ist vorbereitet.“ 45 bis 60 Minuten dauert ein Online-Kurs. „Man steht vor dem Bildschirm und macht die ganze Zeit den Kasper“, sagt Nathalie Wiedmann-Heinz mit einem Lachen.

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