Trainieren mit den Allerkleinsten: Marilena Krauß schaut sich von den Kleinsten des 1. Hanauer REC vieles ab und fühlt sich in der Gruppe direkt aufgenommen. Foto: Mike Bender

Rollkunstlauf

Rollkunstlauf: Häschen des 1. Hanauer REC helfen Marilena Krauß

Rollkunstlaufen. Freudestrahlend trudeln die Mädels und Jungs auf der Rollsportanlage des 1. Hanauer Roll- und Eissport-Clubs ein, während ich, ein wenig aufgeregt vor meinem ersten Rollkunstlauftraining, das fröhliche Treiben beobachte.

Von Marilena Krauß

Ein gut gelauntes „oh yes“ klingt durch den Eingangsbereich der Halle, als eines der Häschen, so werden die Anfänger im Verein genannt, ihre Freundinnen erspäht und zielstrebig auf sie zusteuert.

Nachdem sie die Rollschuhe ordentlich gebunden und mit bunten Schonern überzogen haben, drehen sie bereits ein paar Runden, während sich die Halle allmählich füllt.

Eltern, Großeltern und Geschwister bringen ihre Kleinen in die Rollsporthalle, welche seit der Erbauung 1975 aus dem Trainingsbetrieb nicht mehr wegzudenken ist.

Pünktlich um 15 Uhr ruft Trainerin Renate Heinz zur Begrüßung in der Mitte der Halle auf. Bereits seit fast 50 Jahren im Amt genießt sie den vollen Respekt und Legendenstatus ähnliche Aufmerksamkeit der Kleinsten – so gebe auch ich mich der freundlichen Vermittlung ihrer Expertise voll und ganz hin. Mit ebendieser brachte sie als Trainerin einst ihre Tochter Nathalie Wiedmann-Heinz mit ihren Rollschuhen auf die Erfolgsbahn.

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Mehrere deutsche- und Weltmeisterschaftstitel bestätigen die erfolgreiche Zusammenarbeit. Ebenso harmonisch treten die beiden heute als Trainergespann auf – nicht nur im 1. HREC, sondern auch im Hessischen und Deutschen Verband. Unterstützt werden sie im Vereinstraining von jugendlichen Athletinnen, die gerne einen Teil ihrer Freizeit opfern, um die Kleinsten des Vereins in den Anfängen ihrer Entwicklung zu begleiten.

In methodisch logischer Reihenfolge starten wir mit dem Training einzelner Figuren, die später in einer Kür ihren Platz finden sollen. Vorwärts, rückwärts, beidbeinig, einbeinig, geradeaus, im Slalom, ein kleiner Sprung.

Für mich als Ballsportlerin reicht diese Anforderung vorerst aus. Anhand der Anzahl an Überholungsmanövern, bei denen ich das Hindernis darstelle, machen mir die kleinen Profis allerdings schnell deutlich, dass wir zeitnah in das nächste Schwierigkeitslevel übergehen.

Freude an der Herausforderung

Mit Freude an der Herausforderung lasse ich mir die Lieblingsfiguren verschiedener Kinder vorführen. „Schwalbe“, „Häschen“ und „Flieger“ fordern mich alle, aber wirklich gefesselt bin ich von der „Kanone“. Dabei wird in gehockter Position ein Bein nach vorne gestreckt, ohne dass dieses den Boden berührt – eine aufrechte Oberkörperhaltung ist zu beachten.

In dem Moment, in dem mich das Gefühl von Sicherheit segnet und ich die Kanonenposition genieße, tritt die kleine Lene in meine Wahrnehmung. Ein freundliches und zartes „Hey, streck deine Arme zur Seite aus – das sieht schöner aus. Guck, mach es so wie ich…“ zaubert mir ein ehrgeiziges Grinsen ins Gesicht und fordert mich zur Korrektur auf. Und so verbessern wir uns, jeder für sich und trotzdem gemeinsam unter der herzlichen Anleitung von Renate und Nathalie.

Besonders positiv fällt mir die Leitung der Gruppe auf, bei der die individuelle Betreuung zu keinem Zeitpunkt zu kurz kommt. Auch die Allerkleinsten und neuen Kinder (alias Marilena) finden schnell Zugang zum Gruppengefüge und werden gefordert, aber nicht überfordert.

Auch private Trainingsstunden möglich

Mit der Möglichkeit neben dem Mannschaftstraining auch an privaten Trainingsstunden in einer Eins-zu-eins-Betreuung oder Kleingruppengröße teilzunehmen, findet hier jedes Kind ein sportliches Zuhause – unabhängig, wo es sich auf dem Kontinuum zwischen Freizeit- und Leistungssport befindet.

Aus sportwissenschaftlicher Sicht lässt sich der Rollkunstlauf in das Bewegungsfeld Rollen und Gleiten einordnen. Eine Besonderheit bringt der Umgang mit Spannung und Wagnis mit sich. Die Kinder lernen sich selbst und ihren Körper kennen und einzuschätzen.

Dabei spielen die konditionellen Fähigkeiten, Beweglichkeit und Kraft, im Sinne der Stabilisierung von Positionen eine wichtige Rolle. Durch die flüssige Verknüpfung verschiedener Elemente gelingt auf geübtem Niveau eine Eleganz, die insbesondere im Einklang mit Musik Eindruck hinterlässt.

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