Profi-Karriere als Triathletin beendet: Tine Holst hat einen Schlussstrich unter das Profitum gezogen und konzentriert sich auf ihre eigene Firma – und hat mehr Zeit, um an ihrem Lieblingsplatz zu sitzen. Foto: Julia Meiss

Leichtathletik

Profikarriere beendet: Das macht Triathletin Tine Holst jetzt

Triathlon. Bei allem, was Tine Holst anpackt, wird sie von einer tiefen inneren Überzeugung angetrieben. So ist es auch zu erklären, dass sie als Spätzünderin zum Triathlon kam, erst mit 32 Jahren zum Profi reifte und sogar zum Champion – zur Eisenfrau – wurde.

Von Julia Meiss

Der Gewinn des Ironman Lanzarote, einem der härtesten Wettbewerbe, ist der Höhepunkt einer sportlichen Profi-Karriere, die nun beendet ist. Die 38-jährige Kilianstädterin hat einen Schlussstrich gezogen. Klar, dass die dänische Powerfrau jetzt nicht zu Hause sitzt und Däumchen dreht: Seit Juni 2018 betreibt Tine Holst ihre eigene Firma und hat ein neues Tätigkeitsfeld gefunden, das sie mit Herzblut betreibt. „Mein Herz geht jetzt in die Richtung, dass ich anderen helfen will“, bereut die Dänin diesen Schritt nicht.

„Ich bin dankbar für den Sport. Ich konnte davon leben, habe die Welt gesehen und viele Menschen kennengelernt. Ich bin zufrieden und bin jetzt an dem Punkt angekommen, anderen zu helfen. Ich brenne jetzt für mein Business“, sagt Tine Holst selbstbewusst.

Ihr Herz zieht sie woanders hin

Bei Rennen im April, Mai und Juni 2018, bei denen Tine Holst beispielsweise Hessenmeisterin im Straßenradfahren wurde, war die Schöneckerin nicht mehr mit Herzblut bei der Sache. „Ich habe gemerkt, dass ich eine Pause vom Profi-Sport brauchte“, lautete die nüchterne Analyse der drahtigen Sportlerin. Parallel, im Juni 2018, gründete die 38-Jährige ihre eigene Firma, THCoaching, und arbeitete fortan zweigleisig.

Bis zum Jahresende trainierte Tine Holst in vollem Umfang weiter, startete aber nicht mehr bei Wettbewerben. Das bedeutete nicht sofort das Karriereende, sondern war erst mal eine Auszeit. Diese nutzte sie, um intensiv darüber nachzudenken, wo ihr weiterer Weg hinführen soll. Und die Antwort kam aus ihrem Herzen: „Mein Herz sagt, meine Reise geht in einem anderen Kapitel weiter.“ Während die Belastung von Profi-Sportlerin und Geschäftsfrau zunehmend größer wurde, schlug ihr Herz immer mehr für das Geschäft. Beides parallel zu betreiben, kam für die Dänin nicht in Frage.

Mehrere potentielle Standbeine

Für die Ironman-Siegerin von Lanzarote aus 2016 war im Herbst schließlich der Punkt gekommen, sich hauptsächlich auf die Firma zu konzentrieren. Hinzu kam, dass Tine Holst mehr Zeit für Familie und Freunde haben wollte – und, um an ihrem Lieblingsplatz am Kamin in ihrem Wohnzimmer zu sitzen. Immerhin kam die Profi-Triathletin auf 25 bis 35 Stunden Training pro Woche und war etwa 20 Wochen pro Jahr in der Welt unterwegs. Sieben Jahre hat sie ihr Leben nach dem Profitum ausgerichtet und dem viel untergeordnet. Nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der aber nicht aus dem Nichts kommt.

Tine Holst ist gelernte Physiotherapeutin, Turntrainerin und seit sie 21 Jahre alt ist auch Skilehrerin. Außerdem hat sie bereits während ihres Profitums Vorträge etwa zum Thema Motivation gehalten und früh dieses zweite Standbein aufgebaut. Und genau auf diesem Fundus hat Tine Holst ihre Firma gegründet. Sie gibt nun Personaltraining und Kurse im Fitnessstudio von Markus Neumann in Niederdorfelden, hält Vorträge zum Thema Motivation in Firmen und erstellt Trainingspläne, wobei sie stets aus ihren eigenen zahlreichen Erfahrungen schöpft.

„Ich wollte die bestmögliche Athletin werden.“

Auf ihre Karriere blickt sie voller Stolz zurück. „Als ich angefangen habe, konnte ich weder professionell schwimmen noch Radfahren“, sagt sie mit erfrischender Offenheit. Sportlich war die Dänin schon immer, aber erst 2007 entdeckte sie den Triathlon für sich, war davor im Marathon und Halbmarathon zu Hause. In einem Sporthotel auf Lanzarote, dem Ort ihres späteren größten Triumphs, lernte sie den Sport lieben.

Und dann gab es nur noch eine Devise: „Ich wollte die bestmögliche Athletin werden.“ Dank ihres eisernen Willens und ihrer Zielstrebigkeit wurde sie das auch. 2008 absolvierte die in Nästwed/Dänemark geborene Tine Holst ihren ersten Ironman in Zürich, 2012 wurde sie Profi. Wenn Tine Holst von ihrer Karriere spricht, leuchten ihre Augen. So auch wenn sie von ihrem erfolgreichen Jahr 2015 spricht.

Zufriedenheit mit der Karriere

Eigentlich war sie in voller Vorbereitung für den Ironman in Wales. Zwei Wochen vor dem Start entschied sie aber intuitiv, ohne große Vorbereitung beim Ironman im französischen Vichy zu starten. Dass sie auf ihr Bauchgefühl gehört hat, sollte sich schließlich auszahlen: Tine Holst überquerte als Zweite die Ziellinie, was ihr größter Erfolg bis dahin war. Zwei Wochen später stand sie auch in Wales an der Startlinie und bewältigte zwei Ironman in zwei Wochen – um danach in die Wettkampfpause zu gehen.

Während Tine Holst vom Ironman auf Hawaii erzählt, bei dem sie an diesem Tag mit dem 21. Platz vollauf zufrieden war, oder vom Ironman Frankfurt, bei dem sie sich weder von einem Platten noch vom Hitzeschlag hat in die Knie zwingen lassen und dank purer Willenskraft die Ziellinie als Achte überquerte, strahlt die 38-Jährige pure Zufriedenheit aus. Sie ist zufrieden mit ihrer Karriere und auch mit dem Schritt, diese zu beenden.

Keine Verletzungen

Natürlich darf auch der Gewinn von Lanzarote nicht fehlen, der das absolute Highlight ihrer Karriere war. Unvergessen ist ihre Aufholjagd, denn sie stieg mit 16 Minuten Rückstand auf das Rad. Als ihren größten Erfolg bezeichnet sie aber die Tatsache, dass „ich nie verletzt war.“ Tine Holst war durchaus verletzt, wurde beispielsweise beim Radfahren von einem Auto angefahren. Das ist für sie aber keine sportspezifische Verletzung, schließlich könne das jedem Fahrradfahrer passieren.

Auch diesen klaren Blick nimmt Tine Holst in ihren neuen Job mit, der in so vielfältiger Weise mit ihrem Profitum verwoben ist. Tine Holst möchte anderen helfen, deren Ziele zu erreichen und ein sportliches und gesundes Leben zu führen.tineholst.com

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