Die Show beginnt: Die ausverkaufte Halle im Gelnhäuser Stadtteil Meerholz schaut gespannt, wie sich die Darts-Legenden auf der Showbühne anstellen. Der Präzisionssport legt das Kneipenimage rasant ab und wandelt sich zu einem großen Event. Foto: Swierzy

Gelnhausen

Präzisionssport statt Kneipenspaß: Darts weiter auf dem Vormarsch

Darts. Die Eventhalle ist voll, die Schlange vor dem Eingang immer noch lang und schon allein die Beleuchtung verspricht eine große Show. Darts begeistert immer mehr Fans und entwickelt sich zum Massenphänomen. Vor allem, wenn der ungekrönte König Phil Taylor zu Gast ist, so wie im Gelnhäuser Stadtteil Meerholz.

Von Philipp Swierzy

Darts scheint für immer mehr Menschen die perfekte Entertainment-Verbindung aus Show, Party und Sport zu sein. Der seit 2013 existierende Darts-Club Haitz und Herbert Müller, Besitzer eines Hanauer Darts-Zubehör-Geschäfts, haben diese einzigartige Show nun in die Region gebracht.

Für einen Showkampf kam dafür der erfolgreichste Darts-Spieler aller Zeiten, Phil „The Power“ Taylor. Die Ankündigung, dass sich die Legende die Ehre gibt, sorgte schon früh für ausverkauftes Haus. Die Sport- und Kulturhalle in Meerholz verwandelte sich für den Mann aus dem englischen Stoke-on-Trent und die rund 900 Fans in ein Meer aus bunten Farben. Die Fans wollten den Besten sehen – und erlebten eine einmalige Show.

Große ShowDarts ist ein Präzisionssport und Geschicklichkeitsspiel. Ziel ist es, mit Pfeilen auf eine Scheibe zu werfen und schneller als der Gegner zu punkten. Dafür sollten die richtigen Wertebereiche der Dartscheibe getroffen werden. 180 Punkte können in einer Runde, bestehend aus drei Würfen, maximal erreicht werden. Fast jeder kennt den Sport aus der Kneipe. Doch mittlerweile zieht er die Zuschauer nicht nur an die Bar nebenan, sondern vor die TV-Bildschirme und vor allem in die Veranstaltungshallen. Es ist eine große Show.

Die so genannten „Master of Ceremony“, die Moderatoren des Geschehens, heizen den Zuschauern vor Beginn des eigentlichen Wettkampfs mit lauter Musik und lustigen Ansagen ein. Ein bisschen getanzt und mitgesungen wird auch. In Gelnhausen laufen natürlich viele deutsche Partysongs, die der „Master of Ceremony“ John Fowler aus England allesamt mitsingen kann. Dann kommt der Moment, auf den die Fans gewartet haben. Die Idole marschieren ein. Zu den Einlaufsongs springen die Zuschauer von ihren Sitzen und begrüßen die Stars der Szene.

Lokale Spieler fordern Stars herausDer erste an diesem Abend ist Terry „The Bull“ Jenkins. Der Engländer liegt in der Weltrangliste, der „PDC Order of Merit“, auf Rang 33 und ist aufgrund seiner lockeren Art beliebt bei vielen Fans. Phil Taylor ist inzwischen auch „nur“ noch auf Platz sieben – aber er ist eine Legende. So schnell wird ihm keiner den Platz als erfolgreichster Darts-Spieler streitig machen können. 16 WM-Titel hat er in den vergangenen drei Jahrzehnten eingefahren. Unangefochtener Rekord!

Und er kann auch Show. Einigen der Kontrahenten aus Deutschland, gegen die er vor der Partie gegen Landsmann Jenkins antritt, klaut er die Mütze oder richtet deren Frisur. Ein bisschen Unterhaltung gehört schließlich dazu. Und John Fowler, der auch als „Darts Caller“, also als Punkteansager fungiert, kann schließlich nicht allein für Stimmung sorgen. Gut, dass sich Jenkins ebenfalls als Witzbold gibt und kurze Tänzchen aufführt, sobald er ein paar gute Würfe gelandet hat. Seine Gegner nehmen es mit Humor und genießen sichtlich, sich mit den Besten messen zu dürfen. Die meisten Gegner werden von den beiden Altstars beherrscht.

Jubelstürme nach Kurz-SiegDie deutsche Nachwuchs-Hoffnung Nico Kurz allerdings schlägt Taylor in seinem Duell und sorgte damit für Jubelausbrüche unter den Fans. Kurz ist einer von vielen jungen Athleten, die sich für den Sport begeistern und von der Erfolgswelle der Branche profitieren möchten. Der Darmstädter gehört zur jungen Generation der Darts-Spieler, die den Durchbruch schaffen können. Das gestiegene Interesse sorgt dafür, dass die jungen Spieler von einem Leben vom Präzisionssport träumen können, zumindest für ein paar Jahre.

Darts ist vielleicht kein typischer Sport. Die Athleten sehen nicht besonders durchtrainiert aus. Man gewinnt schnell den Eindruck, dass Darts-Spieler eher gemütliche Zeitgenossen sind. Und viele trinken gerne Bier, so zumindest das Vorurteil. Auf der Showbühne in Gelnhausen stehen jedenfalls Biergläser bereit. Zumeist nippt jedoch eher John Fowler, der „Master of Ceremony“, am Kaltgetränk. Einige Zuschauer tun es ihm gleich. Phil Taylor ist jedoch Voll-Profi. Eine hohe Konzentration zu halten, wäre mit Alkohol wohl auch schwer möglich.

Boom hält anOlympisch ist die Sportart noch nicht, aber vielleicht ändert sich das in den kommenden Jahren. Der aktuell Weltranglistenerste Michael van Gerwen aus den Niederlanden ist jedenfalls ein Befürworter dessen. Auch Phil Taylor hat sich vor einigen Jahren bereits dafür ausgesprochen. Da der Boom anhält und die TV-Zeiten des Sports weiter steigen, liegen bereits Argumente für eine Aufnahme in den elitären Kreis olympischer Sportarten auf dem Tisch. Und wenn der Abend in Gelnhausen eines gezeigt hat, dann dass Darts große Hallen füllen und für lautstarke Begeisterung unter einer weiter wachsenden Fangemeinde sorgen kann.

Fazit: Durch den anhaltenden Boom im TV und den Zustrom in vielen Vereinen, erfährt der Präzisionssport Darts seit Jahren einen Aufschwung. Er schafft es dank Legenden wie Phil Taylor, die sich für Showkämpfe weltweit zur Verfügung stellen, auch bisher unerreichte Personengruppen anzusprechen. Darts emanzipiert sich zusehends vom Kneipenimage.

Und Darts liefert eine einzigartige Show. Die Show in Gelnhausen hat jedenfalls eindrucksvoll gezeigt, dass Sport und Party mühelos zusammengehen. Und wer nicht feiern wollte, der hatte zumindest die Gelegenheit, ein Foto von sich und dem präzisesten Pfeilwerfer der letzten drei Jahrzehnte schießen zu lassen.

DARTS-SHOWKAMPF MIT DEM 16-FACHEN WELTMEISTER PHIL TAYLORAustragungsort: Sport- und Kulturhalle Meerholz, GelnhausenEintritt: 25 EuroParkmöglichkeiten: Parkplätze rund um die Halle und in den anliegenden Seitenstraßen vorhandenBehindertengerecht: Barrierefreier Zugang sowie Rollstuhl-Plätze verfügbarEssen: Rindswurst und Leberkäse im Brötchen (je 2 Euro)Getränke: Wasser, Cola und Fanta (je 1 Euro), (alkoholfreies) Bier, Radler, Apfelwein und Kaffeeschnaps (je 2 Euro), Jacky- und Bacardi-Cola (je 2 Euro)Homepage: www.philthepower.com

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