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Philipp Dorn: Von Geburt an Mitglied der TG Hanau

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Sport allgemein – Wenn ein Kind auf die Welt kommt, steht gemeinhin alles still, wird der Kopf leer. Die Gedanken kreisen um Presswehen, PDA oder andere medizinische Dinge beziehungsweise Sorgen und Hoffnungen für den Neuankömmling.

Von Oliver Kraus

Manchmal gibt es aber Menschen wie Willi Dorn, die bereits auf der Fahrt zum Kreißsaal den Vereins-Anmeldeschein für das Neugeborene dabeihaben, um nach der Entbindung diesen ausgefüllt auf der Geschäftsstelle einzuwerfen. Und nicht auf der eines Fußball-Bundesligisten, sondern auf der der Turngemeinde Hanau.

„Ich glaube, ich bin das jüngste TGH-Neumitglied, das je angemeldet wurde“, schmunzelt dessen Sohn Philipp, der in den Folgejahren dann den klassischen Vereinslebensweg über Babyschwimmen, Kinderturnen und Schwimmen gegangen ist, ehe der talentierte Brustschwimmer durch seine Freunde mit knapp zehn Jahren zum Handball gekommen ist.

Willi Dorn war vor über 50 Jahren Opfer des Tümpelgarten-Unglücks

Die Zahl Zehn scheint schon fast etwas Mystisches für die Familie Dorn zu haben, denn auch sein Vater Willi fand im selben Alter seine Passion, anders als Philipp allerdings mehr oder weniger gezwungenermaßen.Nachdem der Rentner zunächst lange Zeit im Kinderturnen seines Herzensvereins aktiv gewesen war, musste Dorn aufgrund eines Schulunfalls schlagartig umschwenken.

Dorn war vor über 50 Jahren Opfer des Tümpelgarten-Unglücks, einem der schwersten Vorfälle, der sich je an einer deutschen Schule ereignet hat. Am 11. November 1964 präsentierte sein damaliger Mitschüler Rudolf Pospiech stolz einen Metallzylinder, den er am Straßenrand gefunden hatte.

Er hatte Glück im Unglück

„Wir haben damit Fußball gespielt, da ist aber noch nichts passiert“, erinnert sich der 64-Jährige. Erst in der zweiten Pause kam es zum folgenschweren Desaster. Die Detonation der Granate aus dem damaligen Fundus der US-Streitkräfte verwundete 55 Kinder, das am schwersten verletzte verlor einen Arm und ein Auge. Dorn hingegen hat Glück im Unglück, ihn trafen lediglich einige Splitter in der Wade.

Die allerdings so schwer, dass sie nicht entfernt werden konnten. Seit fünfeinhalb Jahrzehnten sind die winzigen Metallteile stille Begleiter – aber auch der Grund, warum Dorn damals zum Schwimmen gekommen ist. Aufgrund seiner Verletzung am Unterschenkel wurde dem damaligen Grundschüler nahegelegt, sich mit Schwimmen fit zu halten, weil so die Belastung des Beins am geringsten sei. Seither ist der ehemalige Pilot seinem Sport treu geblieben, als Betreuer und Trainer bis hin zur Übernahme von Vorstandsaufgaben in der TGH.

Jutta Dorn engagiert sich seit Jahren in der Handballabteilung der TGH

Ehrenämter füllt auch seine Gattin Jutta aus – mit Begeisterung, auch wenn sie nicht annähernd so dauerhaft Mitglied der TGH war. „Das ist der Tatsache geschuldet, dass ich in Gießen studiert habe. Als wir uns vor 28 Jahren dann kennengelernt haben, bin ich wieder eingetreten.“

Ihr mehrjähriges, intensives Engagement als Abteilungsleiterin für den Handballsport ist besonders, da sie selbst nie den Mannschaftssport betrieben hat. Ihr Faible waren schon immer Skigymnastik oder Gymnastik oder Tennis.

„Ich bin durch meinen Sohn in das Ehrenamt mehr oder weniger hineingerutscht. Es war früher so, dass vornehmlich die Mütter die Kinder zum Training und zu den Spielen gefahren haben. Das habe ich viel gemacht und bin so mehr und mehr in die Verantwortung genommen worden.“

Aus ein bisschen Hilfe wurde in den vergangenen Jahren mehr und mehr, aus der stellvertretenden Jugendwartin erst die Jugendwartin, später die Abteilungsleiterin, eine Rolle, die Dorn immer noch erfüllt, auch wenn bei aller Begeisterung mittlerweile auch ein wenig Frust mitschwingt: „Es findet sich leider niemand Neues mehr. Es fehlt uns im Vorstand die Jugend, die sich im Vorstand über einen längeren Zeitraum einbringt.“

Sohn Philipp ist ebenfalls im Verein aktiv

Während diese Aussage wohl in den meisten Vereinen allgemeingültig ist, versucht jedes Dorn-Familienmitglied zumindest für seine TGH etwas entgegenzusetzen. So ist auch der 25-jährige Spross Philipp in seiner Freizeit für den Verein als Jugendwart im Hauptvorstand sowie in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Vorstand der Handballabteilung tätig.

Allerdings ist der zeitliche Input des Ingenieurs für Medientechnik endlich: „Das war während des Studiums kein Ding. Aber es sind vor allem die unregelmäßigen Events, die einen punktuell stark einbinden, die nicht mehr wirklich mit dem Berufsleben vereinbar sind. So wie bei mir jetzt, das muss sich jetzt erst mal einspielen, bevor ich wieder mehr Aufgaben übernehmen kann.“

Vereine haben es schwer, junge Mitglieder und Nachwuchs für das Ehrenamt zu finden

Überhaupt spiele der Faktor Zeit eine große Rolle, warum Abteilungen beziehungsweise ganze Vereine Schwierigkeiten hätten, junge Mitglieder und damit auch Nachwuchs für das Ehrenamt zu finden.

So leidet der Sport immer als Erstes unter der Schule die verständlicherweise vorgehe. „Allerdings“, wirft Jutta Dorn, die mit ihrem Cateringservice oft für das leibliche Wohl der Vereinsaktivitäten zuständig ist, ein, „haben wir unser Kind früher auch immer noch zum Sport gebracht. Es war uns wichtig, dass er sich beim Sport austobt.“ Das sei letzten Endes eine Einstellungssache. Eine, die mit dazu beitragen kann, dass aus jungen Sportlern irgendwann Übungsleiter werden. Aus Trainern irgendwann Ehrenamtler, die dann wieder neue Kinder begeistern könnten.

Allerdings müssten die auch wissen, „dass man außer einem ideellen Gegenwert wie Lob oder Anerkennung nichts bekommt. Die Motivation ist es, jemand anderem etwas Gutes zu ermöglichen. Zumindest ist es bei mir so: Es ist cool, etwas auf die Beine gestellt zu haben“, fügt Sohn Philipp an, dessen Freundin Miriam – obwohl sportlich nicht aktiv – ebenfalls Mitglied der TGH ist.

„Obwohl sie mit dem Verein eigentlich gar nichts zu tun hat, übernimmt sie jetzt die Funktion des zweiten Jugendleiters. Sie ist eben auch ein sozialer Mensch, dem es Spaß macht, für andere etwas zu tun. Das muss man mitbringen, sonst macht es keinen Sinn, ein Ehrenamt zu übernehmen“, unterstreicht der Fan des Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen.

Leidenschaft und Engagement für die TGH

Und genau diese Leidenschaft bringt die komplette Familie mit. Die Passion geht sogar so weit, dass ein Leben ohne die TGH schlicht nicht denkbar wäre, wie Jutta Dorn hervorhebt: „Ich finde es schön, dass es für eigentlich jeden ein Angebot gibt. Auch wenn die Knochen vielleicht nicht mehr so mitmachen, findet doch jeder einen Sport. Deswegen finden wir Vereinsleben auch immer noch schön. Wir helfen gerne, auch wenn es manchmal anstrengend ist.“

Ob die 60-Jährige nach nunmehr 13 Jahren im Handballvorstand aber auch 2020 erneut für ein Amt zur Verfügung steht, weiß sie noch nicht: „Ich will mich irgendwann auch mal zurückziehen.“ Obwohl auch die Angst besteht, dass vielleicht niemand die Lücke ausfüllen würde und der Verein so darunter leiden könnte.„Man will nicht im Stich lassen, was man über Jahre aufgebaut hat. Deswegen werde ich wohl nie so ganz verschwinden. Wenn nicht etwas Gravierendes passiert, werden wir uns als Familie immer für die Turngemeinde Hanau engagieren.“

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