Kam mit weiblicher Verstärkung zur Kür der Besten: Philipp Ahouansou verfolgte die Preisverleihung mit Mama Andrea und Freundin Maya Langendorf. Foto: Achim Senzel

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Philipp Ahouansou ist Main-Kinzig-Sportler des Jahres 2019

Sport. Handball-Talent Philipp Ahouansou aus Hanau​ ist bei der "Kür der Besten" als Main-Kinzig-Sportler des Jahres 2019 ausgezeichnet worden. Ahouansou fing in der Jugend der HSG Hanau mit dem Handballspiele an und steht nun bei den Rhein-Neckar Löwen unter Vertrag. Wir haben die Laudatio der Ehrung im Wortlaut.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

Wäre heute nicht die Kür der Besten, Philipp Ahouansou stünde jetzt vielleicht mit seinen beiden Geschwistern Sarah und Yannik im Badezimmer vor dem Spiegel. Später ginge es zu Rin. Nein, Rin ist kein Handballspieler, sondern ein Deutsch-Rapper. Die Karten für das Konzert in der Festhalle hat Sarah ihren beiden Brüdern zu Weihnachten geschenkt. Jetzt müssen Sarah und Yannik – und ja, Sie können sich’s denken, Sarah war schon ein bisschen sauer – allein auf das Konzert gehen.

Dass der Sport, besser gesagt der Handball, im Hause Ahouansou an erster Stelle steht, daran gibt es keinen Zweifel. Und wenn dazu noch die Kür zum Main-Kinzig-Sportler des Jahres kommt, ist die Anwesenheit Pflicht – und Ehre gleichermaßen für den Handballer Philipp Ahouansou.

Viele Wegbegleiter auf dem Weg zum Profi

Er hat nie vergessen, woher er kommt, – und wem er seine sportliche Karriere zu verdanken hat. In erster Linie natürlich sich selbst, seinem Trainingsfleiß, seinem Ehrgeiz. Aber auf seinem Weg zum ersten Profivertrag und zur U19-Vizeweltmeisterschaft haben ihn viele begleitet, gefördert, unterstützt. Seine Mutter Andrea zum Beispiel. Sie ist bis heute sein größter Fan.

„Philipp“, sagt sie im Gespräch mit uns, „war immer ein sehr aktives Kind“. Er turnt, probiert sich im Judo aus, schwimmt bei der DLRG. Irgendwann, Ende der Kindergartenzeit, geht er mit in die Turnhalle der Heinrich-Heine-Schule in der Hanauer Weststadt. Sein drei Jahre älterer Bruder Yannik hat hier Training. Handball. Super-Minis bei Anja Springer. Sie, die bis heute eine feste Größe in der Nachwuchsarbeit der HSG Hanau ist, legt auch bei Philipp Ahouansou die Saat, die schnell aufgeht.

Großes Talent wird früh erkannt

Philipp Ahouansou spielt sich durch die Handball-Jugend. Junker. Rundensteiner – seine Trainer erkennen schnell: Der Junge hat Talent. Riesiges Talent. Sie fördern ihn, wo sie können. Philipp Ahouansou findet schnell Gefallen am Handball. Auspowern. Im Team sein. Die Freundschaften von damals haben bis heute Bestand. Benni Horn, der früher mit ihm gespielt hat, sagt: „Philipp war ab der C-Jugend einer, der Spiele alleine entscheiden konnte, ein Leistungsträger, einer, auf den man sich immer verlassen konnte.“ Und er sagt: „Unsere Gegner hatten Angst, wenn Philipp Ahouansou in der Abwehr im Innenblock stand.“

Regelmäßig melden sich Jugendleiter von Profivereinen. Ende 2016 klingelt das Telefon wieder. Ein Scout der Rhein-Neckar-Löwen ist am anderen Ende der Leitung. Er hat Philipp Ahouansou spielen sehen. Sie laden ihn ins Leistungszentrum nach Kronau ein. Probespiel, Training, Rundgang durchs Internat. Immer an seiner Seite ist Mutter Andrea.

Nach dem Realschulabschluss an der Otto-Hahn-Schule wechselt der Hanauer im Sommer 2017 nach Kronau. Trainiert jeden Tag, geht zur Schule. Am Wochenende: Spiele.

2019 sportlich erfolreichstes Jahr

2019 wird sein Jahr. Der 18-Jährige wird deutscher A-Jugend-Vizemeister, Vizeweltmeister mit der U19-Nationalmannschaft und erhält seinen ersten Profivertrag bei den Rhein-Nackar-Löwen. In der 3. Liga ist der A-Jugendliche der Shootingstar der zweiten Löwen-Mannschaft. In zwei Spielen trifft die Nummer 19 jeweils sensationelle 14-mal.

Rückraum links ist seine Position, Daniel Narcisse und Mikkel Hansen seine Vorbilder. Nach 20 Spieltagen hat der 2,03-Meter-Mann 117 Treffer auf seinem Konto – und ist damit einer der besten Schützen der 3. Liga. Seine Erklärung in einem Interview ist kurz und einleuchtend gleichermaßen: „Das hängt damit zusammen, dass ich einfach super gut drauf bin.“

2020 schon der erste Turniersieg

Das neue Jahr hat gut begonnen für Philipp Ahouansou. Vor wenigen Tagen hat die U20-Nationalmannschaft beim Vier-Länder-Turnier in Portugal drei Siege eingefahren: gegen den Gastgeber, gegen Frankreich und gegen Spanien. Und das Turnier am Ende gewonnen. Bundestrainer Martin Heuberger lobte den Kampfgeist seiner Jungs.

2020 wird ein wichtiges Jahr für den Hanauer. Sein Fachabitur steht an. Mutter Andrea findet es spitze, dass sie in Kronau Wert auf ein zweites Standbein neben dem Handball legen.

Schon Pläne für Zeit nach der Karriere

Was er später einmal machen möchte? Vielleicht etwas mit Kindern und Schule. Im vergangenen Jahr hat er ein Praktikum gemacht, an einer Schule für Kinder mit Beeinträchtigung. Sie fanden ihn klasse – und er sie auch. Wer weiß, vielleicht steigt Philipp Ahouansou irgendwann mal ein in diesen Bereich, studiert Sonderschulpädagogik.

Jetzt geht’s aber erstmal um den Handball. Zu 100 Prozent. Philipp Ahouansou will fester Bestandteil des Bundesliga-Teams der Löwen werden, – im Sommer Europameister mit der U20-Nationalmannschaft. Und irgendwann deutscher Meister.

Enge Bindung zu Jugendfreunden

Offen. Kommunikativ. Selbstbewusst. Und trotzdem immer herzlich – so beschreibt ihn seine Mutter. Dass er mal eine derartige Handballkarriere hinlegen würde: Nein, das habe sie nicht geglaubt. Tarek Marschall – mit dem er früher immer zum Training gelaufen ist – nennt Philipp Ahouansou „einen guten Freund“, einen, der zuverlässig ist, „mit dem man über alles reden kann“.

Neulich standen sie sich auf dem Spielfeld gegenüber: Philipp Ahouansou bei den Löwen II, Tarek Marschall auf der Seite von Erlangen II. Sie mussten erstmal herzhaft lachen. Nach dem Spiel hat Tarek Marschall bei seinem Freund übernachtet. Handball verbindet eben.

Übrigens auch die beiden Brüder Ahouansou. „Früher habe ich ihm was beigebracht“, sagt Yannik, der heute in der Oberliga für Bürgel spielt, „heute kann er mir was zeigen.“ Den Konzertbesuch zu dritt holen sie nach. Ehrensache. Aber heute wird erstmal gefeiert.

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