Unser Olympia-Experte Rolf Hartung hat als Aktiver des Hanauer Ruderclubs Hassia bei den Spielen 1968 in Mexiko teilgenommen. Archivfoto: Kalle

Hanau

Olympia-Experte Rolf Hartung mit Ruderern zufrieden

Rudern. Trotz einiger Schwierigkeiten zu Beginn sind die deutschen Ruderer gut in die Olympischen Spiele gestartet: Zwar mussten einige Boote den Umweg über den Hoffnungslauf nehmen, bisher schied aber kein deutsches Boot aus. Unser Olympia-Experte Rolf Hartung ist mit der Leistung der Ruderern zufrieden.

Von Robert Giese

Schlechter als der bisherige Auftritt der Deutschen waren die Bedingungen auf der Regattastrecke in der Lagao Rodrigo de Freitas am Wochenende – hoher Wellengang sorgte am Samstag für teils extrem schwierige Bedingungen, die Rennen am Sonntag mussten gar verschoben werden. „Das ist mehr als ärgerlich“, meint Rolf Hartung, der als Aktiver des Hanauer Ruderclubs Hassia 1968 bei Olympia in Mexiko im Zweier mit Steuermann an den Start ging.„Das waren brutale Bedingungen am Samstag“, findet Hartung klare Worte für die Wettbewerbe am Samstag. Vor allem die Einer und Zweier hatten bei starkem Wellengang zu kämpfen, der immer wieder die Boote überspülte. Teilweise verschwand fast der gesamte Bug im Wasser, einige Boote fuhren angesichts des Wellengangs im Zickzack-Kurs, ein Boot kenterte gar.„Aber für Olympia war das ein Scherz"„Unmöglich war das“, so Hartung, viele Ruderer hätten jede Menge Wasser im Boot gehabt und seien dadurch deutlich schwerer gewesen, was sich besonders bei den Leichtgewicht-Booten, bei denen die einzelnen Ruderer nicht mehr als 72,5 Kilogramm auf die Waage bringen dürfen, negativ bemerkbar gemacht habe.„Sicher, Rudern ist ein Sport im Freien, da gibt es nicht immer ideale Bedingungen“, räumt der frühere Weltklasse-Ruderer ein; er selbst habe in seiner Karriere häufiger ähnlichen Widrigkeiten trotzen müssen. „Aber für Olympia war das ein Scherz, die Athleten haben sich jahrelang auf dieses Ereignis vorbereitet und müssen dann bei solchen Bedingungen antreten, das ist mehr als ärgerlich“, ist Hartung fassungslos.Starker Wellengang erhöht FehlerquoteImmerhin: Am Montag waren die Bedingungen deutlich besser, die einzelnen Läufe konnten problemlos stattfinden. „Der Veranstalter hat da reagiert und die Mitte der Strecke mit Pontons abgesichert, die als Wellenbrecher fungieren. Das hat offensichtlich gut funktioniert“, lobt Hartung, „ich hoffe, dass das so bleibt.“Starker Wellengang erhöhe nämlich auch die Wahrscheinlichkeit für technische Fehler, Ruderer könnten sich leichter „einen Krebs fangen“, wie das Boot der Kanadier im Vorlauf der Doppelvierer der Männer. „Dabei gelingt es dem Ruderer nicht, das Blatt des Skull oder Riemen aus dem Wasser zu ziehen“, erläutert Hartung, dadurch werde das Boot abgebremst und der Skull oder Riemen schnelle in den Händen des Ruderers nach oben."Wir hatten damals große Angst vorm Kentern"„Das Rennen ist dann auf jeden Fall gelaufen, im schlimmsten Fall kann das den Ruderer aus dem Boot werfen“, so Hartung. Auf dem hohen Niveau bei Olympia passierten solche technischen Fehler eigentlich nicht, „aber bei solchem Wellengang wie am Samstag kann das schon vorkommen“.Die Regattastrecke selbst kennt Hartung gut, er ist dort vor über 40 Jahren selbst einmal gerudert. „Wir hatten damals große Angst vorm Kentern, weil wir dann ja in diese Brühe gefallen wären“, attestiert Hartung dem Wasser in der Lagune eine fragwürdige Qualität. „Da muss man dann zusehen, dass man nichts in den Mund oder die Nase bekommt und sich am Ende noch irgendwelche Krankheiten holt“, warnt der Olympia-Teilnehmer von 1968 vor den Folgen, die ein Sturz in das Wasser der Lagao Rodrigo de Freitas haben könne."Wir sind auf einem guten Weg“Mit der sportlichen Bilanz der deutschen Ruderer ist Hartung allerdings zufrieden: „Bisher ist alles im grünen Bereich, wir sind auf einem guten Weg“, bilanziert der Ruder-Experte. Dass der Doppelvierer der Männer sich über den Hoffnungslauf qualifizieren musste, hat Hartung zwar überrascht, „aber dass ein Vorlauf in die Hose geht, kann immer mal passieren“. Hartung traut dem Boot weiterhin Edelmetall zu: „Auch über den Hoffnungslauf kann man am Ende noch ein Medaille holen, vielleicht sogar Gold.“Die weiteren großen Medaillenhoffnungen der Deutschen, der Doppelvierer der Frauen und der Achter der Männer, präsentierten sich dagegen souverän und sind daher für Hartung heiße Kandidaten auf eine Medaille. Doch wegen der hohen Leistungsdichte in der Weltspitze, geht Hartung von sehr engen Endläufen aus: „Gerade beim Achter der Männer gehe ich von einem brutal harten Finale aus, in dem die Engländer wie 2012 die stärksten Konkurrenten für Deutschland sein werden.“

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