Der Lockvogel: Richard Prause hat seine Kontakte spielen lassen und dafür gesorgt, dass der ehemalige Bundesligaspieler Yang Jianhua künftig für die TG Langenselbold aufschlägt. Archivfoto: TAP

Langenselbold

Oberliga: TG Langenselbold verpflichtet Chinas Meister von 1985

Tischtennis. Auf Platz vier hat die TG Langenselbold im Jahr nach dem Abstieg aus der Regionalliga die zurückliegende Saison in einer starken Oberliga Hessen abgeschlossen.

Von Stephan Roscher

Der Abstand auf Spitzenreiter und Aufsteiger Kassel war mit 18 Punkten riesengroß. In der am Wochenende beginnenden Spielzeit möchte die TGL mit ihrem auf mehreren Positionen veränderten Kader den Abstand zur Spitze verringern und oben ein Wörtchen mitreden.

„Wir tun gut daran, uns zunächst nach unten abzusichern“, mahnt Sportwart Matthias Leißner dennoch zunächst zur Vorsicht in einer schwer kalkulierbaren Liga, in der auch mancher Konkurrent gut aufgerüstet hat. „Trotzdem ist ein Platz in der vorderen Tabellenhälfte das erklärte Ziel.“ Leißner ergänzt: „Die Oberliga ist erneut stärker als im Vorjahr. Wir allerdings auch.“

Schreitz hat den Verein verlassen

Es galt, mit Andreas Schreitz, der mit seiner 35:5-Bilanz im vorderen und mittleren Paarkreuz zu den absoluten Topleuten der Liga gehörte, einen unumstrittenen Leistungsträger zu ersetzen. Schreitz verließ die TGL nach vielen Jahren in Richtung Hornau, Aufsteiger in die Verbandsliga West. Horst Geyer, der lange verletzt war und nur ein Match gewann, wechselte nach Frankenthal in die Oberliga. Doch vor allem der Verlust von Schreitz wiegt schwer.

Die Selbolder reagierten mit der Verpflichtung eines ganzen Spielerpakets. Alexey Tronin vom VfR Fehlheim, Harun Morkramer vom TTC Salmünster, Andrija Dragicevic von Eintracht Frankfurt sowie das 16-jährige Talent David Rose vom TTC Seligenstadt wurden vor Monaten bereits unter Vertrag genommen.

Tronin hat in der Vorsaison Regionalliga gespielt und gute Ansätze gezeigt, Defensivstratege Morkramer schlug für Hessenliga-Absteiger Salmünster auf, verbuchte dort aber im oberen Paarkreuz eine klar positive Bilanz. Und der Ex-Obertshäuser Dragicevic hat auch schon in der Regionalliga aufgeschlagen und zuletzt mit Eintracht Frankfurt den Aufstieg in die Hessenliga geschafft.

Ehemaliger Bundesligaspieler in Grenzau

Rose entschied sich inzwischen jedoch für eine kreative Pause und will zunächst einmal nicht spielen. „Er ist jung und da ist man sehr sprunghaft, er möchte halt aktuell kein Tischtennis spielen und setzt andere Prioritäten“, erklärt Leißner. „Das hat nichts mit der TGL zu tun. Wir müssen das jedoch akzeptieren.“

Dafür kam unter Mitwirkung von DTTB-Sportdirektor Richard Prause noch ein sensationell anmutender Transfer zustande. Der frühere chinesische Nationalspieler Yang Jianhua, 1985 Chinas Meister im Herren-Einzel und später viele Jahre in der deutschen Bundesliga für Grenzau, Steinhagen und Jülich aktiv, unterschrieb in Langenselbold. Der Penholder-Spezialist besitzt sicher den klangvollsten Namen, der jemals für die TGL auf einer Meldeliste stand.

Vorderes Paarkreuz unverändert

Allerdings ist Yang Jianhua inzwischen stolze 56 und man muss sehen, was er heute noch bewegen kann. „Er ist mit Richard befreundet und pendelt beruflich zwischen Deutschland und China, sodass ab und an ein Einsatz möglich ist“, erläutert Leißner. „Die aktuelle Spielstärke ist natürlich schwer einzuschätzen. Wir gehen aber davon aus, dass er in der Oberliga in der Mitte konkurrenzfähig sein wird.“

Das starke vordere Paarkreuz ist an Bord geblieben. Spitzenspieler Christoph Waltemode (30:6) und Richard Prause (17:7), der aber aufgrund seines Postens beim DTTB nicht immer verfügbar ist, hatten die Erwartungen ein weiteres Mal erfüllt. Die aktuelle Aufstellung lautet, in dieser Reihenfolge: Waltemode, Prause, Yang, Tronin, Morkramer, Hartmann. Selbstverständlich gehört auch der in der zweiten Mannschaft (Bezirksoberliga) auf der Spitzenposition gemeldete Dragicevic zum Kader.

Auftakt gegen Bad Homburg

„Die Liga ist sehr ausgeglichen“, so Leißners Einschätzung. „Bad Homburg ist jedoch favorisiert. Braunfels und Stadtallendorf sind vermutlich nicht ganz so stark.“ Man kann ergänzen, dass auch der signifikant verstärkte TV Dreieichenhain diesmal eine gute Rolle spielen könnte. Auch TuS Kriftel zählt traditionell zu den besseren Teams der Liga. Und dann wäre da ja auch noch die TGL, die im Augenblick noch ein wenig wie eine Wundertüte erscheint, aber reichlich Potenzial haben dürfte.

Den Auftakt machen die Gründaustädter am kommenden Sonntag um 10.30 Uhr bei der hoch gehandelten Zweitliga-Reserve aus Bad Homburg. Das Spitzenpaarkreuz der Kurstädter besteht mit Nils Hohmeier und Dominik Scheja aus Spielern, die eigentlich zum Kader der Ersten zählen und im Normalfall in der 2. Bundesliga aufschlagen. Die TGL wird versuchen, dagegenzuhalten und hat zu diesem Zweck auch Tischtennis-Ikone Yang Jianhua an Bord.

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