Auf geht's zur nächsten Sensation: Der Nidderauer Nico Kurz betritt zur Musik von Opus die Bühne im legendären Alexandra Palace. Heute soll ihn der Song "Live is life" wieder motivieren, wenn es gegen Luke Humphries um den Einzug ins Achtelfinale der Darts-WM geht. Foto: Heiko Lehmann

London

Nico Kurz siegt eiskalt im Hexenkessel - und ist selbst sprachlos

Darts. Wahnsinn! Absolut irre! Unglaublich! Sowohl den deutschen Fans als auch dem Anhang von Nico Kurz fielen am Freitagabend im Londoner Alexandra Palace nicht mehr als diese drei Worte ein.

Von Heiko Lehmann

Der 22-jährige aus dem Nidderauer Stadtteil Ostheim hat die größte Darts-Bühne der Welt schon wieder gerockt und mit Joe Cullen den nächsten Engländer aus dem Turnier geworfen. „Mir fällt auch nicht mehr ein, als Wahnsinn. Ich kann das alles selber kaum glauben“, sagte Nico Kurz nach seinem Sieg und schüttelte den Kopf. Er blieb im Hexenkessel „Ally Pally“ einmalmehr eiskalt.

Er führte mit 2:1 in den Sätzen und ging beim Spielstand von 2:2 im vierten Satz das letzte Mal an die Abwurflinie. 40 Punkte hatte der gebürtige Hanauer noch übrig. „Ich konnte gar nicht mehr hingucken. Ich war in meinem Leben noch nie so nervös wie heute“, sagte Nicos Freundin Sarah Tugend, die gemeinsam mit vielen Freunden direkt neben der Bühne saß.

Alles andere als nervös

Nico Kurz war zu diesem Zeitpunkt alles andere als nervös. Er atmete zweimal tief durch, machte den letzten Schritt zur Abwurfmarke und hatte dabei ein Grinsen im Gesicht. „Ich konnte gar nicht realisieren, was in diesem Moment gerade los war. Es war eine total verrückte Situation“, erklärte der Nidderauer nach dem Spiel.

Der erste Pfeil flog noch knapp über die Doppel 20, aber der zweite passte ganz genau. Mit 3:1 schlug der deutsche Hobby-Darts-Spieler den bei der Weltmeisterschaft an Nummer 15 gesetzten Cullen. Seine Freunde flippten komplett aus und lagen sich in den Armen, während Nico Kurz wie schon nach dem Sieg gegen Wilson die Hände hinter seinem Kopf verschränkte und ungläubig ins Publikum guckte. „Du weißt in dem Moment zwar, dass du gewonnen hast, aber irgendwie kriegst du es nicht richtig mit. Das Gefühl ist schon krass“, erklärt der neue deutsche Darts-Shootingstar.

Im Vorfeld der Partie hatte ihm viele Darts-Experten ein sehr schweres Spiel prophezeit, da Cullen um einiges stärker ist als James Wilson, den Nico Kurz in der ersten Runde besiegt hatte, und vor allem die Doppel wesentlich besser trifft. Und genau so kam es auch. Der Engländer legte ein wahnsinniges Tempo vor, spielte zu Beginn einen 103 Punkte Drei-Dart-Durchschnitt und hatte eine Doppelquote von über 70 Prozent.

Unnötige Fehler im ersten Satz

Hinzu kam, dass Nico Kurz im verlorenen ersten Satz auch unnötige Fehler machte. Doch dann kam das Comeback des Hessen. Cullen ließ nur minimal nach und Nico Kurz war im Stile eines abgezockten Profis sofort zur Stelle und nutze seine Chancen.

Apropos Profi: Durch den Sieg hat sich der Industriemechaniker auf den 86. Platz der Weltrangliste vorgeschoben und 25 000 Pfund Preisgeld sicher. „Ich habe eigentlich nicht vor Profi zu werden. Ich habe meinen Beruf und Darts ist mein Hobby“, erklärte Nico Kurz nach dem Einzug in die dritte WM-Runde.

Dort trifft der 22-Jährige am heutigen Montag gegen 13.40 Uhr auf den 24-jährigen Luke Humphries. Der nächste Engländer für den Deutschen, der sich regelmäßig Buhrufe von den knapp 3000 englischen Fans anhören muss. „Das hat mich in den beiden ersten Spielen nicht gestört und das wird mir am Montag auch nichts ausmachen. Ich versuche einfach mein Spiel zu spielen“, sagt der coole Nidderauer.

Erfolgsstress ohne Ende

Während er und seine Freundin am Wochenende zwei freie Tage in London genießen konnten, hatten seine Freunde Erfolgsstress ohne Ende. Sie sind am Freitagnacht noch mit Autos nach Hause gefahren, um die letzten Weihnachtserledigungen zu machen.

Am Montagmorgen sitzen sie alle wieder im Flugzeug nach London, um am Nachmittag wieder ihren Nico im „Ally Pally“ anzufeuern und zu hoffen, dass das Ostheimer Darts-Wintermärchen in England noch ein bisschen weiter geht.

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