Einer von Deutschlands besten Dartspielern kommt aus Nidderau: Nico Kurz hat bei der Weltmeisterschaft in London für Furore gesorgt. Die Sportart ist im Aufwind. In Deutschland haben noch nie so viele Menschen Darts im Verein gespielt, wie derzeit. Archivfoto: TAP/Bellack

Region Hanau

Nach dem Kurz-Märchen: Sportdirketor Jürgen Rollmann im Interview

Region Hanau. Darts ist eine aufstrebende Sportart – und das nicht erst seit den beeindruckenden Auftritten des Nidderauers Nico Kurz bei seiner Weltmeisterschaftspremiere in den vergangenen Tagen.

Der 22-Jährige hat – wie berichtet – bei den Wettkämpfen im Londoner Alexandra Palace die ersten beiden Runden überstanden und auch bei seinem Ausscheiden in der 3. Runde eine starke Leistung gezeigt. Nico Kurz hat damit ein kleines Darts-Märchen geschrieben. Vor der WM war er außerhalb der Darts-Szene kaum bekannt.

Für Jürgen Rollmann war Nico Kurz schon vor der WM kein Unbekannter. Der Ex-Fußball-Profi mit Vergangenheit beim FC Hanau 93, leitet seit 2018 in Frankfurt als Sportdirektor das Büro des Deutschen Dart-Verbandes. Im Grunde genommen hat Rollmann – wie damals als Fußballer – sein Hobby zum Beruf gemacht, denn er wirft seit Jahren leidenschaftlich Pfeile auf die Dartscheibe.

Natürlich verfolgt Rollmann aktuell die Darts-Weltmeisterschaft. Im Interview spricht er über den Nidderauer Shooting-Star, die Entwicklung der Sportart und die Unterschiede zwischen zwischen E-Darts und Steel-Darts.

Die Darts-Weltmeisterschaft geht ohne deutsche Beteiligung in ihre heiße Phase. Wo haben Sie das Drittrunden-Spiel des Nidderauers Nico Kurz verfolgt und wie bewerten Sie seine Leistung?

Zu Hause am Fernseher. Es war wieder eine bärenstarke Vorstellung von Nico. Auf absoluter Augenhöhe mit seinem Gegner Luke Humphries. Der hat immerhin bei der letzten WM den damals amtierenden Weltmeister Rob Cross aus dem Turnier geworfen.

Trauen Sie ihm zu, künftig womöglich als Deutsche Nummer eins in die Weltspitze vorzustoßen?

Die deutsche Nummer eins nach den Regularien des WM-Veranstalters PDC bleibt weiterhin Max Hopp. Nico Kurz hat bei dieser WM gezeigt, dass er auf Weltklasse-Niveau mithalten kann. Er muss also gar nicht irgendwo hin mehr vorstoßen, sondern er ist bereits angekommen. Zukünftig wird es für ihn um die Bestätigung seiner beeindruckenden Vorstellungen in London gehen.

Würden Sie Nico Kurz raten, sich voll und ganz auf eine Karriere als Dartprofi zu konzentrieren, oder wäre es zu riskant, dafür seinen Job an den Nagel zu hängen?

Wenn jetzt ein Sponsor käme und würde sagen, wir finanzieren dir alle Reisen, Startgebühren und Hotelkosten zu den Turnieren und zahlen dir darüber hinaus das Monatsgehalt, das du in deinem Job verdienst – dann ja.

Darts ist als Sport aktuell in aller Munde. Wie drückt sich der Boom an der Basis in Zahlen aus?

Im Deutschen Dart-Verband (DDV) mit seinen 13 Landesverbänden gab es für die laufende Saison 2019/2020 höchst erfreuliche Anmeldezahlen: Über 15 000 Spieler sind in den DDV-Vereinen in verschiedenen Ligen aktiv. So viel wie nie in der 37-jährigen Geschichte des Verbandes.

Skizzieren Sie kurz den sportlichen Weg eines talentierten Spielers von den ersten Würfen auf eine Dartscheibe bis hin zum „Ally Pally“?

Der verläuft genauso wie in allen anderen Individual-Sportarten: Ein Top-Talent muss vorhanden sein. Disziplin, Fleiß, Ausdauer und mentale Stärke gehören dazu. Und dann natürlich irgendwann die richtigen Rahmenbedingungen, um aus einem Hobby einen Beruf machen zu können. Als Dartprofi kann man nur Geld verdienen, wenn man viele nationale und internationale Turniere spielt und erfolgreich ist. Das ist einjahrelanger, beschwerlicher Weg, der viel Vorleistung, auch finanzieller Art, erfordert.

Sie selbst spielen E-Darts. Sind Sie dort noch in der Bundesliga aktiv, und ist das für Sie noch Spaß und Hobby oder doch schon eher Sport?

Hobby-Sport. Drei Spielzeiten haben wir uns mit dem DC Daltons aus Merkenfritz in der sogenannten Bundesliga Hessen knapp gehalten. In der laufenden Saison sind wir eine Liga darunter in der Regionalliga gemeldet. Der zeitliche Aufwand war für viele Spieler einfach zu groß.

Was fasziniert Sie persönlich am Darts?

Der Wettkampfcharakter. Und es ist kein Glücksspiel. Zwar kann fast jeder gegen jeden in einem guten Moment ein Leg gewinnen. Auf Dauer entscheidet aber doch das Können.

Sie sind Sportdirektor des Deutschen Dart-Verbandes, der den Steel-Darts-Spielbetrieb in Deutschland organisiert. Was sind die Unterschiede zwischen E-Darts und Steel-Darts?

Die Höhe des Boards und der Wurfabstand sind gleich. Beim E-Darts zählt ein Automat die Punkte. Beim Steel-Darts muss in der Regel selbst gerechnet werden und neben den Spielern noch ein Schreiber dabei sein, der gleichzeitig als Schiedsrichter fungiert. Beim E-Darts kann der geworfene Pfeil nach Scheibenkontakt rausfallen und trotzdem zählen die Punkte. Beim Steel-Darts zählen nur die Punkte der Pfeile, die nach drei Würfen tatsächlich im Board stecken. Als Sportart anerkannt ist nur Steel-Darts.

Der Deutsche Dart-Verband steht unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbunds. Wie realistisch ist es in Ihren Augen, dass Darts irgendwann eine Olympische Sportart wird?

Der Amateurweltverband WDF bemüht sich seit diesem Jahr um eine Anerkennung durch das Internationale Olympische Komitee. Das ist ein komplizierter Prozess, der vermutlich Jahre dauern wird, aber durchaus realistische Erfolgschancen hat, wenn man die zunehmende Beliebtheit von Darts betrachtet.

Das Interview führte Frank Schneider.

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