Der Ronneburger Tennisclub, der im Jahr 1974 gegründet wurde und seine Hochzeit in den 80er Jahren hatte, ist Ende des Jahres 2019 aus dem Vereinsregister gelöscht worden. Fotos: Axel Häsler

Tennis

Nach 45 Jahren: Ronneburger Tennisclub hat sich aufgelöst

Tennis. Seit dem Ende des vergangenen Jahres ist der Ronneburger Tennisclub von 1974 Geschichte. Der Vorsitzende Reiner Rack ging den letzten Schritt mit der notariellen Löschung seines e.V. nach erfolgter Abwicklung und der Eintragung in das Vereinsregister.

Von Uwe Lange

20 Jahre lang hatte der Unternehmer aus Gründau die Geschicke seines Klubs in verschiedenen Funktionen mitgestaltet, die letzten 13 davon an der Spitze des Vereins.

Den Entschluss zur Auflösung hatte die Mitgliederversammlung satzungsgemäß schon im Juli 2018 gefasst, vier Liquidatoren aus dem Vorstand den Rückzug dann zeitnah begleitet und abgewickelt. „Es war absehbar, der schleichende Prozess hatte sich über die Jahre abgezeichnet, schlussendlich blieb uns keine andere Wahl“ schwingt mehr Realismus als Traurigkeit in den Worten von Rack.

Tennis-Boom bescherte über 200 Mitglieder

1974 hatte sich der Club offiziell gegründet, nachdem man zwar zuvor jahrelang schon aktiv war, jedoch nicht unter dem Dach des Verbands. Dann folgten die 80er Jahre des großen Booms, die Graf-und Becker-Manie machte auch vor den Ronneburgern nicht Halt, als die großen Vereine der Umgebung schon längst mit Aufnahmestopps reagierten.

In den Hochzeiten tummelten sich 220 Mitglieder auf den zunächst zwei Plätzen, die man schnell auf vier erweitern konnte. Die hatte man von der Gemeinde zu attraktiven Konditionen erwerben können, welcher Klub konnte seinerzeit schon mit Eigentum und einem schmucken Vereinshaus glänzen? Da aber selbst vier Plätze für die Aktiven und deren regelmäßigen Spielbetrieb zu wenig waren, plante man eine Erweiterung auf dann sechs Anlagen.

Die kam aber 1994 nicht zustande, „Gott sei Dank“ sagt Rack heute mit dem Wissen um die weitere Entwicklung seines Sports. „Wir hatten eine tolle Zeit, in der das Vereinsleben ganz oben stand, unser Klubhaus immer gut besucht war, schöne gesellige Veranstaltungen im Mittelpunkt standen.“

Fehlender Nachwuchs kann nicht kompensiert werden

Der notwendige Nachwuchs blieb jedoch aus, die Überalterung nahm ihren Lauf, gerade die jungen Leute des Vorstands versuchten alles, um potenzielle Nachfolger zwischen 18 und 30 Jahren zu begeistern.Ob das nun ein Public Viewing mit Riesenleinwand während der Fußball-WM war, ein gemütlicher Weihnachtsmarkt oder ein lauschiges Sommerfest: Die Resonanz war stets überschaubar, auch die eigenen Mitglieder blieben fern.

Zuletzt zählte der einst so starke Klub nur noch knapp 40 Mitglieder, „die jährliche Hauptversammlung hätten wir auch bei mir zu Hause im Wohnzimmer abhandeln können“ macht Rack das Desinteresse deutlich.

„Das Freizeitangebot für junge Menschen ist sehr groß, die Vielfalt lässt sie wählerischer werden, ein Engagement im Verein ist da sicherlich nicht die erste Option“. Ob man den Tiebreak und damit eine Weiterführung nicht doch irgendwie hätte erreichen können, glaubt der Vorsitzende nicht. „Meine Kollegen und ich haben wirklich alles versucht, waren ein tolles Team, die großartig zusammenarbeiteten, es war einfach nicht mehr möglich, das muss man dann auch erkennen.“

Vereinsvermögen geht an guten Zweck

Glücklich ist Rack, dass der Verein nicht wie anderenorts in der Insolvenz landete, man nun das Gelände an die Gemeinde zurückgeben kann, das kleine Plus aus der Veräußerung für einen guten Zweck zur Verfügung stellen wird.

45 Jahre Tennisclub Ronneburg gehen deshalb nicht nur mit einem weinenden Auge zu Ende, „die Erinnerungen an schöne Momente werden überwiegen“ sagt der Mann, der mit seinen Mitstreitern so viel Herzblut in den gelben Filzball und seine Akteure steckte. Positiv bewertet Rack den Einsatz der lokalen Ronneburger Politiker aller Parteien zur Abwicklung des Vereins, die an gleicher Stätte nun eine Kindertagesstätte entstehen lassen wollen.

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