Der Sportabzeichen-Experte: Siegmund Urff aus Hanau legt es nicht nur selbst häufig ab, sondern prüft auch die Sportler. Der 81-Jährige übt dieses Ehrenamt schon seit 57 Jahren aus. Archivfoto: Mike Bender

Sport

Mister Sportabzeichen: Siegmund Urff ist seit 57 Jahren Prüfer

Sport allgemein. Seit stolzen 57 Jahren bereits ist Siegmund Urff als Prüfer zur Stelle, wenn Sportler das Deutsche Sportabzeichen ablegen wollen. Nun wurde Urff vom Sportkreis Main-Kinzig für seine jahrzehntelange ehrenamtliche Tätigkeit als Prüfer geehrt.

Von Robert Giese

Im Gespräch mit dem 81-Jährigen stellt sich schnell heraus, dass der Sport nur eine von schier unzähligen Interessen des Hanauers ist.

Anfänge bei der SKG Hanau

Allerdings hat der Sport Urff Zeit seines Lebens begleitet: „Ich habe schon in der Schule gerne und gut Sport getrieben“, erinnert sich der 81-Jährige, der 1956 in die SKG Hanau eintrat, die damals gerade ihre Ski-Abteilung eröffnete. Urff fungierte dort bald als Übungsleiter, nach einem entsprechenden Lehrgang 1960 absolvierte er auch die Ausbildung zum Sportabzeichen-Prüfer.

Im Laufe der Zeit habe sich bei diesen Prüfungen einiges verändert, sei es nun die Aufteilung der einzelnen Disziplinen oder die Anforderungen an die Prüflinge, „die zum Teil günstiger geworden sind“.

Urff hat das Sportabzeichen 35 Mal selbst abgelegt

Eine Veränderung betrachtet Urff allerdings mit großer Sorge, denn die Zahl der Prüflinge nehme kontinuierlich ab: „Früher waren das immer mindestens 15 an einem Prüfungstag, heute sind es normalerweise deutlich weniger.“An Urff selbst liegt das freilich nicht, denn der 81-Jährige prüft nicht nur, sondern tritt regelmäßig auch selbst zur Prüfung an: 35 Mal hat er das Sportabzeichen abgelegt, zuletzt in diesem Jahr – und einige weitere Abzeichen sollen noch dazukommen.

Urff kommt dabei zugute, dass er sich immer für viele Sportarten interessiert hat: In der SKG war er sowohl bei den Skiläufern als auch bei den Kanuten aktiv, war Teilnehmer an diversen Lauftreffs und hat auch sonst viele Sportarten ausprobiert. Fit hält sich Urff auch heute noch, und zwar mit zwei bis drei Einheiten Gymnastik pro Woche, außerdem leitet er noch immer montags eine Trainingsgruppe bei der SKG.

Sohn erbt Sportgene der Eltern

Für diesen Verein ist Urff nicht nur schon seit Jahrzehnten als Übungsleiter tätig, sondern war auch lange Jahre im Vorstand. Dort brachte er auch seine beruflichen Fähigkeiten ein und war entscheidend am Umbau des Bootshauses Ende der 60er Jahre und am Neubau des Rhön-Hauses im Gersfelder Ortsteil Mosbach beteiligt.Urff ist nämlich Architekt – und lernte dieses Handwerk gewissermaßen von der Pike auf, denn vor seinem Studium absolvierte er eine Maurerlehre, die ihm im Studium sehr weitergeholfen habe. Nach seinem Abschluss arbeitete er zunächst bei einem Frankfurter Architekten, dann in Hanau, ehe er 33 Jahre lang als Architekt für die Bundesbank tätig war.

Verheiratet ist Urff seit über 50 Jahren mit seiner Frau Hanne, die ähnlich sportlich ist. Der gemeinsame Sohn Andreas erbte die sportlichen Gene seiner Eltern offensichtlich, war im Volleyball erfolgreich und ist ein sehr guter Skiläufer. Ob das sportliche Talent der Urffs auch an die Enkeltochter weitergegeben wurde, dürfte sich erst in einigen Jahren zeigen, denn Andreas' Tochter ist erst zwei Jahre alt.

Keine Pausen im Ruhestand

Urff selbst genießt seit einigen Jahren den Ruhestand – oder in seinem Fall eher den Unruhestand, denn der vielseitig interessierte 81-Jährige ist Mitglied in vielen Vereinen, besucht regelmäßig Vorträge und Kurse an der Volkshochschule, sammelt Bilder und Ansichtskarten von postgeschichtlicher Philatelie sowie der Geschichte Hanaus.

„Ich habe jeden Tag Termine“ sagt Urff mit Blick auf sein ungeheures Pensum, nebenbei kümmert er sich mit Begeisterung um seinen Garten. Und auch als Sportabzeichen-Prüfer wird er wohl zumindest noch ein Weilchen weitermachen. „Eigentlich sage ich mir ja jedes Jahr, dass es diesmal das letzte Mal ist“, so Urff, „aber am Ende verschiebt sich das dann doch jedes Mal wieder um ein Jahr.“

Ehrung für langjährige PrüferSeltene Jubiläen im Sportkreis Main-Kinzig: Fünf Sportabzeichen-Prüfer wurden für mehr als 40-jährige ehrenamtliche Tätigkeit geehrt. So kamen 246 Jahre Tätigkeit für das Breitensportabzeichen zusammen. Geehrt wurden Siegmund Urff für 57 Jahre, Hubert Bretz für 54 Jahre, Edith Schöppner für 53 Jahre, Hans Dillenburger für 42 Jahre und Professor Dr. Wolfgang Hasenpusch für 40 Jahre. Bernhard Mäder wurde ausgezeichnet, da er seit über 30 Jahren den Sportabzeichen-Stützpunkt Salmünster leitet. HA

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