So geht Ringen: "Mit deinem linken Arm blockierst du ihre rechte Hand, dann greifst du mit der rechten Hand in ihre Kniekehle", erklären die jungen Sportler des Ringerclubs Erlensee Reporterin Marilena Krauß, die das Gelernte schnell umsetzt. Foto: Mike Bender

Ringen

Marilena Krauß bei den Nachwuchsringern des RC Erlensee

Ringen. Es ist, als wäre ich schon einmal dort gewesen und würde die Kinder, die in der Fallbachhalle energiegeladen auf den Start ihres Trainings warten, bereits kennen. Kein befremdlicher Blick, keine Scheu, weil jemand Fremdes die Halle betritt – sondern offenherzige kleine Ringer, deren strahlende Gesichter ansteckend sind.

Von Marilena Krauß

Offenbar trage nicht nur ich dieses vertraute Gefühl des Bekannten in mir: „Waren Sie schon häufiger in der Zeitung? Ihr Gesicht kommt mir sehr bekannt vor!“, rätselt der wortgewandte Abdusalam. Er ist eines von vielen Kindern, die mich im Rahmen des Ringtrainings durch ihren herzlichen Umgang mit mir begeistern.

Kurz bevor es losgeht, lege ich meine Ohrringe ab, damit meine Niederlage, die ich gegen Ende des Trainings erwarte, die einzige „schmerzhafte“ Erinnerung sein würde. Währenddessen bauen die Kinder bereits die Kampffläche in der Mitte der Halle auf. Es bedarf keiner Worte des Trainers, die Matten in der richtigen Ordnung auf dem Boden zu platzieren und anschließend mit einer Plane, deren kreis- beziehungsweise ringförmig farbliche Markierungen wir alle kennen, zu überziehen. Alle helfen mit und wissen, wo sie anpacken können.

Selbstbewusstsein als wichtiger Teil des Ringens

Nach einem kurzen Dehnprogramm geht es mit dem Warmmachen los, das – um ehrlich zu sein – auch mich ins Schwitzen bringt. Klassische Lauf- und Koordinationsübungen schulen die motorischen Fähigkeiten der Kinder und bringen das Herz-Kreislauf-System in Schwung.

Bereits beim erfahrungsgemäß als langweiligsten Trainingsinhalt bewerteten Teil veranstalten die Ringer ihre eigene Show. In der bunt gemischten Gruppe aus Mädels und Jungs, groß und klein, jung und jünger, fordern sich die Kinder ein ums andere Mal zu Wettrennen heraus. Sie zeigen mir, dass es beim Ringen vor allem um Einschätzen, Selbstbewusstsein und sich mit anderen messen geht.

Krauß fühlt sich wie Donkey Kong

Im zweiten Teil des Trainings widmen wir uns der Beinarbeit, die beim Ringen eine große Rolle spielt. Schritt vor, Schritt zurück, ausweichen, schnell aufstehen, Angriff vorbereiten. Allmählich bekomme ich das Gefühl, dass die Schnellkraft in meiner Gewichtsklasse schneller nachlässt als in denen der Kids. Ich habe nicht mitgezählt, wie oft ich beim klassischen „Plumpsack“ herausgefordert wurde und knapp an meinem großen Triumph als Fänger, zur Belustigung aller, gescheitert bin.

Dann ist er da, der Moment auf den ich gewartet hatte – der freie Kampf. Kiana findet Freude daran, ihr Technikwissen an mich weiterzugeben. Die Siebenjährige erklärt wahnsinnig präzise und fokussiert, welche Aspekte beim Achselwurf, ihrer Paradedisziplin, zu beachten sind. „Nein! Du wirfst sie zur falschen Seite. Mit deinem linken Arm blockierst du ihre rechte Hand, dann greifst du mit der rechten Hand in ihre Kniekehle. Danach nimmst du sie hoch auf deine Schulter und wirfst sie auf die Matte.“ Nach erneuter Demonstration durch meinen persönlichen Coach fühle ich mich gut vorbereitet und so stark wie Donkey Kong, der stärkste Affe auf der Nintendo 64.

Taktik spielt eine wichtige Rolle

Zurück auf den Boden der Tatsachen – oder besser gesagt die Ringermatte – holt mich die neunjährige Ronja. Im direkten Vergleich habe ich einmal die Chance, sie mit einem Achselwurf in Bedrängnis zu bringen – mein Dank geht an Coach Kiana –, ansonsten gibt Ronja den Ton an und ringt mich sprichwörtlich nieder. Obwohl ich verlieren nicht leiden kann, empfinde ich meine Niederlage gar nicht so schmerzlich wie anfangs erwartet, denn: Es bereitet mir Freude zu sehen, wie konzentriert und geschickt sich Ronja und die anderen Kinder bewegen. Aktionsschnell und immer mit dem festen Glauben, die nächste Aktion wird erfolgreich sein.

Der athletische Schwerpunkt liegt im Bereich Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit, wobei die geistige Schnelligkeit eine große Komponente einnimmt. Taktisch soll der Gegner in die Position manövriert werden, in der er angreifbar ist und biomechanische Gesetzmäßigkeiten, wie etwa optimale Hebelverhältnisse, Gewinn bringend genutzt werden können.

Wertvolle Erfahrungen für die Kinder

Im Bewegungsfeld Kämpfen und Raufen wird ein gesundes Gefühl für die Einschätzung der eigenen Stärken und Schwächen, im Vergleich zu anderen, geschaffen. Neben dem Kräftemessen werden, im Einklang mit dem Regelwerk, ebenso pädagogische Ziele wie Fairness, Verantwortlichkeit für die Unversehrtheit des Gegenübers und (emotionale) Selbstkontrolle verfolgt. Die Kinder machen wertvolle Erfahrungen in interaktiven Handlungen des Anfassens, Kontakt spüren, gegeneinander kämpfen, aber ebenso aufeinander achten.

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