Bei der Hapkido-Europameisterschaft in Schöneck ist es zwischen heimischen Vertretern zu unschönen Szenen und Hallenverboten gekommen. Archivfoto: Lindenfeld

Hanau

Machtkampf im Hapkido?

Hapkido. Hallenverbote, Drohungen, persönliche Anfeindungen und Handgreiflichkeiten – die heimische Hapkido-Welt ist gewaltig aus den Fugen geraten.

Von Julia Meiss

Im Altkreis Hanau schwelt seit etwa einem Jahr ein Streit, der seinen traurigen Tiefpunkt kürzlich bei der Europameisterschaft in Schöneck fand: Es wurden heimische Sportler von der Veranstaltung ausgeschlossen und der Ausrichter ist nach eigenen Angaben geschlagen worden.

Gegenseitige Vorwürfe

Hapkido ist eine asiatische Kampfkunst, die in Deutschland auf dem Vormarsch ist. Nun kommt es aber gerade im Altkreis Hanau seit gut einem Jahr zu unschönen Szenen und gegenseitigen Vorwürfen. Auf der einen Seite steht Jens Schimmel. Er ist ein großer Verfechter des Hapkido und hat nicht nur den Hessischen Hapkido-Verband gegründet, dessen Präsident er ist, sondern auch in den Sportvereinen TSG Erlensee, SG Bruchköbel, TG Hanau, SV Oberdorfelden und TV Windecken Trainingsgruppen gegründet. Außerdem hat Schimmel die Stilrichtung „Silent Stream“ entscheidend geprägt – in der Kampfkunst ist es üblich, dass es verschiedene Stilrichtungen gibt.Auf der anderen Seite stehen vier bis fünf Trainer, die von Schimmel über drei Jahre zu Übungsleitern in der Stilrichtung „Silent Stream“ ausgebildet wurden, sowie einige Vereinsvertreter der genannten Klubs wie etwa Peter Stutz, Präsident der SG Bruchköbel, und Andreas Lindner, Vorsitzender der TSG Erlensee, der den Streit öffentlich gemacht hatte.

Knackpunkt vor etwa einem JahrZu dem Zerwürfnis zwischen den beiden Parteien – wobei Stutz und Lindner beteuern, davor ein gutes Verhältnis zu Schimmel gehabt zu haben – ist es vor etwa einem Jahr gekommen. Es folgten Monate mit kleineren und größeren Vorfällen, die auch das Einschalten des Landessportundes Hessen als Vermittler nötig machten.Vor der Eskalation des Streites vor einem Jahr existierten in den fünf genannten Vereinen Trainingsgruppen, die teils von Schimmel persönlich und teils von den von ihm ausgebildeten Trainern betreut wurden. Denn Schimmel habe, so Lindner, bei der TSG Erlensee tatkräftig geholfen einen Trainer zu finden, als ein anderer abgesprungen war.

Unruhe in den VereinenDann musste Jens Schimmel längere Zeit ins Krankenhaus und es brach für ihn eine ungewisse Zeit an: „Ich wusste nicht, ob ich wieder komme.“ Daher musste er alle Trainingsgruppen an seine Coaches abgeben. „Als ich zurück gekommen bin, habe ich gesehen, dass eine Revolution im Gange ist“, so Schimmel, der sogleich den Verdacht hatte, dass seine Trainer gegen ihn meutern und die Gruppen nicht mehr an ihn zurückgeben würden. Beispiel SG Bruchköbel: „Jens Schimmel hat Hapkido zu uns gebracht, aber nie selbst das Training gemacht. Er hat eine Trainerin für uns gefunden, die das gut macht und mit der die Kinder gut klar kommen“, kontert SGB-Präsident Peter Stutz den Vorwurf, dass die Trainerin die Gruppe nicht habe zurückgeben wollen.Etwa zum gleichen Zeitpunkt legte Jens Schimmel den von ihm ausgebildeten Trainern einen Vertrag vor, der das angeschlagene Verhältnis zwischen den Parteien endgültig zerbrechen sollte. „Ich habe einige Punkte aus der Vergangenheit aufgeschrieben, die nicht so gut waren. Beispielsweise hat ein Trainer die Prüfungsurkunde, die er von mir bekommen hat, eingescannt und überschrieben, um daraus Teilnehmerurkunden für einen seiner Kurse zu machen. Ich habe das Patent auf das Logo, so was geht nicht. Mit dem Vertrag wollte ich sicherstellen, dass meine Stilrichtung nach meinen Vorstellungen weitergegeben wird“, sagt Schimmel.

Streit um Vertrag für Trainer

Die Trainer und Vereinsvertreter sahen darin so eine Art Knebelvertrag und verweigerten die Unterschrift.„Ich habe den Vertrag, Jens Schimmel hat ihn mir auf meine Bitte hin zu geschickt, einem Anwalt vorgelegt. In unseren Augen ist dieser Vertrag sittenwidrig, das hat der Anwalt bestätigt. Wir haben das Jens Schimmel auch direkt gesagt“, nennt Stutz den Grund, warum die Trainer nicht unterschrieben hatten. Laut Stutz habe nun eine Phase angefangen, in der Schimmel die bei der SGB tätige Trainerin gemobbt habe. Das sieht Jens Schimmel gänzlich anders, vielmehr seien es er und seine ebenfalls im Hapkido tätige Frau gewesen, die in den Hallen „Attacken und Beleidigungen“ hätten ertragen müssen. „Die hätten gerne gehabt, dass ich handgreiflich werde, aber ich habe mich nicht provozieren lassen“, so Schimmel. „Solche Vorfälle sind mir in keinster Weise bekannt“, entgegnet Peter Stutz energisch auf die Vorwürfe. Vielmehr sei dem Vorsitzenden irgendwann der „Kragen geplatzt“, denn selbst nach einer Aussprache sei das Mobbing gegen die Trainerin weitergegangen, weshalb der SGB-Vorsitzende Jens Schimmel in der Brucköbeler Dreispitzhalle Hausverbot erteilt habe.

Konflikt mit TSG Erlensee

Zeitgleich schwelte auch ein Konflikt mit der TSG Erlensee. Dem Verein stellte Schimmel im Herbst 2016 die Ausrichtung der EM in Aussicht, habe die Vergabe aber einige Monate später zurück gezogen. „Ich war schockiert, immerhin waren wir schon in den Planungen, und habe um eine Begründung gebeten. Jens Schimmel hat dann gesagt, dass er von einem Mitglied persönlich angegangen worden wäre“, erzählt Andreas Lindner. Jene Person wollte Schimmel bereits zu diesem Zeitpunkt von der ‧Organisation und der Teilnahme der EM ausschließen. Das wurde dem Vorsitzenden der TSG Erlensee schließlich zu bunt, denn Lindner vermutet einen anderen Grund: „Leute, die den Vertrag nicht unterschreiben wollten, waren bei der EM nicht willkommen.“Dem widerspricht Schimmel, der im Verweigern der Unterschrift einen Machtkampf sieht: „Die Trainer wollen die Macht haben und mir das Leben zur Hölle machen. Sie versuchen alles, um mich auf Verbands- und Vereinsebene zu diskreditieren.“ Dazu zählten auch Anzeigen beim Amtsgericht und anderen Institutionen.

Hallenverbot bei EM in Schöneck

Dann kam es zu dem Tag der Europameisterschaft, als Schimmel, als Mieter der Halle, von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht habe und jene Gruppe von Trainern ausschloss. Schimmel drohte gar damit, die EM ausfallen zu lassen, sollten besagte Personen nicht gehen. Die Gruppe ist schließlich abgezogen, doch wird jene Szene ein Nachspiel haben. Denn der IHC, der internationale Dachverband im Hapkido, lehnt diese Maßnahme ab. „Die IHC hat dies als rechtswidrig abgelehnt und verurteilt. Der Unterfertigte (der anwesende Vertreter des IHC, Anm. der Red.) selbst hat Herrn Schimmel eindringlich belehrt, dass solche Maßnahmen falsch, unfair und letztlich rechtswidrig seien“, heißt es in einer Stellungnahme des Verbands, in der sich der IHC von Jens Schimmel distanziert.Beendet scheint der Konflikt damit aber noch nicht zu sein, vielmehr scheinen sich die Gräben weiter zu vertiefen.

Das könnte Sie auch interessieren