Hanauer American-Football-Legende: „Ebbo“ Schauer hat die Gründung und das Ende der Hawks miterlebt. Fotos: Patrick Scheiber/Uwe Lange

American Football

Legende "Ebbo" erinnert sich an die Anfänge des American Football

American Football. Im Frühjahr 1979 wurde mit der Gründung des American Football Bundes Deutschland (AFBD) die bis dato nur in Kasernen und den Wohnsiedlungen der in Deutschland stationierten US-amerikanischen Soldaten ausgeübte Sportart salonfähig.

Von Uwe Lange

Auch Hanau sollte noch seinen Verein bekommen, angetrieben von Eberhard „Ebbo“ Schauer, der auch das Ende der Hanau Hawks und den Neuanfang als Hanau Hornets miterlebte.

Zwar gab es schon erste Klubs wie die Frankfurter Löwen, Düsseldorf Panther oder Munich Cowboys, aber für den Standort Hanau existierte noch ein Vakuum. Junge Sportbegeisterte wie der damals 22-jährige Eberhard Schauer fanden den Sport aus Übersee jedoch so grandios, dass sie eigene Schritte gehen wollten.

„Ich konnte direkt von meinem Elternhaus in Wolfgang auf das Militärgelände blicken, sah den Soldaten oder Highschool-Boys beim Training und Spielen zu, war fasziniert von Dynamik, Härte und Tempo des Footballs“, sagt „Ebbo“, so der Spitzname der Hanauer American-Football-Legende. „Ebbo“ Schauer sollte die kommenden 40 Jahre bis heute mit dem ellipsenförmigen Ei verbunden bleiben, ob nun als Mitbegründer, Funktionär oder Spieler.

Gründung an vorderster Front miterlebt

Die Gründung der Hanau Hawks erlebte er an vorderster Front, heute dokumentiert eine Reihe prall gefüllter Ordner die damalige Zeit der Football-Pioniere: vom Vereinseintrag bis hin zu den Tabellen und Spielberichten der folgenden Spielzeiten. Und die waren durchaus erfolgreich, gehörten die Hawks zur deutschen Elite. Mehrfach erreichten die Falken die Endrunde der höchsten Liga, aber ein Titel sollte nie dabei herausspringen. Der German Bowl blieb ein Ziel, das Hanau gleich viermal im Halbfinale verfehlte.

17 Spielzeiten in der höchsten Klasse folgten, auch zwei weitere in Liga zwei. Für Ebbo ging die Erfolgsleiter stetig nach oben, gleich fünfmal trug er das Trikot mit dem Adler auf der Brust. Am Ende der Karriere standen gar 370 Spiele auf der Habenseite des mittlerweile gut 50-jährigen, der die letzten Matches mit dem Sohnemann an der Seite bestritt.

Negativer Höhepunkt war dann das Aus der Hawks in 1999, als Verbindlichkeiten von mehr als 300 000 Deutsche Mark und Nachforderungen des Finanzamts für nicht abgeführte Lohn- und Umsatzsteuer ins Haus flatterten. Plan B holte die Hornets ins Boot, die vorausschauend schon in der Gründung waren und die Bundesliga-Lizenz der Hawks übernahmen.

Damit waren die Hawks Geschichte und das Kapitel der Hornets fand seinen Anfang. Doch dem neuen Klub fehlte die spielerische Substanz, die guten Spieler zog es zu besser zahlenden Vereinen von Aschaffenburg bis Wiesbaden. Ein Neustart in der sechsten Liga war unvermeidlich, nachdem man mit einem nicht wettbewerbsfähigem Kader derbe Pleiten erlitten hatte.

Neustart als Chance

„Ebbo“ Schauer blieb seinen Farben dennoch treu, sah den Neustart auch als Chance, verloren gegangenes Vertrauen im Umfeld bei Sponsoren und Fans zurück zu gewinnen. Heute kommen in der Oberliga immer noch bis zu 400 Besucher im Schnitt, natürlich weit entfernt von den 8  000 Fans, die einst beim Rekordspiel ins Herbert-Dröse-Stadion pilgerten. Am Sonntag könnte es doch wieder etwas voller werden, denn die Hornets empfangen zum Auftakt der Rückrunde den Lokalrivalen Offenbach Rockets zum Kellerduell.

Ob sich der durch die zahlreichen TV-Übertragungen aktuelle Boom in Deutschland auch bei den Hornissen bemerkbar mache, wird der Inhaber eines Footballshops gefragt. „Ja, es kommen viele junge Menschen auf uns zu, wollen es mal probieren, was ihnen in den NFL-Spielen so gefiel. Die Tendenz ist absolut steigend!“

Auch der zweite Hanauer Klub, die Ravens, würde davon profitieren, da das einstige Schulprojekt – anfänglich nur als privates Vergnügen eines ambitionierten Vaters gedacht – sich ebenso dem Verband anschloss und nun in der Landesliga dem Punktspielbetrieb nachgeht. „Die Klubs haben ein gutes Verhältnis untereinander, wir besuchen auch deren Partien in Klein-Auheim. Spieler, die es bei uns zeitlich oder auch sportlich nicht mehr schaffen, finden dort ein neues Zuhause. Umgekehrt gehen auch einige den Weg, die noch Ambitionen nach oben hegen“, freut sich der „Charly Körbel des Footballs“ über das Miteinander der beiden Hanauer Teams.

„Und wenn es dann einige der jungen Burschen in die erste Liga zu Frankfurt Universe schaffen, da schwingt schon ein bisschen Hanauer Stolz mit“, so eine der Figuren, die das Hoch und Tief des American Football in Hanau miterlebt haben.

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