Punktegarant in der Oberliga: Richard Prause, lebt in Hanau, ist Sportdirektor beim Deutschen Tischtennisbund und spielt für die TG Langenselbold. Foto: Patrick Scheiber

Tischtennis

Langenselbolds Richard Prause hat im Tischtennis noch viel vor

Tischtennis. Richard Prause ist eine Größe im Tischtennissport. Der 51-Jährige feierte seine größten Erfolge in der Zeit als Trainer der deutschen Nationalmannschaft. Heute ist er Sportdirektor beim Deutschen Tischtennisbund, und wann immer die Zeit es zulässt, Spieler bei der TG Langenselbold in der Oberliga.

Von Nils Moock

Angefangen hat alles, als Prause zwölf Jahre alt war. „Ich war zuerst beim Judo. Irgendwann haben mich meine Freunde mit zum Tischtennis genommen“, erinnert sich der heutige Sportdirektor. Schnell hat er im Tischtennis seine Leidenschaft gefunden: „Es ist ein unglaublich dynamischer Sport, und gleichzeitig spielt auch das strategische Denken eine große Rolle. Es ist wie schnelles Schach.“

Sprung in Nationalmannschaft und EM-Bronze

Mit seinen zwölf Jahren war Prause allerdings ein „richtiger Spätstarter“. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ihm als Spieler nie der Sprung in die absolute Weltspitze gelang. Für mehr als Weltranglistenplatz 58 hat es nicht gereicht. Dennoch sei er mit seiner Karriere völlig im Reinen. „Mit begrenztem Talent und stringentem Training“, schmunzelt Prause, „habe ich den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft. Das war ein großer Erfolg für mich.“

Bei der EM 1994 in Birmingham gewann der Linkshänder mit der deutschen Mannschaft die Bronzemedaille. Auch die WM-Teilnahmen 1993 und 1995 endeten mit Platz drei und Platz fünf erfolgreich. Zudem wurde er 1993 deutscher Vizemeister im Einzel, 1994 und 1995 gewann er bei den deutschen Meisterschaften den Titel im Mixed, gemeinsam mit Nicole Struse. Nur eines bedauert der in Hanau lebende Prause: Als Spieler hat es für ihn nicht zu einer Olympiateilnahme gereicht.

Trainerkarriere beginnt bei der Nationalmannschaft

1999 begann dann die Trainerkarriere des zweifachen Familienvaters. Zunächst wurde er Co-Trainer der Herren-Nationalmannschaft, bevor er ein Jahr später die Frauen als Trainer übernahm und 2004 wieder bei den Herren landete, dieses Mal als Cheftrainer. In dieser Zeit feierte Prause mit seinen Jungs einen Erfolg nach dem anderen. Dabei lief es zu Beginn alles andere als rund: „Ich war Trainer mit Leib und Seele, immer voll dabei. Bei meiner ersten EM 2005 waren wir Mitfavorit. Völlig unerwartet sind wir früh ausgeschieden. Da habe ich alles hinterfragt, vor allem mich selbst.“

Doch das Team ging gestärkt aus dieser „Krisenmeisterschaft“ hervor. Noch im selben Jahr erreichte das deutsche Doppel um Timo Boll und Christian Süß das Finale bei der WM. Und fortan lief es. Eine Medaille folgte auf die andere. Highlight: Die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. „Es war ein Riesenfest. Für viele war das der absolute Höhepunkt“, meint der Erfolgscoach begeistert.

Spieler aus aller Welt trainiert

2010 endete seine Zeit als Nationaltrainer. Für ihn begann ein neues Kapitel. Fortan war er Teil der „Werner Schlager Academy“ nahe Wien. Spieler aus aller Welt kamen dorthin, um sich im Tischtennis auf höchstem Niveau trainieren zu lassen. Für Prause eine prägende Zeit: „Es war einmalig. Ich habe Menschen aus Venezuela, dem Iran, Saudi-Arabien oder auch Kuwait kennengelernt.“

Fünf Jahre blieb er dort, ehe er sich 2015 einer neuen Herausforderung stellte: Sportdirektor beim DTTB. Seine Aufgaben sind vielfältig. Mit der Entwicklung des deutschen Tischtennis sei er zufrieden. Jedoch müsse man nun die nächste Generation heranziehen, den nächsten Timo Boll finden. Das sei die Herausforderung für die Zukunft.

Mit der TG Langenselbold zum Klassenerhalt

Eines hat der gebürtige Oberhausener über all die Jahre nicht verloren: den Spaß am Tischtennisspielen. Aktuell spielt er bei der TG Langenselbold. Denn die TGL bietet die perfekten Bedingungen für ihn: „Es ist herausragend, was die TG auf die Beine stellt. Wir haben als Truppe Spaß, spielen in einer tollen Halle und auch die Zuschauer kommen.“ Ziel für diese Saison sei es, so früh wie möglich den Klassenerhalt klarzumachen, und auch den einen oder anderen höher eingestuften Gegner zu ärgern.

Besonders wichtig ist Prause, über all die Jahre authentisch geblieben zu sein: „Jemand hat mal über mich gesagt, dass dort wo Prause draufsteht, auch Prause drin ist. Man darf sich eben nicht verbiegen lassen, muss aber gleichzeitig auch kompromissbereit sein.“

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