Höhepunkt der ersten Ju-Jutsu Fight Night war die Verabschiedung des mehrfachen Meisters Kevin Crichton (Mitte) mit einer Laudatio und einem Präsent. Das gab es von dem Sportler auch für seinen Trainer und Weggefährten Jens Gottwald (Zweiter von links). Foto: TAP

Ju-Jutsu

Kevin Crichton im Mittelpunkt der Ju-Jutsu Fight Night

Ju-Jutsu. Es war ein festliches Ambiente in der Orangerie von Schloss Philippsruhe, in dessen Mitte die zehnmal zehn Meter große Matte mehr als ungewöhnlich wirkte. Doch Gastronom Thorsten Bamberger und Trainer Jens Gottwald (KSC Hanau) wollten mit der ersten Ju-Jutsu Fight Night bewusst einen neuen Weg beschreiten.

Von Martina Faust

Anlass für die außergewöhnliche Inszenierung eines Ländervergleichs zwischen der deutschen und slowenischen Nationalmannschaft war die Verabschiedung eines ganz Großen des weißen Kampfsports: Kevin Crichton. Der mehrfache deutsche Meister stand am Samstagabend im Mittelpunkt des sportlichen Großereignisses, ohne jedoch selbst zu kämpfen. Grund ist eine Verletzung des Knies. Sie ist ebenfalls der Grund dafür, dass der 30-Jährige noch vor Abschluss der Saison seine aktive Sportlerkarriere beendet.

Karriereende im passenden Rahmen

Und wenn ein achtfacher deutscher, ein U 21-Europa- und U 21-Weltmeister sowie achtfacher Sieger der German Open seinen Rückzug ankündigt, dann sollte dies in einem würdigen Rahmen geschehen, fanden Bamberger und Gottwald. Deshalb die Fight Night, die auch mit dem Untertitel „Danke, Kevin“ hätte versehen werden können.

Diesen Dank fasste kein Geringerer als Erich Laaser, Präsident des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, in seiner Laudatio zusammen, als er auf Crichtons sportlichen Werdegang zurückblickte. „Es ist nahezu unmöglich, alle Siege und Erfolge aus den vergangenen 15 Jahren aufzuzählen“, so Laaser und sprach von einem „Ausnahmeathlet, der auf einen Ausnahmetrainer“ getroffen sei. Denn die Geschichte von Kevin Crichton ist untrennbar verbunden mit der seines Trainers Jens Gottwald. Bewusst entschied sich Laaser dagegen, Adieu zu sagen, sondern betonte: „Wir sagen heute auf Wiedersehen.“

Crichton bleibt dem KSC Hanau erhalten

Ein Wiedersehen mit dem Spitzensportler, der, begleitet vom tosenden Applaus aus den Reihen der durchweg stehenden Zuschauer, auf Krücken auf die Matte gehumpelt kam, um Dank und Präsent in Empfang zu nehmen, wird es geben. „Der Kampf- und Sportklub Hanau hat eine gute Jugendarbeit. Da gibt es viel zu tun“, kündigte er an, etwas von den positiven Erfahrungen und unvergesslichen Momenten zurückgeben zu wollen, die er selbst als KSC-Athlet erleben durfte.

Schließlich waren es einzigartige Momente, aber auch Höhen und Tiefen, die Crichton mit dem KSC verbinden – auch und vor allem dank seines Trainers Gottwald, mit dem ihn längst eine enge Freundschaft verbindet. „Es gibt so viele gemeinsame Momente, die Dir genauso gehören wie mir“, sagte Crichton, als er Gottwald eine Collage mit einigen Medaillen der größten Erfolge, einem Ju-Jutsu-Anzug und Schwert überreichte. Denn „dass Jens immer an meiner Seite war und an mich geglaubt hat“, nannte Crichton als besonderen Moment der vergangenen 20 Jahre.

Auch wenn der 30-Jährige fortan nicht mehr selbst aktiv an Wettkämpfen teilnimmt, wird seine Leidenschaft für einen Sport, der sich, so Crichton, durch seinen Facettenreichtum und spielerischen Aufbau auszeichne, erhalten bleiben und an die nächste Generation weitergegeben werden, wenn er vom Mattenrand aus mitfiebert – wie am Samstagabend, als er seinen Teamkollegen die Daumen drückte.

Deutsches Team verliert Ländervergleich

Dabei hatten die Lokalmatadoren Timon Kaeppel, Simon Roiger, Max Strauch, Kim Gottwald und Nikola Angelovski einen klaren Heimvorteil, was die mentale und vor allem lautstarke Unterstützung durch die Fans betraf. Doch in den Fighting- und Duo-Begegnungen trafen die beiden deutschen Mannschaften auf technisch starke Slowenen und Serben. Hatte Slowenien I im ersten Halbfinal die Nase vorn, entschied Deutschland I das zweite Halbfinal für sich. Im Finale unterlag Deutschland schließlich knapp mit 4:3.

„Das ist leider unglücklich gelaufen. Der letzte Kampf im Schwergewicht war verschiedst, denn der Schiedsrichter war der Vater des serbischen Kämpfers. Eigentlich hätte der Kampf an Simon Roiger gehen müssen, der klasse gekämpft hat. Aber es ging um nichts, sodass der Spaß im Vordergrund stand und natürlich die Verabschiedung von Kevin“, sagt Gottwald, der den Abend auch moderierte. So stand einer rauschenden Party im Anschluss an die Fight Night nichts im Weg und im Rückblick kann Gottwald müde, aber glücklich bilanzieren: „Es war megageil.“

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