Zwei Spielerinnen pro Mannschaft gehen gleichzeitig auf die Bahnen. Werfen sie erfolgreich, wird es laut. Die Teamkollegen stimmen Lieder an. Foto: Lindenfeld

Hanau

Kegeln im Sportcheck: DKC Hanau muss mental stark sein

Kegeln. Wie läuft eigentlich ein Regionalliga beim Kegeln ab? In unserer neuen Serie machen wir bei verschiedenen Sportarten den Sportcheck. Bei den Frauen des DKC Hanau zeigt sich schnell: Präzision in Kombination mit Ausdauer und starken Nerven sind gefordert.

Von David Lindenfeld

Im zweiten Teil der Serie „Sportarten im Check“ haben wir ein Regionalliga-Heimspiel der Keglerinnen des DKC Hanau besucht. Nachdem in der Vorwoche vom Ablauf und der Atmosphäre bei einem Squash-Bundesligaspiel berichtet wurde, zeigten die Keglerinnen schnell: Präzision in Kombination mit Ausdauer und starken Nerven sind gefordert.

100 Würfe am Stück muss eine Keglerin in einem Spiel ausführen: Das dauert mit Einwerfen circa eine Dreiviertelstunde und bedeutet für die Sportlerinnen im Gegensatz zum Hobbykegler vor allem eins: körperliche Anstrengung. Denn beim Kegeln kann neben der Konzentration auch die konditionelle Komponente ausschlaggebend für Sieg oder Niederlage sein.Flüssiger AblaufBei den Würfen muss der immer gleiche Ablauf möglichst genau wiederholt werden, um erfolgreich zu sein: Der Anlauf und das Schwungholen mit dem Arm sollten flüssig in das Bücken am Ende der Anlaufbahn übergehen, wenn man die Kugel loslässt.Da man erst ab einem Alter von 50 Jahren oder mit einer ärztlichen Sondergenehmigung Kugeln benutzen darf, die Löcher haben, muss man mit den Standardkugeln besonders tief in die Knie gehen, um diese auf der Bahn optimal ins Rollen zu bringen.Ausdauer ist wichtigDie Ausdauer ist beim Kegeln vielleicht nicht so wichtig, wie bei anderen Sportarten – klar ist jedoch: Wird der Arm schwer oder die Beine machen beim in die Hocke gehen nicht mehr mit, wird es schwieriger, die Kegel zu treffen.Vor allem dann, wenn nach den ersten 25 Würfen, die in die Vollen gehen, das Abräumen auf dem Programm steht. Hier ist auch wieder Präzision gefragt, da die Kegel, die nicht getroffen wurden, stehen bleiben und im nächsten Wurf umgeworfen werden müssen. Erst dann werden alle neun Kegel wieder aufgestellt.Wenn die Kegel fallen, wird gesungenSchwächephasen darf man sich nicht erlauben: Denn wer die letzten verbliebenen Kegel nicht trifft, kann im darauf folgenden Wurf weniger Punkte erzielen, als der, der bereits wieder auf die Vollen wirft.Während der Partie wird es immer wieder laut im Raum hinter der Kegelbahn: Besonders dann, wenn alle neun Kegel nach einem Wurf umgefallen sind. Traditionell stimmt die Mannschaft dann ein kurzes Lied an, das bei den Hanauerinnen zirka fünfzehn Sekunden dauert und von allen lautstark mitgesunden wird.Herzblut und EhrgeizAlle Spielerinnen sind mit Herzblut und Ehrgeiz dabei, feuern sich an und machen ihre Mitstreiterinnen darauf aufmerksam, was beim letzten Versuch schief gelaufen ist. Bei einem guten Wurf rufen alle „Hop, hop, hop“, in der Hoffnung, dass durch eine Kettenreaktion noch mehr Kegel umstürzen. Auch wenn nur sieben oder acht Kegel fallen, wird der Wurf mit einem eigens ausgedachten musikalischen Anfeuerungsruf gefeiert.

 

Jeder hat dabei seine ganz eigene Melodie. Da je zwei Spielerinnen beider Teams gleichzeitig auf den vier Bahnen spielen und dadurch häufig mehr als sechs Kegel fallen, ist ständig Stimmung. Auch die gegnerische Mannschaft hat ihre eigenen Gesänge, die von allen gleichzeitig angestimmt werden und eine Atmosphäre erzeugen, die es so nicht bei vielen Sportarten gibt.Heimspiele in GroßkrotzenburgViele Zuschauer haben den Weg ins Großkrotzenburger Bürgerhaus trotz der guten Stimmung allerdings nicht gefunden. Dort tragen die Frauen des DKC Hanau bereits seit ein paar Jahren ihre Heimspiele aus. Zuvor waren sie im Hanauer Hansa Haus, ehe man sich dort dazu entschied, die Kegelbahnen durch Bowlingbahnen zu ersetzen und den Kegelclub damit vor die Tür setzte.Die anderen Bahnen in Hanaus Stadtteilen waren bereits durch andere Mannschaften belegt. Mehrere Partien an einem Tag an einer Anlage zu veranstalten, ist schwierig, da ein Spiel bei den Männern, bei denen es 200 Würfe pro Spieler gibt, fünf Stunden dauert. Weil es in Großkrotzenburg keine aktive Mannschaft gab, entschieden sich die DKC-Frauen für das Bürgerhaus.Mentaler Druck ist großSeitdem werden dort jeden Sonntag, wenn die Hanauerinnen in der zweithöchsten hessischen Liga im Einsatz sind, die An- und Absagen gemacht, bei denen sich die beiden Mannschaften vor und nach dem Spiel gegenüberstehen: Dann wird das gegnerische Team freundlich begrüßt und nach dem Verlesen der Ergebnisse nach der Partie wieder verabschiedet.Gleich nach der Ansage geht es mit jeweils zwei der sechs Spielerinnen eines Teams los, die ihre 100 Würfe absolvieren. Ist das geschafft, kommen die nächsten zwei. Die Punkte aller Spielerinnen werden am Ende zusammengezählt. Wer als Team am Ende mehr Gesamtpunkte hat, gewinnt. Da sich beim Kegeln häufig bis zum letzten Wurf alles noch ändern kann, lastet auf den letzten beiden Keglerinnen der größte mentale Druck.Tabellenführer geschlagenDie besseren Nerven haben an diesem Tag die Hanauerinnen: Trotz einer „durchwachsenden Leistung“, wie die DKC-Frauen hinterher auf ihrer Facebook-Seite schreiben, haben sie den Tabellenführer aus Bad-Soden Salmünster am Ende knapp mit sechs Holz, wie die Punkte auch genannt werden, Vorsprung geschlagen. Eins steht fest: Spannung bis zum Schluss und gute Stimmung sind beim Kegeln garantiert.

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