Dynamisch: Julia Loos trainiert und studiert seit sechs Semestern in den USA. In den Semesterferien ist die Birsteinerin als Spitzenspielerin des TC Rodenbach gesetzt. Foto: PM

Tennis

Julia Loos vom TC Rodenbach ist in den USA erfolgreich

Tennis. Wenn Julia Loos den Tennisplatz betritt, geschieht das die meiste Zeit über im Jahr in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort studiert die Nummer eins der Damen des TC Rodenbach im Rahmen eines Tennis-Stipendiums „Business, Administration undamp; Management“ an der Lincoln Memorial University.

Von David Lindenfeld

Rund acht Monate verbringt die 21-Jährige deshalb jährlich in Harrogate, einem kleinen Ort im Bundesstaat Tennessee, der gerade einmal rund 4500 Einwohner zählt. „Viel unternehmen kann man da nicht. Ohne Auto ist man aufgeschmissen“, sagt Loos, die aus der kaum größeren hessischen Gemeinde Birstein kommt. Ein Auto, mit dem eine Fahrt in die nächst größere Stadt Knoxville etwas mehr als eine Stunde dauern würde, hat sie in den USA nicht: „Das macht aber nichts. Ich bin ja zum Studieren und zum Tennisspielen dort.“

Tennis-Ass glänzt auch als Vorzeigestudentin

Wenn im August der Universitäts-Alltag in den Staaten wieder beginnt, geht Loos in ihr siebtes und gleichzeitig letztes Semester. Eigentlich beträgt die Regelstudienzeit ihres Studiengangs acht Semester. Die Tennisspielerin war jedoch auch abseits des Platzes fleißig, hat vorgearbeitet und hofft trotz des größeren Arbeitsaufwands in kürzerer Zeit darauf, ihr Studium als Jahrgangsbeste abzuschließen. Ihr Schnitt liegt momentan bei 1,0. Schon im vergangenen Jahr erhielt sie von der Lincoln Memorial University eine Auszeichnung für ihre guten Leistungen.

Für das Tennis-Stipendium entschied sich die 21-Jährige früh. Im Jahr 2013 erhielt sie eine Anfrage von einer Agentur, die nach talentierten ausländischen Spielerinnen Ausschau hält und diese an Universitäten in den USA vermittelt. Lange überlegen musste Loos nicht: „Es ist eine gute Möglichkeit, um seinen Sport weiterhin auszuüben, neue Freunde kennenzulernen, seinen Horizont zu erweitern und die Sprache perfekt zu lernen“, fasst sie die Vorteile zusammen.

Loos spielt in zweiter College-Liga

Loos zahlt nur die Flüge selbst und bekommt ihr Studium ansonsten vollständig finanziert. Dafür spielt sie im Uni-Team, das in der South Atlantic Conference (SAC), quasi der zweiten amerikanischen College-Liga, gegen zehn andere Universitätsmannschaften antritt. Die abgelaufene Saison beendete ihr Team auf dem fünften Rang. Wie in Deutschland wird auch in der SAC mit Sechser-Teams gespielt. Anders als hierzulande beginnen die Matches jedoch mit den Doppeln, wo Loos mit ihrer Partnerin Julia Valls im nationalen Liga-Ranking derzeit den 44. Rang belegt. In den Einzeln spielt sie in der Regel an den Positionen zwei, drei oder vier.

Trainiert wird in den USA meist fünf- bis sechsmal pro Woche – immer auf Hardcourt. Sandplätze gibt es dort nur vereinzelt. Ihr Spiel hat die 21-Jährige deshalb in der Vergangenheit „ein bisschen“ umgestellt. „Ich war früher immer sehr aggressiv und bin jetzt geduldiger geworden“, sagt die Linkshänderin, die oft mit viel Spin spielt und gerne mit ihrer Vorhand die Rückhandseite ihrer Gegnerinnen attackiert.

Zukunft in Rodenbach ungewiss

Die Semesterferien verbringt das Tennis-Ass stets in Deutschland. Aktuell steht sie mehrmals pro Woche beim TC Rodenbach auf dem Platz, für den sie seit 2011 spielt. Mit ihrer Vierermannschaft wurde sie in der Verbandsliga, der höchsten Spielklasse für Viererteams, im Jahr 2017 Meister. Nach einem schwachen Start mit zwei Niederlagen aus zwei Spielen belegt das Team, in dem sie an Position eins gesetzt ist, derzeit allerdings den letzten Tabellenrang und befindet sich in akuter Abstiegsgefahr. Gegen Blau-Gelb Dieburg hat Loos ihr letztes Spiel für die Damen des TC Rodenbach in dieser Saison bereits bestritten und mit einem 6:0 den ersten Saisonsieg gefeiert. Bei den weiteren Partien im August wird sie sich schon wieder in den USA befinden.

Ob in der kommenden Saison noch weitere Spiele für Rodenbach dazukommen werden, ist offen. „Es ist traurig, aber es könnte vielleicht unsere letzte Saison gewesen sein“, so Loos, die sich nach eigenen Angaben in Rodenbach immer wohlgefühlt hat. Aus schulischen und beruflichen Gründen könnten sich die Wege der Spielerinnen schon nach dem Sommer trennen – entschieden ist aber noch nichts. Auch deshalb hofft Loos, dass der Klassenerhalt den Teamkameradinnen noch gelingt, die es nach dem Wegfall ihrer Nummer eins im Saisonendspurt schwer haben werden.

Doktor-Titel das Ziel

Für ihre eigene Zukunft hat sich die ambitionierte Tennisspielerin schon konkrete Ziele gesetzt: Erst will sie ihren Master-Abschluss machen, danach den Doktor-Titel. Nur für einen Ort hat sie sich noch nicht entschieden. Auch für die Zeit nach dem Studium hat sie bereits Pläne: „Ich habe mich schon immer sehr für Autos interessiert.“ Die Elektro-Technologie begeistere sie. Ein Job bei Porsche oder BMW wäre der „Traum“. Bis dieser in Erfüllung gehen könnte, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Einen Teil davon wird Julia Loos schon bald wieder im kleinen Harrogate verbringen – an der Universität und auf dem Tennisplatz.

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