Der HANAUER ANZEIGER berichtete vor 25 Jahren von den Rollkunstläuferinnen des 1. Hanauer Roll- und Eissportclubs, die sich im Rollhockey versuchten. Ins Tor stellte sich die gut verpackte Carina Blum. Foto: HA

Hanau

Vor 25 Jahren: Kunstlauf-Damen satteln um und spielen Rollhockey

Rollhockey. Einen eher ungewöhnlichen Weg gingen vor einem Vierteljahrhundert einige Rollkunstläuferinnen des 1. Hanauer Roll- und Eissportclubs (HREC): Sie begannen zum Schläger zu greifen und riefen eine Rollhockeymannschaft ins Leben – die zu diesem Zeitpunkt einzige Frauenmannschaft in Hessen.

Von Robert Giese

Hier Anmut und Grazie, dort harter körperlicher Einsatz und Bälle, „die mit dem Tempo eines Autos auf der Landstraße angestürmt kommen“ – sehr viel gegensätzlicher könnten die beiden Sportarten, denen sich neun Sportlerinnen im Alter von 17 bis 26 Jahren verschrieben hatten, kaum sein.

„Das Einzige, was die beiden Sportarten verbindet, ist der Rollschuh“, stellte unser Reporter angesichts der ungewöhnlichen Betätigung der Hanauer Rollkunstläuferinnen daher damals auch überrascht fest.„Außerordentliche Gewandtheit“Und auf Rollschuhen hatten sich die Rollhockey-Novizinnen zu diesem Zeitpunkt schon jede Menge Meriten verdient: Nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Bühne hatten die jungen Frauen um Spielführerin Carola Frischkorn bereits jede Menge Erfahrung gesammelt, einige Spielerinnen hatten ihre Karriere im Rollkunstlauf bereits beendet. Die jahrelange Erfahrung kam ihnen auch beim Rollhockey zugute, legten sie auf Rollschuhen doch eine „außerordentliche Gewandtheit“ an den Tag – ein Attribut, das anderen Rollhockey-Mannschaften eher selten zugesprochen wurde.

 

 

Auf den Geschmack gekommen waren die Hanauerinnen bei einem gemeinsamen Training mit der erfolgreichen Schülermannschaft des HREC, die 1970 den deutschen Vizemeistertitel geholt hatte. Der Erfolgstrainer dieses Teams, Herbert Schaus, übernahm dann auch die Betreuung der Rollhockey-Frauenmannschaft, mit der er direkt in der 2. Bundesliga an den Start ging.Blaue Flecken gehören zum AlltagDabei mussten sich die Hanauerinnen mit vielen Umstellungen anfreunden, vor allem mit der körperlichen Härte. „Eine gehörige Portion Mut“, so unser Reporter damals anerkennend, müsse schon vorhanden sein, um in diesem Sport zu bestehen – Verletzungen seien bei dem schnellen Teamsport nämlich nicht auszuschließen. „Blaue Flecken gehören zu unserem Alltag“, bekannte Torhüterin Carina Blum damals – und das, obwohl sie „rundum eingepackt“ sei, also jede Menge Schutzkleidung trage.

Auf dem ungewohnten Terrain konnten die Hanauerinnen dennoch ihre ganz eigenen Stärken ausspielen, die sie sich in den Jahren zuvor beim Rollkunstlauf angeeignet hatten. „Die Hanauer sind schneller und haben eine bessere Kondition als unsere eigenen Spielerinnen“, musste der Trainer der Cronenberger Rollhockey-Frauen, gegen die der HREC vor dem Bundesliga-Start ein Testspiel bestritt, neidlos anerkennen. Er räumte den Neulingen daher gute Chancen ein, auch im Liga-Alltag zu bestehen.

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