Ein Maintaler für die Löwen: Stefan Seng ist Fanbeauftragter des Frankfurter Zweitligisten und engagiert sich auch ligaweit. Derzeit muss er sich mit Fanausschreitungen auseinandersetzen. Foto: Scheiber

Eishockey

Interview: Stefan Seng ist Fanbeauftragtensprecher der DEL2

Eishockey. Eishockey gilt nicht nur als der schnellste Mannschaftssport, sondern auch als attraktives Familienerlebnis ohne Sicherheitsrisiko. Da kam es mehr als überraschend, dass es Mitte Januar bei Zweitligaspielen zu Fanausschreitungen in und um die Stadien kam, dort sogar Polizeieinsätze notwendig wurden.

Die Ligenleitung der DEL2 in Neuss reagierte konsequent, sprach nach den Vorkommnissen in Bad Nauheim, Heilbronn und Ravensburg 47 Stadionverbote bis zum Ende der Spielzeit 2020/2021 aus.

DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch drückte seine Besorgnis zu den Vorfällen aber deutlich aus: „Auf keinen Fall wollen wir beim Eishockey solche Tendenzen wie im Fußball, wir werden die Entwicklung strengstens im Auge behalten!“

In Ravensburg beim amtierenden Zweitliga-Meister, den Towerstars, setzte es gar ein Hausverbot für deren komplette Ultra-Gruppierung. Eine drastische Maßnahme, die Rudorisch unbedingt begrüßt, will aber gleichzeitig „nicht alle Ultras über einen Kamm scheren“. Schluss mit jeglichem Verständnis hat der Sportwissenschaftler aber, „wenn körperliche Gewalt gegen andere Fans ins Spiel kommt, die gehört nicht zu unserem Sport und in unsere Liga“.

Eine wichtige Rolle für die Deeskalation in den Arenen spielen die ehrenamtlichen Fanbeauftragten der Klubs, die sich gemäß dem Motto „Wehret den Anfängen“ für das friedvolle Miteinander engagieren. Der Maintaler Stefan Seng ist seit 2014 einer der beiden Fanbeauftragtensprecher der DEL2, zusammen mit seinem Ravensburger Kollegen Mark Haberer versucht der 48-Jährige das Zusammenspiel zwischen Klubs und Fans zu optimieren.Im Interview spricht Seng über die Gründe der Ausschreitungen, Gegenmaßnahmen und einen möglichen Imageschaden.

Herr Seng, sind drei Vorfälle an einem Spieltag ein Zufall oder eine Tendenz?

In der Anzahl an einem Spieltag ist dies sicherlich ein Zufall, denn eigentlich ist es im Gegensatz zum Fußball beim Eishockey zwar stimmungsvoll auf den Rängen, aber abseits noch ruhig. Allerdings ist auch eine kleine Tendenz zu erkennen, dass es mehr wird mit derartigen Vorfällen.

Ist das mittlerweile ein gesellschaftliches Problem geworden oder der Nachahmeffekt, zum Beispiel aus dem Fußball?

Ich würde sagen, sowohl als auch. Gesellschaftlich ist es ein Problem, da die Hemmschwelle bei einigen leider immer niedriger wird. Auch wird es vom Fußball zum Eishockey getragen, da viele der Fans auch zum Fußball gehen.

Die Ultragruppierungen stehen besonders im Fokus der Klubs, einerseits tolle Aktionen und Stimmungsmotor, andererseits Aktionen körperlicher Gewalt, die mehr als grenzwürdig sind.

Wie kann man dies, außer mit Stadionverboten zu reagieren, im Ansatz lösen?

Die Klubs sollten schneller auf Vorkommnisse mit kleineren Sanktionen reagieren, außerdem wäre es wünschenswert, wenn sie versuchen würden, immer im Dialog mit den Gruppierungen zu stehen. Dies sollte am besten in Zusammenarbeit mit den Fanbeauftragten vor Ort erfolgen.

Wie ist die Zusammenarbeit der Fanbeauftragten mit den jeweiligen Vereinen, hier mit den Löwen Frankfurt, für die Sie seit 2011 tätig sind, und was machen die Verantwortlichen dort besser oder anders?

In Frankfurt funktioniert es deshalb ganz gut, da ich im regen Austausch mit der Klubführung bin, wie es bei anderen Vereinen durchaus auch gang und gäbe ist. Außerdem pflege ich einen permanenten Kontakt mit unserer heimischen Szene und deren Fans.

Wird nach den aktuellen Ereignissen ein Imageschaden bleiben und der Fan seine Konsequenzen ziehen?

Das glaube ich nicht. Eishockey ist weiterhin ein Sport für die ganze Familie, denn eigentlich ist es eine große Familie. Allerdings sehe ich die Vereine schon in der Pflicht, alles dafür zu tun, dass dies auch so bleibt.

Das Interview führte Uwe Lange.

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