Der Vorstand der Naturlandstiftung Main-Kinzig im Jubiläumsjahr: Robert Ruppel, Peter Warmbold, Peter Könnemann, Vorsitzender Michael Göllner, Adam Kirst, Gerhard Merkel, Gerhard Hruby, Manfred Geis, Eberhard Müller und Ernst Hruby (von links).Fotos: Privat

Schäden an den Lebensräumen heilen: 25 Jahre Naturlandstiftung im Main-Kinzig-Kreis - Biotopvernetzung als Ziel

Hilfe für Biber, Silberdistel und die Ästige Mondraute

Main-Kinzig-Kreis (pm/top). Über Jahrhunderte hinweg waren Felder, Wiesen und Wälder mit ihren Hecken, Bäumen und Waldrändern die prägenden Elemente der Kulturlandschaft. Es war eine heile Welt, und dies besonders für die heimischen Tiere und Pflanzen. Doch inzwischen haben viele Lebewesen in der auf Produktion und Konsum ausgerichteten Landwirtschaft den ihnen zustehenden Wert verloren. Dieser Entwicklung entgegenzuwirken ist das Ziel der Naturlandstiftung. Sie nimmt bedrohte Biotope in Obhut und legt neue naturnahe Lebensräume an. In diesem Jahr besteht die Naturlandstiftung im Main-Kinzig-Kreis seit 25 Jahren. Sie hat sich aus der Naturlandstiftung Hessen entwickelt, die auf Initiative der hessischen Jägerschaft gebildet wurde.

Das Arbeitsgebiet der Naturlandstiftung im Main-Kinzig-Kreis ist nach der Art der Naturräume zweigeteilt: Westlich von Gelnhausen herrscht intensive Landwirtschaft vor, die in klimatisch günstiger Lage auf Böden höchster Qualität betrieben wird. Hier ist es das Ziel der Naturlandstiftung, die entstandenen Schäden an den Lebensräumen zu heilen. Östlich von Gelnhausen liegt der für die landwirtschaftliche Bodennutzung von Natur aus benachteiligte Raum des Kreisgebietes. In dieser Region ist die Vielfalt an Biotopen noch gegeben. Allerdings fällt dort wegen der Ungunst der Lage nach und nach die Landnutzung aus. Das Hauptziel der Arbeit ist hier die Erhaltung und pflegende Bewirtschaftung der strukturreichen Lebensräume.

Zwar gibt es im Main-Kinzig-Kreis bereits eine Reihe von Naturschutzgebieten, doch könne die Ausweisung von Naturschutzgebieten nur der erste Schritt einer erfolgreichen Naturschutzarbeit sein, schreibt die Naturlandstiftung in einer Pressemitteilung.

Einer Verinselung von Lebensräumen müsse entgegengewirkt werden. Tier- und Pflanzenarten können langfristig nur überleben, wenn sie in den ihnen angemessenen Biotopen in ausreichend großer Zahl siedeln können. Ziel der Naturlandstiftung ist deshalb eine Biotopvernetzung. Wobei ökologisch bedeutsame Lebensräume durch Korridore und Trittsteine als Wanderwege für Tiere und Pflanzen verbunden werden sollen.

Für die Verwirklichung eines Vernetzungskonzepts im Main-Kinzig-Kreis hat die Naturlandstiftung sieben Biotoptypen ausgewählt: Obstwiesen, Uferbiotope, Feuchtgebiete, Wildbiotope, Waldwiesen mit Waldrändern, bedrohte Pflanzengesellschaften und Feldgehölze, Hecken und Einzelbäume.

Voraussetzung für die Biotopschutzarbeit ist, dass die Grundstücke zur Verfügung stehen. Dabei gibt es für die Naturlandstiftung zwei Möglichkeiten, diese Flächen in Obhut zu nehmen: Der Grundstückseigentümer überlässt der Naturlandstiftung die Fläche über eine Nutzungsvereinbarung. Sie stellt den Regelfall dar und wird gegen einen jährlichen Anerkennungsbetrag abgeschlossen. Ist die Sicherung eines Biotops nicht anders möglich, kauft die Naturlandstiftung auch Grundstücke an. Zurzeit hat die Naturlandstiftung 25 eigene Grundstücke.

Die Naturlandstiftung erstellt dann für jedes Biotop einen Entwicklungs- und Pflegeplan. Für die Durchführung gibt es drei Möglichkeiten: Mitglieder der Naturlandstiftung übernehmen Patenschaften für das Biotop und erledigen die notwendigen Arbeiten eigenverantwortlich. Sachkundige Landwirte übernehmen besonders schwierige und umfangreiche Pflegearbeiten nach einer vertraglichen Grundlage. Das geschieht insbesondere dort, wo künstlich die früher übliche Bewirtschaftung simuliert werden muss. Für Spezialarbeiten, beispielsweise die Anlage eines Kleingewässers, werden fachkundige Firmen engagiert.

Finanziert wird die Pflege aus einem Agrarprogramm der EU, zu einem Teil aber auch aus Spenden. Zudem wurde aber auch Stiftungskapital angesammelt, und aus dem Zinsertrag können laufende Maßnahmen erfolgen. So zum Beispiel beim Schutz einer Wiese mit Vorkommen der Küchenschellen, die Biberbiotope im Jossgrund und Sinntal, Feldholzinseln und Magerrasenflächen. Die Naturlandstiftung kämpft für den Erhalt der Silberdistel und von Arnika, kürzlich wurde sogar die Ästige Mondraute wieder entdeckt.

Ein Beispiel für ein Patenschaftsprojekt ist übrigens die Patenschaft der Jossatal-Schule in Oberndorf für die Sibirische Schwertlilie. Diese wächst nur im Hungerbachtal bei Lettgenbrunn. Um die Pflanze zu schützen, bauten die Schüler unter Anleitung des Forstamtes Jossgrund Drahtgeflechtzäune um die Pflanzen.

Die Naturlandstiftung hat zurzeit 240 Mitglieder. Der Jahresbeitrag beträgt zwölf Euro. Das Naturland-Spendenkonto: Kreissparkasse Schlüchtern, Kontonummer 22002 (BLZ 53051396).

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www.naturlandstiftung.eu

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