Abgetaucht: Die tschetschenischen Ringer Iunadi (rotes Trikot) und Nazhavdi Bisultanov sowie der Bulgare Sunay Hamidov haben den Kontakt zur RWG Hanau/Erlensee abgebrochen. Sie hatten im Dezember für einen Eklat gesorgt, als sie der Kampfrichterin jeglichen Körperkontakt verweigert hatten. Archivfoto: TAP

Hanau

RWG Hanau/Erlensee: Skandal-Ringer abgetaucht

Ringen. Genau vier Wochen ist es her, dass drei Ringer der RWG Hanau/Erlensee im letzten Kampf der Saison einer Kampfrichterin jeglichen Körperkontakt verweigert und damit für einen Eklat gesorgt hatten.

Von David Lindenfeld

Der Hessische-Ringer-Verband (HRV) hat nun ein Urteil gefällt, das den Verein kaum trifft, weil das für sechs Monate gesperrte Trio bis zum Beginn der Mannschaftssaison im Spätsommer wieder startberechtigt wäre. Der Kontakt der RWG-Verantwortlichen zu den drei Ringern ist jedoch abgerissen. „Wir hängen total in der Luft. Die Situation ist festgefahren“, sagt Anton Albert, der Vereinsvorsitzende des RC Erlensee, der gemeinsam mit dem AC Eiche Hanau die RWG bildet.

Nachdem die drei Ringer im letzten Kampf der Saison Schiedsrichterin Ramona Scherer den beim Ringen obligatorischen Körperkontakt zwischen den Unparteiischen und den Ringern aus „religiösen Gründen“ verweigert hatten und dafür im Kampf gegen den AC Goldbach disqualifiziert wurden, erstattete der HRV Anzeige gegen beide Vereine und die tschetschenischen Ringer Iunadi und Nazhavdi Bisultanov sowie den Bulgaren Sunay Hamidov.

Vorsitzender enttäuscht

Die beiden Klubs wurden vom Rechtsausschuss des HRV freigesprochen, da sie vom Verhalten der Ringer „überrascht und enttäuscht“ gewesen seien, wie es in der Urteilsbegründung heißt. Die Ringer selbst wurden hingegen bis zum 31. Juli gesperrt. Den letzten Kampf in der Verbandsliga verlor die RWG aufgrund der drei Disqualifikationen automatisch. Der Aufstieg war zu diesem Zeitpunkt jedoch schon in trockenen Tüchern.

Obwohl die Ringer eigentlich zur kommenden Saison wieder startberechtigt wären, deutet sich an, dass der Vorfall, der auch überregional in die Schlagzeilen geraten war, für die RWG weiterreichende Folgen haben könnte. „Die Jungs kamen seitdem nicht mehr ins Training und haben sich auch nicht mehr gemeldet“, erklärt Albert, der nach eigenen Angaben viel für das Trio getan hat – auch abseits der Matten – und vom Verhalten seiner Schützlinge enttäuscht ist.

Harter Schlag ins Kontor

Wie es nun weitergeht, ist unklar und soll auf einer internen Sitzung der Verantwortlichen beider Vereine, die die RWG bilden, am heutigen Freitag entschieden werden. Albert würde dem Trio noch eine zweite Chance geben – unter der Bedingung, dass ein Vorfall dieser Art in Zukunft nicht mehr vorkommen würde. „Die Ringermatte ist eine neutrale Zone, wo religiöse oder politische Themen nicht hingehören. Da unterliegt man den Regeln des Sports, denen man Folge zu leisten hat. Wer das nicht kann, muss aufhören. Das ist meine persönliche Meinung“, sagt Albert.

Ein Verlust der drei Ringer würde den Verein hart treffen. „Die normale Ablöse für einen Ringer liegt bei 500 Euro. Bei unserer Finanzlage wird es sehr schwierig“, so Albert, der ohne vorher mit den restlichen Vereinsverantwortlichen gesprochen zu haben, zu den weiteren Planungen der RWG keine Angaben machen – aber auch einen möglichen Nichtantritt des Aufstiegs nicht kategorisch ausschließen wollte.

Alles sei möglich. Näheres entscheide man am Freitag. Nur eins steht bisher fest: Den lange ersehnten Aufstieg in die Hessenliga, der möglicherweise auch durch eine im Raum stehende Umstrukturierung der Ligen durch den HRV zunichte gemacht werden könnte, und die Zeit danach, hatten sich die Verantwortlichen anders vorgestellt.

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