Foto aus besseren Zeiten: Anatolie Dreglea (rot) hat die RWG Hanau/Erlensee nach dem Aufstieg verlassen. Er ringt nun für den ASV Schaafheim. Archivfoto: Jens Dörr

Ringen

RWG Hanau/Erlensee hat sich nach 15 Jahren aufgelöst

Ringen. Die Ringer-Wettkampf-Gemeinschaft Hanau/Erlensee ist Geschichte. Die Vorsitzenden Anton Albert (RC Erlensee) und Hartmut Richter (AC Eiche Hanau) bestätigten die Auflösungsgerüchte.

Von Nils Moock

„In Zukunft werden die beiden Vereine getrennte Wege gehen. Wir sind nicht im Streit auseinandergegangen und hoffen nun auf die Entstehung einer gesunden sportlichen Rivalität“, erklärt Albert.

15 Jahre hatte die RWG Bestand, ehe sie im Dezember 2018 bundesweit in die Schlagzeilen geriet. In einem eigentlich bedeutungslosen Kampf in der hessischen Verbandsliga verweigerten drei muslimische Ringer der RWG der Kampfrichterin den Handschlag und nannten dafür „religiöse Gründe“. Zu diesem Zeitpunkt stand die RWG bereits als Meister fest. Dennoch ging es seither steil bergab. Die drei Ringer wurden in der Folge für sechs Monate gesperrt und tauchten ab. Vor der Saison war lange fraglich, ob die RWG als Hessenliga-Aufsteiger überhaupt starten würde. Sie taten es, verloren alle Kämpfe und zogen die Mannschaft früh in der Saison zurück. Am Ende steht jetzt die Auflösung: „15 Jahre ist es gut gegangen. Wir waren sehr erfolgreich. Und plötzlich macht ein Vorfall alles kaputt, was man jahrelang aufgebaut hat“, meint Richter enttäuscht.

Grund für die Auflösung

Auch Albert sieht in dem Skandal und der darauf folgenden Berichterstattung einen Grund für die Auflösung: „Nach dem Kampf tauchten plötzlich Reporter der „Bild“-Zeitung auf. Ich fragte, ob sie über unsere gewonnene Meisterschaft berichten wollen. Sie schüttelten den Kopf und sagten mir dann, dass sie wegen der drei muslimischen Kämpfer da seien. Das hat uns natürlich geschadet. Wir waren auf einmal bundesweit in den Negativschlagzeilen.“

Doch das ist Vergangenheit. Albert und Richter wollen in die Zukunft schauen und ihre Vereine wieder aufbauen. Möglichst schnell versuchen beide Klubs, eine Mannschaft zu stellen und wieder am Ligabetrieb teilzunehmen. Nach der Auflösung der RWG hatten die Ringer die Wahl, welchem der beiden Vereine sie sich anschließen wollen. „Die Mehrzahl der Ringer haben sich für Erlensee entschieden. Wir müssen jetzt schauen, dass wir Flyer verteilen und neue Ringer anwerben“, gibt der Vorsitzende der Hanauer die Richtung vor.

Aufgeben keine Option

Finanziell sei der Klub abgesichert und könne auch ein Jahr ohne Mannschaft stemmen. An Einzelturnieren nehmen die Sportler aber teil. Aufgeben ist für Richter keine Option: „Wir brauchen junge Menschen und Ehrenamtliche. Ich habe Hoffnung und bin zuversichtlich, dass es wieder wird. Seit über 50 Jahren bin ich aktiv. Warum? Aus Liebe zum Sport.“

Auch Albert will seinem Verein eine Verjüngungskur verpassen: „Wir müssen die Bindung zu den jungen Leuten herstellen. Wenn ein Vorsitzender so alt ist wie der Verein, kann das nichts werden.“ Stolz ist er deshalb darauf, dass sich erst kürzlich junge Vereinsmitglieder dazu bereit erklärt haben, in den Vorstand einzutreten und Aufgaben zu übernehmen.

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