Menschen fit machen, um Hindernisse überwinden zu können: Patrick Behrend (rechts) hat als Physiotherapeut seine Berufung zum Beruf gemacht. Der Hanauer sorgte zuletzt bei der Europameisterschaft im Extrem-Hindernislauf in Polen für fitte Sportler. Foto: Privat

Hindernislaufen

Hanauer ist als Physio bei der WM im Extrem-Hindernislaufen dabei

Hindernislaufen. Einmal bei etwas großem dabei und mehr sein als „der kleine Physio“. Diesen Traum hat sich der Hanauer Physiotherapeut, Personal Trainer und Weltreisender Patrick Behrend erfüllt.

Von Julia Meiss

Der 29-Jährige hat nationale und internationale Athleten fit gemacht, um durch den Matsch zu kriechen, über Eskaladierwände zu klettern oder Wassergräben zu passieren – das alles während einer drei oder 16 Kilometer langen Laufrunde. Die Rede ist von Obstacle Course Racing (OCR) oder auf deutsch gesagt: Extrem-Hindernislauf.

Bei der Europameisterschaft Ende Juni in Polen war Patrick Behrend als offizieller Physiotherapeut für die deutsche Delegation dabei. Und weil Physio und Athleten begeistert waren, will der deutsche Verband Obstacle Course Racing Association (OCRA) Germany den Hanauer unbedingt bei der Weltmeisterschaft in England im Oktober wieder dabei haben.

"Ich kenne keine Hindernisse"

„Von meiner Seite aus geht das klar. Da kenne ich keine Hindernisse“, spielt Behrend grinsend auf die Sportart an. Denn beim Extrem-Hindernislauf müssen während eines Laufkurses verschiedene Hindernisse wie zum Beispiel Wassergräben, Klettergerüste oder Reifenbarrikaden überwunden werden. Und genau das macht für den selbst drahtigen und sportlichen Physiotherapeuten den Reiz an der noch jungen Sportart aus. Hindernisse, egal wie hoch oder schwer sie auf den ersten Blick erscheinen, können überwunden werden.

Mit seinem Engagement bei EM und WM nimmt Patrick Behrend eine absolute Vorreiterrolle ein. Denn obwohl sich der Extrem-Hindernislauf immer größerer Beliebtheit erfreut, steckt die Sportart noch in den Kinderschuhen. Zwar gibt es Europa- und Weltmeisterschaften, ansonsten fehlt aber national sowie international eine grundlegende Vereins- oder Verbandsstruktur.

Um diese speziell in Deutschland zu schaffen, haben Marc Sund und fünf andere überzeugte Extremsportler vor neun Monaten den deutschen Dachverband OCRA Germany gegründet. „Zur Europameisterschaft ist unser Treiben richtig ernst geworden. Wir wollten für die deutsche Delegation als Anlaufpunkt mit einem Zelt vor Ort sein und den Sportlern auch einen Physiotherapeuten anbieten. Da habe ich dann erstmal überlegt, wen ich aus meinem Umfeld kenne“, kam der 29-jährige Usinger dann auf seinen Sport-Kumpel Patrick Behrend.

Kontakt durch einen Freund

Ein gemeinsamer Freund hatte beide mal zu einem seiner Kurse in einem Bruchköbeler Fitnessstudio mitgenommen, wodurch der Kontakt geknüpft war. Patrick Behrend, der mit seiner lebhaften und aufgeschlossenen Art seinem Beinamen „Un-Ruhestifter“, wie er seine Personal-Trainer-Firma genannt hat, alle Ehre macht, war sofort begeistert von den Extrem-Sportlern.

„Die Leute wissen was mit ihrem Körper anzufangen und meine Arbeit zu schätzen“, war für den Hanauer, der mittlerweile selbst drei Extrem-Hindernisläufe bewältigt hat und sowieso gerne Fahrrad fährt, mit dem Stand-Up-Paddle auf dem Main unterwegs ist oder Kraftsport macht, klar, dass er bei der EM dabei sein will.

Denn der gesellige Physio strebt danach, die volle Palette seiner Berufung auszuüben – inklusive seiner Tätigkeit als Personal Trainer. Patrick Behrend will in der Praxis im 20-Minuten-Rhythmus am Patienten arbeiten, als „Un-Ruhestifter“ für physische und mentale Fitness bei seinen Kunden sorgen und vor unerwartete Herausforderungen gestellt werden. Wie beim OCR. Dafür hat der quirlige Hanauer, den die Liebe zu seiner späteren Frau Saskia aus Sachsen-Anhalt in die Grimmstadt lockte, keine Kosten und Mühen gescheut.

Denn der deutsche Dachverband hat Patrick Behrend zwar dazu geholt, bezahlen konnte er ihn aber nicht. Um wenigstens die Reisekosten zu deckeln, hat der „Un-Ruhestifter“, der zum Ausgleich gerne Yoga macht und meditiert, für seine Behandlungen daher Geld genommen.

Reise nach London geplant

So soll es auch bei der Weltmeisterschaft vom 11. bis 13. Oktober in London sein, die Reise ist schon geplant. Mit dem Camper soll es auf die Insel gehen. „Da kann ich mein Equipment reinwerfen und auch drin schlafen“, ist Patrick Behrend ein Freund von praktischen Lösungen. Dass er auch gut mit weniger auskommt, hat der 29-Jährige bei seiner zurückliegenden Weltreise gelernt.

Mit seiner Frau Saskia hatte er sich am 15. Dezember 2018 auf den Weg gemacht, um die Welt ein Stückchen kleiner zu machen. Das Paar bereiste Sri Lanka, Vietnam und Neuseeland. Eine Infektion nach einem vietnamesischen Moskitostich bei Saskia Behrend machte die Weiterreise von Neuseeland nach Peru unmöglich. Der letzte Stopp, nach einer kleinen Pause in Neuseeland, war dann die niederländische Karibikinsel Curaçao.

Zurück in der Hanauer Heimat waren die beiden am 2. März. „Noch einmal in die andere Richtung starten und dann noch mal oben rum“, antwortet Patrick Behrend lachend auf die Frage, ob dies die letzte Weltreise gewesen sei. Bevor es wieder auf große Weltreise geht, steht im Oktober ein sportliches Großereignis in London an. Bei der WM im Extrem-Hindernislaufen wird Patrick Behrend als Physiotherapeut gefordert sein und versuchen, die Sportler vor oder nach dem Wettkampf wieder fit zu bekommen.

An dem natürlichen Peeling, bedingt durch die Matsch-Passagen im Wettkampf, stört sich der Physio mit der guten Laune und dem ansteckenden Grinsen überhaupt nicht. Denn das gehört dazu, wenn Patrick Behrend Teil von etwas großem sein will.›› ocra-germany.de

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