Auf dem Wasser zu Hause: Der Hanauer Hermann Husslein will wieder für Thailand bei den Olympischen Spielen in Tokio starten. Die Qualifikation findet Ende März statt. Foto: Privat

Kanuslalom

Hanauer Hermann Husslein will nochmal zu Olympia

Kanuslalom. Mit den Olympischen Sommerspielen in Tokio steht in diesem Jahr ein absolutes sportliches Highlight auf dem Programm, für viele Sportler ist es der größte Traum, einmal bei Olympia dabei zu sein. Auch der Hanauer Hermann Husslein will versuchen, sich noch einmal zu qualifizieren.

Von Robert Giese

Damit wäre er zum zweiten Mal nach London 2012 bei Olympia dabei. Doch der Weg nach Tokio ist steinig, denn nur rund 20 Sportler können sich in Hussleins Disziplin, dem Kanuslalom, für die Olympischen Spiele qualifizieren. Einige Startplätze sind bereits vergeben, einen der wenigen verbliebenen will sich der 34-Jährige Ende März sichern. „Damit setze ich bewusst alles auf eine Karte“, sagt Husslein, der sich gezielt auf jenen Wettkampf vorbereitet hat, „denn nur über den ersten Platz dort fahre ich sicher nach Tokio.“

Seine Chancen, sich dort durchzusetzen, setzt Husslein bei 50 Prozent an und sieht vor allem die chinesischen Athleten als große Konkurrenz. In die Karten soll dem Hanauer dabei spielen, dass er beim Wettkampf gewissermaßen Heimvorteil hat, findet er doch in Thailand statt, der Heimat von Hussleins Mutter – und auf einem Wildwasserkanal, dessen Bau Husslein selbst maßgeblich in die Wege geleitet hat.

„Den will ich nutzen, um in den Wettkampfmodus zu kommen“

„Zwölf Jahre Planung, Kosten von viereinhalb Millionen Euro, viele Sponsoren wie Red Bull“, zählt Husslein die Stationen auf, die der Bau der Strecke im südlich von Pattaya gelegenen Sattahip bereits hinter sich hat, aktuell ist der Bau kurz vor der Fertigstellung. Husslein fliegt Anfang Februar dorthin, um den Kanal feierlich zu eröffnen und sich bereits so gut wie möglich mit ihm vertraut zu machen. „Beim Kanuslalom entscheiden Nuancen“, weiß der 34-Jährige, „da kann ein kleiner Fehler den Sieg kosten. Deshalb ist es wichtig, den Kanal so gut wie möglich zu kennen.“

Rund vier Wochen Training hat Husslein deshalb auf der neuen Strecke angesetzt, unterbrochen nur von einem Wettkampf in Australien. „Den will ich nutzen, um in den Wettkampfmodus zu kommen“, erklärt der Hanauer, danach steht wieder intensives Training in Sattahip an. Überhaupt spult Husslein ein umfangreiches Trainingsprogramm ab, pro Woche kommen gut 20 Stunden zusammen. „Wir sind da viel auf dem Wasser, aber auch Athletik- und Ausdauerübungen gehören dazu“, erläutert Husslein.

„Das muss ich immer bei den Fluggesellschaften anmelden“

Diese lassen sich nur teilweise in Hanau absolvieren, weshalb der 34-Jährige viel unterwegs ist: Am Wochenende geht es inzwischen häufig auf eine Strecke in Prag, im Winter trainiert er auch schon einmal in Australien oder Neuseeland, dazu kommen Wettkämpfe auf der ganzen Welt. „35 000 bis 40 000 Meilen fliege ich pro Jahr sicherlich“, schätzt Husslein, immer mit dabei ist sein Boot – ein oft nicht unerheblicher logistischer Aufwand.

„Das muss ich immer bei den Fluggesellschaften anmelden“, so Husslein zum Prozedere, sein dreieinhalb Meter langes Sportgerät sicher von A nach B zu verfrachten. Die letzten Kilometer zu den Strecken geht es dann auf dem Autodach, größere Schäden am Boot blieben dabei zum Glück bisher aus. „Es kann sein, dass wir es mal flicken müssen“, meint Husslein, „aber in meinem Sport kommt es nicht so sehr auf eine glatte Oberfläche an, sodass ein paar Schrammen nichts ausmachen.“

„Das geht alles vom Laptop aus“

Dennoch, der Aufwand ist hoch – und für Husslein nur zu stemmen, weil sein Beruf sich gut mit seinem Sport vereinbaren lässt. Zusammen mit zwei Freunden hat Husslein vor einigen Jahren die Firma „Gummikönig“ gegründet, die Angelköder vertreibt. Der 34-Jährige bringt hier seine Fertigkeiten aus dem Maschinenbau-Studium ein und kümmert sich um die technischen Aspekte. Nebenher kümmert er sich auch ums Marketing eines weiteren Unternehmens aus der Angelbranche. „Das geht alles vom Laptop aus“, so Husslein, „anders wäre das auch gar nicht möglich.“

Denn reich werde man trotz großer Erfolge im Kanuslalom nicht, im Gegenteil: Die Reisen und sonstige Aufwendungen verschlingen viel Geld, auch wenn inzwischen Sponsoren oder der thailändische Verband, für den Husslein startet, dafür aufkommen.

„Rund um den Kanal könnten neue Jobs entstehen“

Das sei auch das Problem bei der Nachwuchsförderung in Thailand, der sich Husslein ebenfalls verschrieben hat. „Viele Talente sind irgendwann gezwungen, ihre Eltern zu unterstützen, und hören mit Kanuslalom auf“, schildert Husslein die Situation, der ganze Sport stecke in Thailand noch in den Kinderschuhen. Dabei seien die Voraussetzungen eigentlich günstig: Mit Boot und Paddel sind viele Thailänder vertraut, da Drachenbootrennen dort sehr populär ist, zudem gibt es auf der Anlage in Sattahip, auf der auch ein Ruderzentrum ist, ausreichend Boote für die Nachwuchssportler.

Sobald auch der Kanal fertig gestellt sei, werde der thailändische Kanu-Nachwuchs einen Schub erhalten, so Hussleins Hoffnung. „Rund um den Kanal könnten neue Jobs entstehen“, zählt der 34-Jährige auf, zum Beispiel mit Rafting-Angeboten für Touristen. Die Anlage könnte dabei von ihrer Lage profitieren, schließlich befindet sich die Touristen-Hochburg Pattaya ganz in der Nähe. Doch nicht nur Urlauber und die eigenen Talente dürften künftig für mächtig Betrieb auf dem Kanal sorgen, der so etwas wie Hussleins Lebenswerk ist: Die Anlage in Sattahip dürfte sich auch bei Kanuten, die im Winter trainieren wollen, großer Beliebtheit erfreuen. „Bisher muss man dafür bis nach Australien oder Neuseeland“, erklärt Husslein, „da spart man von Europa aus die halbe Strecke, wenn man stattdessen in Thailand trainiert.“

Bestleistung müsse auf den Punkt abgeliefert werden

Auch Husslein will nicht ausschließen, künftig mehr Zeit in Sattahip zu verbringen oder die Anlage künftig zu managen und sich dabei um die Förderung der Talente und Ausbildung weiterer Trainer zu kümmern. Das sei aber alles noch Zukunftsmusik, wie der 34-Jährige betont, der sich erst einmal voll auf die Qualifikation für Olympia konzentrieren will: „Da muss ich auf den Punkt meine Bestleistung abrufen, und danach sehen wir weiter.“

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